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Wiesbaden
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25. Januar 2012

Fähigkeiten entwickeln und Chancen verbessern

Seit 25 Jahren gibt es die Frühförder- und Frühberatungsstelle „Känguru“ / Ein Gespräch mit Marion Wack-Frankenbach

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Förderung für behinderte Kinder

Marion Wack-Frankenbach leitet seit 2010 die Frühförder- und Frühberatungsstelle „Känguru“ für behinderte Kinder. Die studierte Sozialpädagogin lernte in den 80er Jahren als Praktikantin die damals noch jungen Ansätze der Frühförderung kennen und wirkte ab 1987 beim Aufbau der Beratungs- und Förderstelle mit.
Vor 25 Jahren wurde die Beratungs- und Förderstelle gegründet, die ihren Sitz seit 1990 im Wiesbadener Stadtteil Schierstein hat. Das Ziel der Frühförderung und die Arbeitsweise haben sich seitdem nicht verändert. Heil- und Sozialpädagogen oder Motopäden beschäftigen sich zu Hause oder in eigens dafür eingerichteten Räumen in der Beratungsstelle mit den Kindern, um dabei spielerisch bestimmte Fähigkeiten zu trainieren und beispielsweise Sprach- oder Bewegungsdefizite auszugleichen. Aktuell versorgen sechs Mitarbeiter wöchentlich 51 Kinder.
Das Jubiläum wird heute mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Dabei wird das Angebot der Beratungs- und Förderstelle vorgestellt und erklärt, welchen Beitrag Frühförderung und Frühberatung auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft leistet. Unter Inklusion versteht man die ungehinderte Teilhabe aller Menschen an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenkonvention hat sich Deutschland verpflichtet, für eine inklusive Gesellschaft zu sorgen. Das setze voraus, „dass Kinder mit einer Behinderung oder Entwicklungsstörung so früh wie möglich gefördert werden“, betont Marion Wack-Frankenbach. Daher richtet sich das Angebot der Beratungs- und Förderstelle bereits an Kinder im Säuglingsalter.
Der Tag der offenen Tür in der Frühförder- und Frühberatungsstelle „Känguru“, Ehrengartenstraße 15, beginnt am heutigen Mittwoch, 25. Januar, um
14 Uhr und endet um 18 Uhr.

Warum ist die Frühförderung von behinderten Kindern so wichtig und was ist Frühförderung überhaupt?

Je eher Behinderungen und Entwicklungsverzögerungen erkannt und die Kinder gefördert werden, desto besser sind die Entwicklungschancen und die Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben. Wir geben Familien Orientierung in ihrer schwierigen Situation, begleiten und beraten sie. Unser Motto ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Im Schnitt kümmern sich unsere Mitarbeiter eineinhalb Stunden pro Woche um jedes Kind. Die Eltern sind immer mit dabei. Das ist wichtig, denn nur so können wir gemeinsam Veränderungen erreichen, die nachhaltig für das Kind sind.

Wer kommt zu Ihnen in die Beratungsstelle?

Eltern, die sich um die Entwicklung ihres Kindes Sorgen machen, soweit es die Bewegungs- und Sprachentwicklung, das Verhalten oder die geistige Entwicklung betrifft. Man kann auch zu uns kommen, wenn man sich nicht sicher ist, was das Kind eigentlich hat, und wissen möchte, was das Kind genau braucht. Sie können sich vorstellen, dass es Eltern oftmals schwerfällt, mit einem Kind mit Behinderung in die Öffentlichkeit zu treten, am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu wollen. Anderssein trifft leider noch nicht überall auf Toleranz. Wir machen den Eltern Mut, stärken ihr Selbstvertrauen und zeigen ihnen, wie sie mit ihrer Situation zurechtkommen können.

Was wird konkret getan, wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind eine Behinderung hat?

In der Regel erfahren Eltern von Klinik- oder Kinderärzten von der Behinderung ihres Kindes. Bei einer Entwicklungsverzögerung, die erst im Laufe des Heranwachsens erkennbar wird, geht die Initiative oftmals auch von den Kindertagesstätten aus. Oder die Eltern bemerken selbst, dass mit ihrem Kind etwas anders ist. Dann können sie sich an uns wenden, ohne Überweisung oder Antrag. Wir helfen ihnen dann, die nächsten Schritte zu gehen. Schon im ersten Gespräch erkennen wir oft, an welche Stelle sich die Eltern wenden können. Dabei arbeiten wir eng mit Kinderärzten und Therapeuten zusammen. Sollte eine Frühförderung notwendig sein, helfen wir bei der Antragstellung beim Amt für soziale Arbeit. Sobald der Antrag genehmigt ist, können wir mit der Förderung beginnen − entweder zu Hause oder bei uns in der Beratungsstelle.

Innerhalb der heilpädagogischen Beratung besuchen Sie auch Kindertagesstätten. Was ist das Ziel dieser Arbeit?

Wir beraten die Erzieher, damit Kinder in der Kita bleiben können, trotz mancher Schwierigkeiten. Natürlich klären wir zunächst, ob die Eltern des betroffenen Kindes mit einer Beobachtung einverstanden sind. Wenn wir eine Entwicklungsverzögerung erkennen, sprechen wir mit den Eltern und bieten unsere Hilfe an.

Das Interview führte Jöran Harders

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