Der Terminkalender von Bundesministerinnen ist stets voll - umso stolzer hat der Verschönerungs- und Verkehrsverein Biebrich (VBB) schon in der Einladung vermerkt, dass Bundesfamilienministerin Kristina Köhler (CDU) an der Feier seines 140-jährigen Bestehens teilnimmt. Als die Wiesbadenerin vor Monaten ihr Kommen zusagte, war sie noch Bundestagsabgeordnete und ahnte nichts von den Terminschwierigkeiten, die entstehen sollten.
Doch sie hält Wort, legt lieber einen Termin im Ministerium um und eilt am Sonntag schnellen Schritts ins Biebricher Schloss. Sie kommt ohne großes Gefolge, und statt in der Dienstlimousine fährt die 32-Jährige ihr eigenes kleines Auto. Die wartenden Gäste in der ersten Reihe begrüßt sie reihum charmant, für zwei ältere Herren fällt dabei auch gleich noch ein Küsschen auf die Wange ab, was die beiden sogleich noch mehr strahlen lässt.
Ihr größter Fan an jenem Tag ist vermutlich aber der Vereinsvorsitzende Klaus E. Zengerle. Der vergaloppiert sich in seinem langem Grußwort nicht nur mit der Bemerkung, Kristina Köhler steuere nun das Land, "wie wir das in Biebrich gerne hätten", sondern lässt sich sogar zu einer kleinen verbalen Spitze gegenüber der ehemaligen Bundesentwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) - ebenfalls eingeladen, ebenfalls anwesend - hinreißen.
Kristina Köhler hingegen findet später in ihrer kurzen Ansprache die richtigen Worte, um Zengerle zum Ehrenbrief des Landes Hessens zu gratulieren, den er zu seiner Überraschung von ihrem Vorredner gerade überreicht bekommen hat. Als Kind habe sie mit ihren Eltern häufig Spaziergänge durch Biebrich unternommen, erzählt sie dann. Damals sei ihr das ein Gräuel gewesen, doch heute müsse man sie nicht mehr mit einem Eis bestechen; sie gehe gern durch Biebrich. Wer dort unterwegs sei, könne sehen, was der Verschönerungs- und Verkehrsverein alles leiste. "Und das ist leichter gesagt als getan", fügt sie hinzu. Für die Finanzierung solcher Projekte seien langer Atem und Organisationstalent nötig.
Längst müsste die Ministerin bei einer Podiumsdiskussion sein, doch sie harrt noch etwas aus. Auf dem Weg zum Auto sagt sie, dass Zengerle und der VBB sie vor Jahren einmal im Bundestag besuchten. Daran erinnere sie sich noch gut. Abends habe sie mit ihnen lang gefeiert: "Die waren so nett."
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