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Kirche: Frau in der Führungsriege

Die 43-jährige evangelische Kirchen-Wissenschaftlerin Christiane Tietz arbeitet im Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) mit und gehört damit nun zur Führungsriege der Kirche.

Christiane Tietz (Evangelisch-Theologische Fakultät, Johannes Gutenberg-Universität Mainz und neues Mitglied des EKD-Rates) vor der Marktkirche in Wiesbaden.
Christiane Tietz (Evangelisch-Theologische Fakultät, Johannes Gutenberg-Universität Mainz und neues Mitglied des EKD-Rates) vor der Marktkirche in Wiesbaden.
Foto: Michael Schick

Die gebürtige Frankfurterin könnte theoretisch als Mathematikerin Schüler an Gymnasien in Formeln unterrichten oder sich anwendungsorientiert mit mathematischen Fragestellungen in der Wirtschaft auseinander setzen. Ihr Erstes Staatsexamen in Mathematik hat die 43-jährige Christiane Tietz jedenfalls mit einer Eins abgeschlossen.

Doch die Protestantin Tietz, die inzwischen in Wiesbaden lebt, hat sich inzwischen ganz für die Theologie, ihr zweites Studienfach, entschieden. Diesen Weg hat sie konsequent beschritten. Inzwischen lehrt sie Theologie als Professorin an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz. Als einzige Kirchen-Wissenschaftlerin ist sie Ende vergangenen Jahres in den Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) gewählt worden. Damit gehört sie zur Führungsriege der Kirche.

Rat der EKD

Der Rat der EKD bildet die Führungsspitze der evangelischen Kirche Deutschlands (EKD).
15 Mitglieder, Laien und Theologen, gehören dem Rat an. Davon werden 14 von der Synode und der Kirchenkonferenz gewählt. Der Präses der Synode ist kraft Amtes Ratsmitglied.
Der Rat nimmt zu Fragen des religiösen und kirchlichen Lebens Stellung. Er vertritt die Kirche in der Öffentlichkeit. (gra)

Christiane Tietz ist in Mainz Professorin für Systematische Theologie und Sozialethik. Geprägt war ihre Entscheidung vom „Spaß“ an der Theologie, die um existenzielle Fragen kreise und „keinesfalls weltabgewandt ist, sondern sich den Fragen der Welt stellen muss“, erläutert sie.

Den Zugang und die Bindung zur Theologie hat sie über Dietrich Bonhoeffer gefunden. Über ihn hat sie promoviert. In ihren Projekten geht es dem EKD-Ratsmitglied um die „Gestalt kirchlicher Beteiligung an ethischen und politischen Debatten“.

Im Rahmen ihrer wissenschaftlich forschenden Tätigkeit ging sie nach dem Studium in Frankfurt und Tübingen auch ins britische Cambridge, dann nach Princeton ans „Center of Theological Inquiry“ und an das Union Theological Seminary nach New York. Dort war auch Bonhoeffer tätig gewesen, der am 9. April 1945 – einen Tag nach Kriegsende – im Konzentrationslager Flossenbürg von den Nationalsozialisten ermordet wurde.

Die Briefe des Theologen aus dem Gefängnis hätten zentrale christliche Fragen behandelt, sagt Tietz. Sie ist Herausgeberin eines Bonhoeffer-Handbuches und begeistert sich an den „Glaubensfragen, die Bonhoeffer aufgeworfen hat und über die man weiter nachdenken kann“.

Die Theologie-Professorin ist keine Pfarrerin. Sie war als Dozentin zwischen Heidelberg und Saarbrücken unterwegs, ehe sie ihre Berufung nach Mainz annahm. Im Rat der Evangelischen Kirche Deutschlands vertritt sie nun seit Jahresanfang die Seite der wissenschaftlichen Theologie, hat Antworten auf Fragen mitzusuchen, die moderne Zeiten aufwerfen.

Und manchmal geht es der Professorin auch um die für sie wohl schwierigste aktuelle Frage: Was ist es, das Kirche noch zusammenhält, und „wie ist die Begeisterung an Kirche“, die ein Stück weit auch ihre eigene gelebte Begeisterung ist, zu übertragen. Kirche, wie Tietz sie versteht, bleibt lebendig in einer sich weiter entwickelnden Gesellschaft.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  11 | 4 | 2011
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