Dreieckige Wimpel mit Zahlen weisen den Weg zur Kunst. Sie hängen an Hofeingängen in der ganzen Altstadt und laden alle Vorbeikommenden zum Verweilen und Entdecken ein. Zum vierten Mal haben am Sonntag Wallauer Bürger ihre Höfe und Häuser einen Tag lang zum öffentlichen Ausstellungsraum gemacht. Fast 150 Künstler und Kunsthandwerker stellen dort Gemälde, Zeichnungen, Fotos, Skulpturen und dekorative Gegenstände aus.
Auf insgesamt 75 Orte verteilen sich die Künstler. Jeder Hof ist am Sonntag eine kleine Galerie, wo man nicht nur die ausgestellten Werke betrachten, sondern sich auch mit den Künstlern, die fast alle aus der näheren Umgebung kommen, über ihre Werke unterhalten kann. Einige lassen sich bei ihrer Arbeit über die Schulter schauen − zum Beispiel Damir Horvat, der im Pfarrhaus seine Ikonen zeigt. „Ikonenmalerei ist eher Kunsthandwerk als Kunst“, sagt Horvat. Denn vom Ikonenmaler werde keine eigene Kreativität verlangt. „Das Aussehen der Ikonen ist bis ins Detail festgelegt“, so der Maler, der sein Atelier und eine Malschule in Lorsbach hat. Die tradierten Ikonenmotive werden seit Jahrhunderten immer wieder kopiert.
Voll und ganz auf ihre Fantasie verlässt sich Kirstin Below, wenn sie sich für ein Bildmotiv entscheidet. „Wenn ich anfange zu malen, habe ich genau im Kopf, wie das fertige Bild aussehen soll“, sagt die Malerin aus Langenhain. Ihre Acrylbilder zeigt sie zum ersten Mal im Rahmen der „Offenen Höfe und Kunst“. Gemeinsam mit Andrea Seidel ist sie mit ihren Werken bei Familie Eckhardt zu Gast. Beide Malerinnen sind Mitglieder des Vereins „Wallauer Fachwerk“, der den alle zwei Jahre stattfindenden Kunsttag ins Leben gerufen hat und veranstaltet.
Am Konzept der „Offenen Höfe und Kunst“ wurde seit 2005 nichts Nennenswertes geändert, wie Organisator Lothar Manker erklärt. Von Anfang an sind rund 75 Hofbesitzer dabei, und auch die Zahl der Künstler bleibt immer ungefähr gleich. „Viel mehr könnten es auch gar nicht werden. Die Größe der Veranstaltung ist so, wie sie ist, gerade richtig“, merkt die Kassiererin des „Wallauer Fachwerks“, Engellie Stern-Krecker, an. Fünf- bis zehntausend Kunstinteressierte kommen im Schnitt zu den „Offenen Höfen“.
Wie viele es genau sind, hänge jeweils vom Wetter ab, sagt Manker. Das war am Sonntag ein wenig wechselhaft. Immer wieder gab es kleinere Schauer, die die Besucher unter die aufgestellten Zelte trieben, wo Privat- und Geschäftsleute sowie Vereine für die Bewirtung sorgten. ( jöh)
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