Am bundesweiten Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus – am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Lagers Auschwitz – wird nach acht Monaten Bauarbeiten die Gedenkstätte „Namentliches Gedenken“ am Michelsberg ab 19 Uhr eingeweiht. Das Denkmals, das an die in der NS-Zeit ermordeten Wiesbadener Juden erinnert, macht mit seinen sieben Meter hohen Stahlbetonwänden die Ausmaße der ehemaligen Synagoge an dieser Stelle sichtbar.
Auf Augenhöhe sind die Namen aller bisher ermittelten Opfer auf Steinplatten graviert – 1507 Namen. Nach jüdischem Brauch ist es Pflicht, sich der Verstorbenen über die Bewahrung ihrer Namen zu erinnern. Die Deportierten und Ermordeten haben aber fast nie ein Grab erhalten. Laut Stadtarchivar Axel Ulrich haben die Stadtpolitiker bereits 1947 eine „würdevolle und namentliche Erinnerung“ an dieser Stelle gewünscht. An den der Einweihung folgenden drei Samstagen zeichnet das Aktive Museum Spiegelgasse für Deutsch-Jüdische Geschichte jeweils ab 18 Uhr die Schicksale der drei Familien Baruch Licht, Bernhard Hofstädter und Israel Dorner nach.
Rund um den Gedenktag hat die Stadt erneut ein ebenso kulturelles wie wissenschaftliches Begleitprogramm mit Ausstellungen, Filmen, Konzerten und Vorträgen organisiert, unterstützt von 22 Kooperationspartnern wie den christlichen Kirchen, der Jüdischen Gemeinde sowie der Landeszentrale für politische Bildung und der Volkshochschule. Schwerpunkt ist Frankreich, das für viele Flüchtlinge zur Falle wurde, weil die Regierungen zunehmend mit den Deutschen kollaborierten.
Doppelausstellung im Rathaus
Erstmals habe sich der Direktor eines zukünftigen Stadtmuseums, Hans-Jörg Czech, am Programm beteiligt, sagte Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung der Veranstaltungsreihe. Czech hat die Berliner Ausstellung über den amerikanischen Fluchthelfer Varian Fry ins Rathausfoyer geholt und diese um eine Ausstellung über den Wiesbadener Sozialdemokraten Max Lippmann ergänzt. Die Doppelausstellung ist vom 19. Januar bis 17. Februar zu sehen.
Im Frauenmuseum ist das Schicksal der gefeierten Tänzerin Tatjana Barbakoff nachgezeichnet (Eintritt 6 Euro), am 20. Januar läuft der Dokumentarfilm „Tanz unterm Hakenkreuz“ (Eintritt frei). Zudem werden Filme über Generalstaatsanwalt Fritz Bauer sowie Simon Wiesenthal, zwei Schlüsselfiguren der Aufarbeitung, gezeigt. Am Mittwoch, 26. Januar, läuft um 17 Uhr im Caligari erstmals in Deutschland der Film „Die Kinder von Paris“. (byb)
Eine Broschüre mit dem Programm rund um den Gedenktag liegt in allen öffentlichen Gebäuden aus.
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