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Leiharbeiter: Gleiche Arbeit, weniger Geld

Wiesbadener Firmen beschäftigen vermehrt Leiharbeiter - das empört die Gewerkschaften. Am Dienstag machten sie mit Aktionen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs auf die Lage der Niedrig-Löhner aufmerksam.

IG-Metall, DGB und Verdi protestieren vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof gegen Leiharbeit.
IG-Metall, DGB und Verdi protestieren vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof gegen Leiharbeit.
Foto: Monika Müller
Wiesbaden –  

IG Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wollen die rechtliche Situation von Leiharbeitern verbessern und für faire Arbeitsbedingungen in der Leiharbeitsbranche kämpfen. „Die Zahl von Leiharbeitern in Wiesbaden hat sich in den Jahren 2003 bis 2009 nahezu verdoppelt“, sagte gestern Harris Ziebarth, DGB-Gewerkschaftssekretär, der FR. Seien es vor sieben Jahren noch rund 1080 Leiharbeiter gewesen, so waren es 2009 rund 1900.

Am Dienstag machten die Gewerkschaften mit Aktionen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs auf die Lage von Leiharbeitern aufmerksam. Zudem gab es weitere betriebliche Aktionen an den beiden Standorten der Firma Smiths Heimann, einem der weltweit führenden Hersteller von Röntgenprüfsystemen. Dort ist man gerade dabei, eine Betriebsvereinbarung zu erstellen.

„Wir wollen verhindern, dass unsere Arbeitsbedingungen durch Niedrig-Löhner heruntergezogen werden. Wir wollen eine würdige und faire Behandlung unserer Leiharbeiter“, so Ulrich Herda vom Betriebsrat von Smiths Heimann. Zurzeit werden in dem Unternehmen bei einer Belegschaftsstärke von rund 530 Mitarbeitern 50 Leiharbeiter beschäftigt. Einige Leiharbeiter seien manchmal jahrelang auf einer Stelle tätig.

Die Langzeit-Leiharbeit müsse abgeschafft werden, sagte Gabriele Beck vom Betriebsrat. Vermutlich werde es bis zum Ende des Monats einen Abschluss mit der Geschäftsführung geben. „Ziel muss sein, dass es keine Leiharbeit mehr gibt“, sagte auch Michael Erhardt, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Wiesbaden-Limburg. Man wolle annähernd zu Gleichbehandlung kommen und jahrelange Leiharbeit verhindern. „Ginge es nach einigen Arbeitgebern, erreichen wir nach der Krise eine noch höhere Leiharbeiterquote als zuvor. Kein Wunder angesichts eklatanter Unterschiede bei der Vergütung.“

Leiharbeitnehmer arbeiteten Seite an Seite mit den Beschäftigten der Betriebe, sagte er. Aber für die gleiche Arbeit bekämen sie weniger Geld, Urlaub und Kündigungsschutz. Ein Facharbeiter in der Metall- und Elektroindustrie Hessens erhalte laut Tarifvertrag einen Monats-Bruttolohn von mehr als 2600 Euro – für die gleiche Arbeit bekomme ein Leiharbeiter mindestens ein Drittel weniger. Vor allem junge Menschen träfe dies – und sie lebten in unsicheren Verhältnissen. Dies seien keine guten Grundlagen für die Gründung von Familien.

Als positives Beispiel nannte Erhardt den Autozulieferer Federal Mogul, der 2009 in die Krise gerutscht war. Die Mitarbeiter mussten gegen Massenentlassungen kämpfen. „Wir haben keine Leiharbeiter“, sagte Betriebsratsvorsitzender Alfred Matejka. 50 Ferienaushilfen seien 2010 beschäftigt worden, zumeist Studenten und Ex-Kollegen. Rund 1270 Mitarbeiter beschäftigt die Firma. Was es gebe, seien befristete Arbeitsverträge bei gleicher Bezahlung. Aber wegen der anhaltenden Krise seien diese Verträge alle ausgelaufen. „Unser Ziel ist es, Leiharbeit zu verhindern. Da sind befristete Verträge besser.“

Autor:  Ralf Munser
Datum:  24 | 8 | 2010
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