Engel und andere Grabskulpturen sind bei den Paten sehr gefragt. Mausoleen eignen sich nur für begüterte Mäzene, doch auch für Interessenten mit kleinerem Budget gibt es schöne Grabsteine.
Foto: Stephan Morgenstern
Engel und andere Grabskulpturen sind bei den Paten sehr gefragt. Mausoleen eignen sich nur für begüterte Mäzene, doch auch für Interessenten mit kleinerem Budget gibt es schöne Grabsteine.
Foto: Stephan Morgenstern
Um denkmalgeschützte Grabmale wie den Engel auf dem Nordfriedhof zu erhalten, vergibt die Stadt seit 1991 Patenschaften. Es handelt sich dabei um Grabstätten, für die das Nutzungsrecht abgelaufen ist. Doch nicht jedes Grab bekommt auch einen Paten.
Ein Engel wacht schon über seinem Grab – dabei lebt Volker Hehner doch noch. Überlebensgroß steht der Engel da, hell und mit prächtigen Flügeln. Die Locken fallen ihm bis auf die Schultern, in den Händen hält er eine Schriftrolle. Seit mehr als 100 Jahren wacht er über den achtjährigen Fred, der am 1. Juni 1900 starb. Eines Tages wird der Engel auch Volker Hehner behüten. Der Handwerksmeister aus Wiesbaden ist einer von gut 100 Grabpaten und für die Pflege und Restaurierung dieser Ruhestätte verantwortlich.
„Der Tod gehört bei uns mit dazu, ebenso der Gang zum Friedhof“
Mit seiner Lebensgefährtin unternimmt er oft Spaziergänge auf dem Nordfriedhof und genießt die Ruhe dort. „Dabei kommen wir auch immer an dem Engel vorbei“, erzählt der 70-Jährige. „Da weiß ich, dass ich eines Tages in der Gruft dort liegen werde.“ In seiner Stimme schwingt heitere Gelassenheit. „Der Tod gehört bei uns mit dazu, ebenso der Gang zum Friedhof.“ Die Idee, eine Patenschaft zu übernehmen, stammt von seiner Lebensgefährtin. Diese hat schon eine für ihre Eltern. Volker Hehner und sie entschlossen sich, auch eine Patenschaft über ein Grab für sich selbst abzuschließen.
Grabpatenschaften in Bildern
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Die Gruft des Kommerzienrats Eduard Bartling und seiner Ehefrau zählt aufgrund ihrer Größe und Ausstattung zu den kunsthistorisch bedeutendsten Grabmalen auf dem Wiesbadener Nordfriedhof und ist als Patengrab zu haben. „Solche Portale als Türen ins Jenseits oder in die Ewigkeit sieht man häufig auf Friedhöfen“, sagt Denkmalpflegerin Anja Beisiegel.
Auch die Urnen oben kommen als Motiv oft vor.“ Der Tod mit dem Stundenglas, das die verrinnende Zeit symbolisiert, kontrastiere den jungen Mann, der noch in der vollen Kraft seines Lebens stehe, doch die Frau, die seine Hand halte, nehme schon Abschied, erläutert Anja Beisiegel weiter.
Darin spiegelt sich der Gedanke des „Memento mori“ („Gedenke des Todes“) wider.
Eduard Bartling war Unternehmer, Politiker und nebenbei auch noch Zeitungsverleger. Er kam am 19. Juni 1845 in Lenhausen im Sauerland zur Welt, sein Vater war Landwirt. Schon als Kind begeisterte er sich für die Technik in den benachbarten Gruben und Hütten, er ergriff den Beruf des Ingenieurs. Er baute Eisenbahnstrecken, Häfen und Kanäle und erfand große Bagger für den Abbau von Braunkohle.
Er besaß Bergwerke, diverse Fabriken und Ziegeleien sowie eine Kalkgrube in der Nähe von Limburg. In den 1890er Jahren kam Eduard Bartling nach Wiesbaden, wo er sich eine große Villa baute und den „Wiesbadener Generalanzeiger“ herausgab. Er betätigte sich zunächst als unbesoldeter Stadtrat, später gehörte er als Mitglied der nationalliberalen Partei dem Reichstag und dem preußischen Abgeordnetenhaus an.
Kaiser Wilhelm verlieh ihm für seine Verdienste den Titel des Kommerzienrats. Das Grabmal ließ Eduard Bartling sich noch zu Lebzeiten errichten, er starb am 3. August 1927 in Wiesbaden.
Grabstelle der Familie Schlaffhorst.
Bei der Grabstätte der Familie Schlaffhorst handelt es sich um ein sehr schönes, idyllisch gelegenes Grabmal von hohem kunsthistorischen Wert. Wie auch das Grabmal der Familie Bartling stammt es vom Bildhauer Ernst Gustav Herter und ist als Patengrab zu haben. Allerdings ist laut Denkmalpflegerin Anja Beisiegel einiger Aufwand nötig, um es denkmalgerecht zu restaurieren. So müssen nicht nur die umgefallenen Postamente wieder neu versetzt, sondern auch die fehlenden Ketten dazwischen ersetzt werden.
„Solche Ketten sind teuer, sowohl im Material als auch in der Herstellung“, weiß die Denkmalpflegerin. Sie seien aber notwenig, um das Grabmal wieder richtig zur Geltung zu bringen, weil sie typisch dafür seien. Außerdem muss der Stein sorgfältig vom Moos gereinigt werden, ohne dabei die Poren zu stark zu öffnen. Andernfalls verschmutzt es noch viel schneller als vorher. „Das wäre fatal, denn dann werden die Intervalle immer kürzer. Doch bei jeder Reinigung entfernt man auch ein bisschen Material.“
Ein kleines weißes Schild mit einem „P“ darauf kennzeichnet die Ruhestätten, die als Patengräber noch zu haben sind. Auf der Rückseite steht eine Nummer, mit der Interessenten weitere Informationen zum Grabmal in der Friedhofsverwaltung erhalten. Alle historischen Gräber sind in einem Katalog erfasst.
Grabstätte Weygandt.
Mit der Verdachung und den Palmetten oben und dem Konsolenfries und dem gotisierenden Maßwerk gehört der schöne Grabstein der Familie Weygandt zu den altmodischen Gräbertypen. Da er aufwendig zu restaurieren ist, sucht er nach wie vor einen Grabpaten. Allerdings lässt sich der Grabstein nicht ohne weiteres drehen, denn es fehlt die Vertiefung auf der Rückseite. Sie müsste genauso bearbeitet werden, was entsprechende Kosten verursacht. Idealer wäre ein Pate gleichen Namens oder einer, der sich nicht an dem fremden Namen stört und sich mit einem Steinkissen zufrieden gibt.
Grabstätte des Rechtsanwalts Heinz Brass.
Bei dem lagernden Jüngling handelt es sich um eine Arbeit des Wiesbadener Bildhauers Carl Wilhelm Bierbrauer (1881-1962). Der abgebrochene Stab symbolisiert die Brüchigkeit und Vergänglichkeit des Lebens. „Diese Grabmal liegt mir ganz besonders am Herzen und ich frage mich, warum noch niemand Interesse daran hatte, die Patenschaft zu übernehmen“, sagt Denkmalpflegerin Anja Beisiegel.
Ein Problem stellt die Grabinschrift dar – erfahrungsgemäß lassen sich Buchstaben aus Metall nicht gut entfernen und auf der Rückseite anbringen, denn es entstehen dabei Löcher und die Spuren der ursprünglichen Beschriftung bleiben sichtbar.
Mausoleum „Theodosia Ruh“.
Das Mausoleum aus Sandstein wurde in den 1930er Jahren von der Famile Jurenka errichtet und trägt den Namen „Theodosia Ruh“. Die farbigen Glasfenster und die byzantinisch wirkende Kuppel mit ihrem goldenen Mosaik machen die Gruft zu einem der prächtigsten Grabmale auf dem Nordfriedhof.
Diese Gruft ist ebenfalls als Patengrab zu vergeben, die Urnen der ursprünglich Bestatteten verbleiben allerdings im Mausoleum. Am „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, der für den 15./16. September geplant ist, öffnet das Mausoleum für Besucher.
Der segnende Christus zählt ebenfalls zu den typischen Motiven und kommt auf Friedhöfen häufig vor. Er gehört zu einer großen, wertvollen Grabstätte, die noch einen Paten sucht. Das Landesamt für Denkmalpflege ließ vor drei Jahren das Fundament der Grabstätte komplett erneuern.
Die Abteilung Friedhofswesen des städtischen Grünflächenamts plant, das Grabmal zum „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, am 15./16. September 2012, zu reinigen.
Grabstätte Famile Fölsche.
Der Grabstein von Carl Julius Fölsche wirkt auf den ersten Blick unspektakulär. „Wenn man sich anschaut, was heute Grabsteine in einer relativ einfachen Ausstattung kosten, ist das sicherlich auch eine Möglichkeit, günstig an einen attraktiv gestalteten Stein zu kommen“, stellt die Denkmalpflegerin Anja Beisiegel fest. Die Grabplatte mit den Namen der ursprünglich Bestatteten ließe sich auf der Rückseite anbringen. Der obere Teil des Grabes ist lose und müsste gedübelt werden, darum klebt der Aufkleber „Unfallgefahr“ darauf. Er ist jedoch gesichert und kann nicht herunterfallen.
Für einen achtjährigen Jungen ließen dessen trauernden Eltern im Jahr 1900 diesen überlebensgroßen Engel aus weißem Jurakalkstein errichten. Heute kümmert sich ein Grabpate darum. Er ließ den Riss im Flügel des Engels reparieren und das Grabmal reinigen. Zudem brachte er eine neue Platte aus rotem Granit an, auf die einmal sein Name stehen wird. Die Platten aus rotem Granit mit den Namen der ursprünglich bestatteten Familie finden sich nun auf der Rückseite des Grabes.
Grabstätte von Sanitätsrat Cuntz.
Das Grab des Sanitätsrats Cuntz mit der aufwendig gestalteten Stele fand bereits Liebhaber, die die Patenschaft dafür übernahmen. Erst wenn sie das Grab belegen möchten, fallen dafür Nutzungsgebühren an.
Grabstätte Berresheim
Grabstelen mit einer Urne oder einem Kreuz darauf sind als Patengräber sehr beliebt. Sie lassen sich meist mit wenig Aufwand wiederherstellen und auf den Stelen ist meistens noch genügend Platz für neue Namen.
Grabstätte Ballauf.
Um das Grab von Gustav und Henriette Ballauf kümmert sich bereits eine Grabpatin. Sie hat damit auch die Möglichkeit, sich oder ihre Angehörigen dort später einmal bestatten zu lassen.
Kreitzner Mausoleum.
Das Kreitzner Mausoleum ist das größte Patengrab auf dem Nordfriedhof und noch zu vergeben. Es eignet sich jedoch nur für wohlhabendere Paten, müssen doch einzelne Teile neu angefertigt werden, was aufwendig und kostspielig ist. An einzelnen Fialen, also Türmchen, wurden bereits Arbeiten vorgenommen, um Unfälle zu verhüten und die Gruft verkehrssicher zu machen.
Bei solch großen Grabstätten entscheidet der Magistrat über die Höhe der Nutzungsgebühren. Grabpaten können aber auch hier mit einem Rabatt bis zu 50 Prozent rechnen. Am „Tag des Friedhofs“ in Wiesbaden, der für das Wochenende vom 15./16. September geplant ist, öffnet das Mausoleum für Besucher.
Bei dem Sarkophag handelt es sich um eine Kopie, dessen Original in einem italienischen Museum steht. Er steht unter Denkmalschutz und ist in der Liste der freien Patengräber aufgeführt. Die Grabstätte könnte auch für Erdbestattungen genutzt werden, da die Grabfläche selbst 20 Quadratmeter beträgt.
Liegender Löwe.
Der liegende Löwe ziert die ehemalige Grabstätte der Familie Lauter und fand bereits einen Grabpaten.
Grabstätte Uthmann.
Diese Grabstätte wurde 1913 von der Famile Uthmann erworben und sucht heute einen Grabpaten. In der Gruft finden acht Särge Platz. Da nicht alle Grabpaten die Grabstätten selbst nutzen wollen, wird eine Gruft immer erst im Sterbefall für die Beisetzung geräumt.
Sofern dann noch Gebeine vorgefunden werden, werden diese in einem Gebeinsarg in einem speziell dafür vorgesehenen Abteil auf den Nordfriedhof beigesetzt.
Das Grabmal aus schwarzem schwedischem Granit fand bereits einen Paten. Die Figur ist aus Metall gefertigt. Metall gilt als ein schwieriges Material, sowohl bei der Reinigung als auch bei der Restaurierung, da es sehr empfindlich ist. Schwierig ist auch, Metall zu ergänzen, da es relativ lange eine unterschiedliche Patina hat..
Die ehemalige Grabstätte der Familie Funk befindet sich bereits in den Händen von Grabpaten. Der Figur aus Marmor war früher sehr stark eingemoost, darum sieht der Stein schon etwas verwittert aus.
Kleine goldene Sterne zieren dieses Grab mit einem Engel aus Metall.
Grabstätte der Familie Fischer.
Die naturhaft behauenen Steine aus Granit wurden nicht poliert, die Grabplatte mit den Namen hingegen schon, um einen Kontrast zu schaffen. Auch dieses Grab braucht einen Paten. Die Platte mit den Namen könnte vorsichtig entnommen und auf der Rückseite angebracht werden.
Grabstätte von Gottfried und Ingeborg Kiesow.
Der Mitbegründer und frühere Vorstandsvorsitzende der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und ehemalige Landeskonservator Gottfried Kiesow suchte für seine Ehefrau und sich ein streng symmetrisch gestaltetes Patengrab aus. Die Namen der ursprünglich Bestatteten ließ er behutsam nach rechts und links versetzen. „Das ist mustergültig gelöst, wie es vom Landesdenkmalpfleger zu erwarten war“, sagt Anja Beisiegel.
Grabmal von Marie und Robert John.
Das Jugendstilgrab wurde von der Bernhard von Wiesner-Stiftung restauriert, die sich seit 2001 für die Restaurierung von Grabmälern auf dem Nordfriedhof und dem Biebricher Friedhof einsetzt und sie finanziert. Es handelt sich dabei um eine Stiftung innerhalb der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD).
Grabstätte Auer von Herrenkirchen.
Ein Ritter bewacht die Grabstätte Auer von Herrenkirchen, bei der es sich um ein großes Sandsteindenkmal handelt. Auch dieses Grabmal bietet die Abteilung für Friedhofswesen des städtischen Grünflächenamts für eine Patenschaft an.
Die Grabfläche ist von solch großem Ausmaß, dass sie sich im Grunde auch für ein Urnengemeinschaftsgrabanlage eignete.
Dieses Grab ist bereits an einen Paten vergeben. Regenwasser hat den Stein türkisblau verfärbt.
Grabmal der Famile Bartling
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Fotostrecken Frankfurt
Um denkmalgeschützte Grabmale wie den Engel auf dem Nordfriedhof zu erhalten, vergibt die Stadt seit 1991 Patenschaften. Es handelt sich dabei um Grabstätten, für die das Nutzungsrecht abgelaufen ist und die deshalb sonst dem Verfall preisgegeben wären. Das Angebot reicht vom kleinen Urnenwahlgrab bis zum großen Mausoleum. Ein kleines weißes Schild mit einem „P“ darauf macht freie Patengräber kenntlich. Auf der Rückseite steht eine Nummer, unter der Interessenten weitere Informationen bei der Friedhofsverwaltung bekommen.
Bis zu drei Jahre müssen die Paten warten
Alle Gräber seien katalogisiert, erläutert Michael Reifenberger von der Abteilung Friedhofswesen im Amt für Grünflächen, Landwirtschaft und Forsten. Er berät die Grabpaten individuell und bleibt auch nach Vertragsabschluss mit ihnen in Kontakt. Auch Volker Hehner und seine Lebensgefährtin meldeten sich bei der Friedhofsverwaltung und baten um ein Grab mit einem Engel. „Das war der Wunsch meiner Lebensgefährtin“, sagt der Installateurmeister. Etwa drei Jahre mussten sie auf ihn warten, erzählt er weiter. „Und dann bekamen wir einen der schönsten Engel überhaupt.“ Historische Grabmale mit Engeln und anderen Figuren seien besonders beliebt, sagt die Denkmalpflegerin Anja Beisiegel von der Unteren Denkmalschutzbehörde. „Solche Gräber bekommt man heute aus Kostengründen gar nicht mehr.“ Auch einfache Stelen mit einem Kreuz oder einer Urne vermittelten sich gut an Paten, denn diese Grabmale seien häufig mit einem geringen Aufwand wiederherzustellen. Grabmale aus Sandstein oder gar Mausoleen finden wegen der damit verbundenen Kosten hingegen weniger leicht einen Paten.
2000 Euro für die Reparatur eines Engels
Denn mit Vertragsabschluss geht der Pate die Verpflichtung ein, das Grab nicht nur zu pflegen, sondern auch zu erhalten. Er muss also auch die nötigen Restaurierungsarbeiten bezahlen. So gab Volker Hehner 2000 Euro aus, um an „seinem“ Engel aus weißem Jurakalkstein einen Riss im Flügel zu reparieren und das Grabmal zu reinigen. Allerdings achten Anja Beisiegel und Michael Reifenberger darauf, dass die Grabzeichen nur dann gereinigt werden, wenn es erforderlich ist.
Denkmalschutz
Die Idee der Grabpatenschaft stammt ursprünglich von der Denkmalpflegerin Hiltrud Kier. Als Kölner Stadtkonservatorin führte sie 1981 das Patenschafts-modell für den berühmten Melaten-Friedhof ein. Inzwischen haben es
viele Städte übernommen.
250 freie Patengräber gibt es zurzeit in Wiesbaden, 120 davon befinden sich auf dem denkmalgeschützten Nordfriedhof. Die anderen sind auf dem Südfriedhof und den Friedhöfen Biebrich, Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim sowie auf anderen Vorortfriedhöfen. Sie sind markiert mit einem kleinem
weißen Schild, auf dem „P“ steht.
Zu den Pflichten eines Paten gehört es, die Grabstätte zu erhalten und zu
pflegen. Notwendige Restaurierungsarbeiten sind daher von ihm zu bezahlen. Im Gegenzug erhält er die Möglichkeit, sich selbst oder Angehörige dort
bestatten zu lassen.
Die Kosten für den Erwerb des Nutzungsrechts fallen erst an, wenn ein Todesfall eintritt und das Grab belegt werden soll. Die Stadt räumt dabei einen Rabatt zwischen 25 und 50 Prozent ein. Im Durchschnitt kostet ein Erdwahlgrab 2700 Euro, ein Doppelgrab 5600 Euro. Für Einzelgrabanlagen und Grüfte kommen Zuschläge hinzu.
Interessenten wenden sich an Michael Reifenberger vom Grünflächenamt, Abteilung Friedhofswesen, Telefon 0611/ 312993, E-Mail: friedhofswesen@ wiesbaden.de, oder an Anja Beisiegel von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Abteilung Denkmalschutz und Stadtbildpflege, Telefon 0611/316492, E-Mail: denkmalschutz@wiesbaden.de.
„Ein Patengrab soll nicht dadurch zu erkennen sein, dass es blitzsauber und besonders frisch aussieht“, sagt die Denkmalpflegerin. „Wo es dem Stein nicht schadet, soll es seine Patina behalten.“ Auf jeden Fall müsse jedoch gewährleistet sein, dass das Grab standfest und verkehrssicher sei, ergänzt Michael Reifenberger. Beide Ämter arbeiten bei der Vergabe von Grabpatenschaften eng zusammen.
Die Pflicht eines Paten ist es auch, die Namen der Vorgänger zu erhalten
Volker Hehner hatte Glück, der große Kalksteinengel erwies sich bei einer Überprüfung durch einen Steinmetz und einen Restaurator als standfest. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten ließ er dann gleich die drei roten Granitplatten mit den Namen der ursprünglich Bestatteten auf die Rückseite des Grabmales verlegen und eine neue Platte aus dem gleichen Material für sich und seine Lebensgefährtin anbringen. Denn auch das gehört zu den Pflichten eines Grabpaten: die Namen der Vorgänger zu erhalten. Es müsse dokumentiert sein, dass das Grab einst einem anderen gehörte und nicht aus dem Jahr 2012 stamme, stellt die Denkmalpflegerin Beisiegel klar. „Das wäre sonst Geschichtsklitterung.“ Doch nicht immer lasse sich der Grabstein einfach drehen, so dass die Namen der ursprünglich Bestatteten auf der Rückseite stünden. Dann müssten andere Lösungen gefunden werden, etwa ein Steinkissen für die Namen der später Beerdigten.
Die Stadt räumt Rabatte von bis zu 50 Prozent ein
Der Grabpate erhält nämlich im Gegenzug die Möglichkeit, sich oder Angehörige in dem Grab bestatten zu lassen. „Die Kosten für das Nutzungsrecht fallen erst bei einem Sterbefall an“, erläutert Michael Reifenberger. Vorher entständen dem Paten keine Erwerbskosten. Die Stadt räume dabei dem Paten einen Rabatt von 25 bis 50 Prozent ein, abhängig von der Größe und Lage des Grabes. So fielen beispielsweise für ein Erdwahlgrab durchschnittlich 2700 Euro an, für ein Doppelgrab 5600 Euro. Bei Gruften und Einzelgräbern komme noch ein Zuschlag hinzu. Bei großen Grabanlagen wie den Mausoleen – wo ein Pate womöglich eine sechsstellige Summe in die Sanierung investiere – entscheide der Magistrat über die Gebührenhöhe. Für Volker Hehner spielte der Rabatt jedoch keine Rolle. Er möchte einfach einmal auf dem Nordfriedhof beerdigt werden. Viele seiner Verwandten liegen schon dort, auch seine erste Ehefrau, die 1967 im Alter von 24 Jahren starb. Da war er selbst gerade einmal 25 und beider Sohn noch sehr klein. „Seit 45 Jahren gehe ich also regelmäßig zum Nordfriedhof“, sagt er nur.
„Viele lächeln darüber, dass ich eine Grabpatenschaft übernommen habe“
Allein dort gibt es derzeit 120 freie Patengräber, insgesamt sind es 250. Die anderen befinden sich auf den Friedhöfen Biebrich, Kastel und Kostheim sowie auf den anderen Vorortfriedhöfen. „Die Zahl der zu vergebenen Patengräber ändert sich laufend“, sagt Michael Reifenberger. Sowohl er als auch Anja Beisiegel raten dazu, nicht erst bei einem Todesfall nach einem Patengrab Ausschau zu halten. Erfahrungsgemäß überfordere es die Interessenten in der Situation leicht, sich zusätzlich noch mit Fragen der Restaurierung auseinandersetzen zu müssen. Wenn Volker Hehner oder seine Lebensgefährtin einmal sterben, wird die Gruft von der Friedhofsverwaltung vor der Beerdigung geräumt. „Vorher nicht, denn nicht alle Paten wollen das Grab auch für sich selbst nutzen“, sagt Michael Reifenberger. Sollten sich noch Überreste finden, werden die in einem Gebeinsarg in einer speziellen Abteilung des Friedhofs beigesetzt. Das gilt auch für Urnen – in Mausoleen verbleiben sie allerdings auch, das hängt von deren Zustand ab. Dass sich der Handwerkermeister Hehner schon zu Lebzeiten ein Grab aussuchte, trifft in seinem Freundes- und Bekanntenkreis oft auf Unverständnis. „Viele lächeln darüber, dass ich eine Grabpatenschaft übernommen habe“, erzählt er. „Es gibt unzählige Leute, die damit nichts zu tun haben wollen.“
Die Motive, eine Patenschaft für ein historisches Grabmal zu übernehmen, seien ganz unterschiedlich, hat Denkmalpflegerin Anja Beisiegel festgestellt. Keineswegs handele es sich bei den Grabpaten immer um ältere Menschen. „Es gibt auch eine ganze Reihe junger Paten“, erzählt sie. „Auf dem Südfriedhof übernahm vor einigen Jahren sogar ein Schüler ein Patengrab, weil es ihm so gut gefiel.“ Manchen Paten ginge es darum, ein Grab auf einem besonders schönen Friedhof zu bekommen, obwohl sie außerhalb des jeweiligen Bestattungssprengels wohnten. Andere suchten sich gern schon zu Lebzeiten eine Grabstätte aus oder wollten einen Ort für ihre Trauer. Und etlichen Grabpaten liege einfach die Denkmalpflege am Herzen.
"Dem Nordfriedhof ist es wert, dass man diese herrliche Stätte auf diese Weise erhält und pflegt"
Denn das Amt für Grünflächen dürfe und könne aus seinem Gebührenhaushalt keine Sanierungs- oder Erhaltungsarbeiten bezahlen, erläutert Reifenberger. Das Amt stelle daher häufig Förder- und Zuschussanträge beim Kulturamt und dem Land Hessen, bei der Denkmalschutzbehörde und Stiftungen wie etwa der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Doch dies beziehe sich immer nur auf einzelne Grabmale. Michael Reifenberger und Anja Beisiegel sehen daher Patenschaften als eine gute Möglichkeit, nicht nur die historischen Grabstätten, sondern auch den Charakter eines Friedhofs wie etwa des denkmalgeschützten Nordfriedhofs zu erhalten.
„Der Nordfriedhof ist schon etwas ganz Besonderes“, findet auch Volker Hehner. „Es ist es wert, dass man diese herrliche Stätte auf diese Weise erhält und pflegt.“