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Häusliche Gewalt: Geständnis eines Schlägers

Jonas S. hätte nie gedacht, dass er mal "einer von denen" wird. In der FR schildert er, warum er gegen seine Frau gewalttätig wurde. Von Mirjam Ulrich

Wenn Männer zuschlagen ...
Wenn Männer zuschlagen ...
Foto: dpa

Die Scham ist nicht vorbei. Auch nicht das Entsetzen über sich selbst. Nie, sagt Jonas S. von sich, nie hätte er gedacht, dass er einmal "einer von denen" wird. Einer der Männer, die ihre Frau schlagen. Er hat es über Jahre immer wieder einmal getan. Bis seine Frau ihn mit den beiden Kindern verließ.

Dabei begann alles so hoffnungsvoll: Über beide Ohren verliebt zog er 1997 zu ihr in die Großstadt. In ihrer Freizeit unternahm das Paar viele Ausflüge ins Umland. Fremde drehten sich auf der Straße nach ihnen um, wenn sie zu zweit auf ihrem Fahrrad fuhren. Einmal schoss sogar ein Fotograf Fotos von ihnen, wie er auf dem Gepäckträger saß und ihre Taille umschlungen hielt.

"Sie war so voller Lebensfreude", schwärmt er heute noch von ihr. Zielstrebig sei sie gewesen, extrovertiert und wortstark. Laut. Das genaue Gegenteil von ihm. "Im Nachhinein würde ich sagen: Die Schuhe waren zu groß für mich." Schon bald fühlte er sich völlig überfordert, von der Beziehung, der Geburt des ersten Sohnes 1998. Ohne es zu erkennen, litt Jonas S. schon seit Jahren an Depressionen. Er kümmerte sich weder um Arbeit noch um den Haushalt, kiffte viel, trank mitunter auch. Therapeuten zählen all das zu den Risikofaktoren für Gewalt in Beziehungen.

Er hing meistens herum, und eines Abends kam es deshalb wieder einmal zum Streit. Auch sie reagierte heftig, schlug am Ende eine Scheibe ein, da erschraken beide vor sich selbst. "Das Fass haben wir gemeinsam gefüllt", sagt Jonas S. im Nachhinein, "aber ich habe es durch mein Handeln zum Überlaufen gebracht." Sie blieben trotzdem zusammen, obwohl er anfing, sie im Streit zu schlagen. Heirateten sogar und bekamen noch einen Sohn.

Als Mann nicht genügt

Wie manche Männer sei er zu feige gewesen, sich geradeheraus zu trennen, sagt er. Stattdessen trieb er die von ihr anfangs gewünschte Rückkehr zur Familie ins Rhein-Main-Gebiet voran. Dort, so dachte er, könnte er einen Schnitt machen, ohne sie allein zu lassen. "Ich konnte mit dieser Überforderung, als Mann nicht zu genügen, nicht umgehen." Er sei ihr kein Gegenüber gewesen. "Körperlich war ich präsent, aber ich war nie da. Aus Angst, aus Verweigerung oder als aggressive Handlung."

Sie wollte die Beziehung retten, schlug eine Paartherapie vor. Er verweigerte. Daraufhin begann sie nach dem Umzug allein eine Therapie. Immer wieder wollte sie mit ihm reden, doch er habe das bewusst abgeblockt, sagt er. Schweigen und stillen Psychoterror kannte er aus seinem Elternhaus, nun wiederholte er das selbst. "Wie aggressiv, wie herzlos ich war." Es klingt, als könnte er es selbst nicht fassen.

In der Nacht zu seinem Geburtstag im Sommer 2005 kam es dann zu dem "Ereignis", wie er es selbst nennt. Sie trug dabei ein Schleudertrauma, einen Bluterguss am Kopf, Prellungen und Schürfwunden davon. Selbst danach versuchte sie es noch - er ließ sie wieder auflaufen. Da ging sie dann zur Polizei. Die Anzeige lautete auf versuchten Totschlag, sie zog mit den Kindern ins Frauenhaus.

Er suchte sich Hilfe, fing eine Therapie an. Und er ging zu einer Männerberatungsstelle, nahm freiwillig an einem Anti-Aggressivitätstraining für Täter teil. "Da wurde sehr hart gearbeitet, die sind knallhart ans Eingemachte gegangen." Später verurteilte das Gericht ihn zur Teilnahme am Training, außerdem bekam er eine dreijährige Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Seine Kinder durfte er nur noch unter Aufsicht sehen, das letzte Mal traf er sie vor anderthalb Jahren. Die Ehe ist inzwischen geschieden.

Ob und wie gut er das, was er beim Training in den Gesprächen und Rollenspielen gelernt hat, in einer Beziehung tatsächlich umsetzen kann, weiß er noch nicht. Er hat seither keine Partnerin mehr gehabt, fühlt sich dazu auch gar nicht in der Lage. "Es ist verdammt schwierig, zu dieser Schuld zu stehen", sagt er. Jonas S. ist einer der wenigen Männer, die bereit sind, über seine Taten mit Journalisten zu sprechen.

Autor:  Mirjam Ulrich
Datum:  20 | 10 | 2009
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