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Haiku-Kreis: Fließende Verse

Im Wiesbadener Haiku-Kreis pflegen die Teilnehmer seit einem Jahr die japanische Dichtkunst. Demnächst laden sie zu ihrer ersten öffentlichen Lesung. Von Christian Struck

Rita Rosen ist Vorsitzende des Haiku-Kreises Wiesbaden.
Rita Rosen ist Vorsitzende des Haiku-Kreises Wiesbaden.
Foto: FR/Müller

"Uralter Teich. Ein Frosch springt hinein. Plop." Was sich zunächst wie die Beobachtung eines gelangweilten Twitter-Nutzers liest, ist in Wirklichkeit ein Gedicht. Ein sehr kurzes zugegebenermaßen, und es reimt sich auch nicht. Das muss es aber auch nicht. Es handelt sich um eine der über 100 Übersetzungen des wohl bekanntesten Haiku. "Das Ur-Haiku schlechthin", meint Rita Rosen. Sie ist die Vorsitzende des Haiku-Kreises in Wiesbaden.

Natur, Alltag und Befinden

Haiku bezeichnet eine japanische Gedichtform und bedeutet frei übersetzt so viel wie "fließender Vers". Haikus beschreiben Natur, Alltagsleben und Befindlichkeit des Dichters. Vor circa 300 Jahren entwickelte sich in Japan das Haiku aus einer anderen Gedichtform, dem Tanka. Als erster Haiku-Dichter gilt der Japaner Matsuo Basho (1644-1694), der eine schnörkellose Reduzierung der Sprache forderte.

Von ihm stammt auch das oben zitierte Haiku. Das Wichtigste ist die Einteilung: Das Gedicht besteht traditionell aus nur 17 Silben, die in drei Zeilen geordnet sind. "Es gibt aber auch kürzere", sagt Rosen. "Die Entwicklung ist immer in Bewegung." Die neueste Variante ist das "Freestyle-Haiku", das sich nicht nach den traditionellen Vorgaben richtet. In dieser Form wird das Gedicht noch stärker reduziert. Das stehe zwar in der Tradition des Großmeisters Basho, werde aber auch heftig kritisiert, erkzählt die ehemalige Professorin der Fachhochschule Wiesbaden.

Gut 200 Jahre hat es gedauert, bis es das Haiku Anfang des vergangenen Jahrhunderts nach Europa schaffte. Vor einem Jahr ist es dann in Wiesbaden angekommen. Da nämlich wurde der Haiku-Kreis im Literaturtreff Multatuli in der Herderstraße 31 gegründet. Hier treffen sich an jedem ersten Dienstag im Monat sechs bis sieben Frauen und Männer, um der japanischen Dichtkunst zu frönen. Allerdings in deutscher Sprache.

Die Mitglieder schreiben ihre Haikus zu Hause und können ihre Werke dann in der Gruppe vortragen. Dort werden die Gedichte "kritisch und konstruktiv diskutiert", wie Rita Rosen die Treffen beschreibt. "Neulinge sind stets willkommen", fügt sie hinzu.

Unterstützt wird der Wiesbadener Kreis durch die Deutsche Haiku-Gesellschaft in Frankfurt. Im Laufe des Jahres haben sich nun einige Gedichte angesammelt, und am 1. Dezember, um 19.30 Uhr, gibt es die erste öffentliche Lesung des Haiku-Kreises im Literaturtreff in der Herderstraße 31.

Autor:  Christian Struck
Datum:  1 | 10 | 2009
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