Mindestens 72 Kinder und Jugendliche aus Wiesbaden wurden in Viehwaggons gepfercht und in Vernichtungslager der Nazis gebracht. Ab Sonntag, 24. Mai, erinnert im Hauptbahnhof der "Zug der Erinnerung" daran. Um 12.30 Uhr gibt es eine Gedenkfeier. Der Zug steht bis Mittwoch, 27. Mai, auf Gleis 5 - in der Nähe der Rampe am Schlachthof, wo über 1000 Wiesbadener Juden deportiert worden waren.
In den Waggons an der historischen Dampflok dokumentiert eine Ausstellung die Deportation und Schicksale jüdischer Heranwachsender aus Europa. Die mobile Gedenkstätte hat bereits in etlichen Städten Station gemacht. Zudem prangert die Ausstellung auch die Rolle der Reichsbahn als Mittäter beim Holocaust an. Entsprechend empört ist der Verein "Zug der Erinnerung", dass die Deutsche Bahn AG Gebühren für die Nutzung der Gleise und der Bahnhöfe kassiert. Pro Schienenkilometer werden den Angaben zufolge 3,50 Euro fällig, 45 Euro kostet eine Stunde im Bahnhof und weitere 50 Euro kommen für die Nachtabstellung hinzu.
Doch die Bahn lässt sich nicht erweichen. "Das ist keine Frage des Wollens", sagte ein Konzernsprecher auf FR-Nachfrage. Um einen "diskriminierungsfreien Zugang" zu Trassen und Bahnhöfen zu gewähren, müssten alle Nutzer gleich behandelt werden. Der Vorwurf, die Bahn versuche es der Initiative wegen des "unbequemen Themas" schwer zu machen, wies der Sprecher zurück: Das Eisenbahngesetz gestatte keine Ausnahmen. (byb)
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