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Heimatmuseum Biebrich: Schleuderkanonen und der Mosbacher Bär

Das Biebricher Heimatmuseum hat eine beeindruckende Sammlung zu bieten. Das Angebot reicht von fossilen Fundstücken bis hin zu Zeugnissen der Industrialisierung. Von Michael Grabenströer

Vereinsvorsitzender Klaus  Zengerle  mit einem römischen Pfahl.
Vereinsvorsitzender Klaus Zengerle mit einem römischen Pfahl.
Foto: FR/Surrey

Das vor rund hundert Jahren gegründete Heimatmuseum ist ein wesentliches Standbein des Verschönerungs- und Verkehrsvereins. Denn schnell hatte man erkannt, dass nicht nur die Gestaltung der Stadt Biebrich, sondern auch die Bewahrung des Überkommenen im musealen Rahmen zu den Aufgaben eines Verschönerungsvereins gehören kann.

Den heutigen Namen "Museum Biebrich für Heimat- und Industriegeschichte" trägt die Einrichtung seit 2004. Die Einweihungsfeier des Museums fand aber bereits im August 1909 im Rittersaal der Mosburg im Schlosspark statt. In der Festschrift zum hundertjährigen Bestehen lobt Ortsvorsteher Wolfgang Gores den Fleiß der Museumsfreunde, denen es immer wieder gelungen sei, "die Schließung dieser wichtigen und wunderschönen Einrichtung zu verhindern".

Gleich mehrere Anlässe führten zur Gründung des Museums. So habe man Anfang des 20. Jahrhunderts "eine Hinwendung zur nassauischen Geschichte und zur Biebricher Ortsgeschichte" gesucht, heißt es in der Festschrift. Von einer Zeit der historischen Rückbesinnung nach dem Ableben des letzten Herzogs von Nassau ist die Rede.

Außerdem wurde 1906 eine erste umfassende Geschichte der Stadt Biebrich veröffentlicht, die die Grundlage für die Beschäftigung mit Fragen der Ortsgeschichte auch im musealen Gewande stellte. Mitentscheidend waren jedoch Funde fossiler Knochen, die in den Mosbach-Sanden bei Bauarbeiten zutage traten.

Die Mosbach-Sande, nach dem zur Stadt Biebrich gehörenden ehemaligen Dorf Mosbach benannt, gelten als reichhaltige Fundstätte von Fossilien aus der Cromer-Warmzeit (ungefähr 850000 bis 475000 v. Christus). Dort wurden die Reste zahlreicher großer Wirbeltiere entdeckt, die fast alle den Namen von Mosbach tragen.

Es gibt das Mosbacher Pferd, den Mosbacher Bär, den Mosbacher Wolf und den Mosbacher Löwen. Die Mosbach-Sande gelten als eine der bedeutendsten Fossilienfundstätten in Deutschland. Zehntausende von Funden liegen im naturhistorischen Museum in Mainz. Aber einige eben auch im Heimatmuseum Biebrich.

Das Biebricher Museum hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich; es war in verschiedenen Räumlichkeiten untergebracht, bevor es 1989 seine vorerst endgültige Bleibe im ehemaligen Stadtbad fand. Die Genehmigung für die Einrichtung des ersten Museums in der Mosburg hatte Großherzog Wilhelm von Luxemburg gegeben. Es gab also einen Raum und bald wurden auch Ausstellungs- und Erinnerungsgegenstände von Biebricher Bürgern zur Verfügung gestellt.

Allerdings war das Museum auf Spender angewiesen, weil "im städtischen Haushalt keine entsprechenden Mittel vorhanden waren". Laut Festschrift handelt es sich um eine Formulierung aus dem Jahr 1909. Aber es könnte genauso gut eine Aussage aus der heutigen Zeit sein. Spender, die Arbeitskraft, Geld, aber auch private Gegenstände und - wie damals - ganze Sammlungen für die Gründung einer "Altertumssammlung" zur Verfügung stellen, braucht das Museum auch heute noch.

Auf diese Weise kamen Skurrilitäten ins Museum: römische Schleuder- und französische Kanonenkugeln, die aus dem Rhein geborgen worden waren. Daneben eine Sammlung von Uniformknöpfen oder nassauische Orden und Gedenkmünzen - was so alles in ein Heimatmuseum gehört. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren Teile des Museums geplündert, andere Teile ausgelagert worden. Aber die Biebricher gaben nicht auf und konnten das Heimatmuseum 1978 im Rathaus wieder eröffnen.

Im heutigen Standort, dem ehemaligen Stadtbad, entstand dann der Plan, auch Einblicke in die Industriegeschichte zur geben. Eine richtige Entscheidung. Denn das Leben in Biebrich wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert vom Industrialisierungsboom verändert. Die Industriellenfamilien wurden Kulturträger. Der Zustrom von Arbeitern führte zu einem Anwachsen der Stadt. Zeugnisse für diese Entwicklung fanden auch in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ihren Platz im Museum.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  4 | 2 | 2010
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