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Henning Mankell: Diesseits von Afrika

Henning Mankell liest in der Marktkirche aus seinem Buch "Der Chronist der Winde" und kritisiert die europäischen Medien. Von Mirjam Ulrich

Mit einem Fuß im Sand, mit einem im Schnee: Krimiautor Mankell.
Mit einem Fuß im Sand, mit einem im Schnee: Krimiautor Mankell.
Foto: FR/Oeser

Sein Herz schlägt für Afrika. Vor 37 Jahren bereiste der schwedische Erfolgsautor Henning Mankell zum ersten Mal den Kontinent. In Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, leitet er seit 1986 das "Teatro Avenida". Dort wohnt und arbeitet er die Hälfte des Jahres, einige seiner Romane spielen in Afrika. Von seiner Liebe zum Kontinent zeugt auch der Fernsehfilm "Mein Herz schlägt in Afrika" von Jens Monath - und nicht zuletzt Mankells leidenschaftliches Engagement.

Inspiration aus dem Alltag

Zugunsten von "Africa Action", einem christlichen Hilfswerk für Blinde und Behinderte, las Henning Mankell am Sonntagabend in der Marktkirche aus seinem Buch "Der Chronist der Winde". Der Roman handelt von einem weisen, afrikanischen Straßenjungen, der im Sterben die Geschichte seines kurzen Lebens erzählt. Als Verbeugung vor den etwa 900 Zuhörern trug der Schriftsteller ein Kapitel auf Deutsch vor. Eine Premiere, hieß es.

Im anschließenden Gespräch mit dem Regisseur Jens Monath beantwortete er dann auf Englisch Fragen aus dem Publikum, die die Zuhörer zuvor auf Kärtchen notiert hatten. Woher er seine Inspiration nehme, wollten sie beispielsweise wissen. "Aus meinen Träumen, aus den Dingen, die ich auf der Straße sehe und höre - vielleicht auch in einer Kirche in Wiesbaden", sagte der vielfach preisgekrönte Autor lächelnd.

Sein größtes Vorbild wäre er selbst im Alter von zwölf Jahren, erzählte der 61-Jährige weiter. Alles schien damals möglich, und sein Vertrauen in die Fantasie und seine Fähigkeit, alles verstehen zu können, war enorm. Sein Vater gab ihm das Gefühl, wichtig und wertvoll zu sein. Noch heute hielte er in Gedanken Zwiesprache mit seinem vor 30 Jahre verstorbenen Vater.

Über die Rolle des Aberglaubens in Afrika sprach Mankell ebenso wie über die Bedeutung des Theaters in einer Gesellschaft, in der viele nicht lesen können. Es gebe nur ein Problem auf dem afrikanischen Kontinent: die Armut. Alles hänge damit zusammen. Wenn der Westen die Korruption der afrikanischen Politiker beklage, vergesse er dabei, dass dazu zwei gehörten: Das Bestechungsgeld komme schließlich aus den Industrienationen.

Wieder einmal lobte er Bundespräsident Horst Köhler, wieder einmal bekam der britische Ex-Premierminister Tony Blair sein Fett weg. Der höre Afrika nicht zu. "Wir kommen mit Antworten, anstatt die Menschen nach ihren Bedürfnissen und Anforderungen zu fragen." Streng kritisierte Mankell auch die europäischen Medien, die immer nur über das Sterben in Afrika berichteten, nicht aber über das Leben dort. Ihn habe Afrika zu einem besseren Europäer gemacht, sagte er. "Ich stehe mit einem Fuß im afrikanischen Sand und mit dem anderen im schwedischen Schnee, das ergibt eine gute Balance." Er selbst blickt voller Hoffnung auf die Zukunft des Kontinents. Vieles von dem, was der Autor an dem Abend erzählte, hat man schon in seinen Interviews gehört oder gelesen. Seine Fans vermochte das aber nicht zu stören. Schließlich hört man Menschen, die man mag, auch dann noch gern zu, wenn sie die Geschichte nicht zum ersten Mal erzählen - vor allem, wenn sie so charmant und lebhaft unterhalten wie Mankell.

Selbstironisch gab er auch etliche seiner eigenen afrikanischen Erlebnisse zum Besten. Zu den begeisterten Zuhörern zählte auch Martina Jensen aus Wiesbaden. Die Dänin, die seit 30 Jahren im Rhein-Main-Gebiet lebt, kennt fast alle Bücher von Mankell. Nie zuvor war sie auf einer Autorenlesung. Dass er im Gespräch auch ihre Fragen beantworte, freute sie besonders. Und die Fans, die nicht an die Reihe kamen, beglückte der Autor zum Schluss mit der Nachricht, dass sein nächster Wallander-Krimi im März 2010 auf Deutsch erscheinen soll.

Autor:  Mirjam Ulrich
Datum:  15 | 12 | 2009
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