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Horst-Schmidt-Kliniken: Der Weg in die Drei-Klassen-Medizin

Mit einer Extra-Versicherung sollen sich Patienten in den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken künftig eine Vorzugsbehandlung erkaufen können. Politiker geißeln den Vorstoß als "unsozial". Von Sabine Müller

Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden wollen eine eigene Zusatzversicherung auflegen. Politiker sind empört.
Die Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden wollen eine eigene Zusatzversicherung auflegen. Politiker sind empört.

Die städtischen Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) wollen mit einer neuen Zusatzversicherung Kunden binden und Geld in die sanierungsbedürftige Krankenhaus-Kasse spülen. Entwickelt hat das Programm namens Managed Care plus (Mcplus) der HSK-Geschäftsführer Holger Strehlau. Zwei Jahre habe er daran gesessen, sagt er. Im Januar soll das exklusive HSK-Produkt mit einem "Riesen-Bang" in den Markt einschlagen.

Zielgruppe für Mcplus sind laut Strehlau Kassenpatienten, die sich für um die 30 Euro im Monat eine Art Komfortbehandlung in den HSK sichern können. Dazu gehören laut Homepage von Mcplus etwa eine "erstklassige Betreuung" durch das medizinische und pflegerische Personal sowie Bevorzugung bei Arztterminen.

Beratung für Gesunde

Gesunden Kunden bietet Mcplus darüber hinaus "persönliche Beratung rund um die Gesundheit", eine "persönliche Online-Gesundheitsdatei" und jährlichen Gesundheitscheck.

Mehr zu den Zusatzleistungen will Strehlau nicht verraten, "wir wollen da noch mal nachdenken", sagt er. Und die Konkurrenz - die Privatversicherer - soll nicht zu früh Wind von allem bekommen. Hat sie freilich sowieso schon. Da ein HSK-Mitarbeiter, der dem Geschäftsführer nichts Gutes tun wollte, Informationen über das interne Projekt nach Außen trug. "Sechs bis acht Wochen zu früh", wie Strehlau bedauert.

Seine Produktidee Mcplus vergleicht Strehlau mit dem Kundenbindungsprogramm "Miles & More" bei Lufthansa: eine silberne Karte für Frequent Traveller, eine goldene für Vielflieger und eine schwarze für die Allertreusten. Mit der Mcplus-Karte bekomme ein HSK-Kunde mehr Komfort als ein gesetzlich Versicherter, aber weniger als ein 100-Prozent Privatversicherter.

Krankenhausprofi Strehlau ist nicht entgangen, dass gesetzliche Kassen ähnliche Zusatzleistungen in Kooperation mit Privatversicherern längst anbieten. Mcplus allerdings werde günstiger zu haben sein, sagt er. Wie viel die Karte endgültig kosten wird, stehe aber noch nicht fest. Das hänge von der Zahl der Kunden ab, die gewonnen werden.

Und die wird bedeutend größer, wenn es Strehlau gelingt, die Gültigkeit seines Produktes auf andere Kliniken in Deutschland auszudehnen: Krankenhäuser in Hamburg, Berlin, München will der HSK-Geschäftsführer für Mcplus begeistern. Der Lizenzverkauf brächte zusätzliches Geld. Nicht ganz so toll wie Strehlau finden Mcplus manche Stadtpolitiker. Fraktionschef Michael von Poser (Bürgerliste Wiesbaden) nennt die Zusatzversicherung "unsozial" und warnt vor einer Einführung der "Drei-Klassen-Medizin" in den städtischen Klinken.

Politiker sind dagegen

Die SPD zieht nach: Die Sozialdemokraten wollen keine "Exklusivbehandlungen für zahlungsbereite Clubmitglieder" in den städtischen Kliniken, so Fachsprecher Sven Kötschau. Am 11. Dezember werde seine Fraktion im Stadtparlament Erklärungen von Klinikdezernent Detlev Bendel (CDU) fordern.

HSK-Chef Strehlau wirbt unbeeindruckt weiter: Mcplus eröffne "für relativ bescheidenes Geld" Menschen die Möglichkeit, etwas für die Gesundheit zu tun. Das sei doch etwas Positives. Wer eine Ein-Klassen-Medizin wolle, müsse die Privatkassen abschaffen.

Kritik musste Strehlau aber auch schon von anderer Seite einstecken: Um Mcplus deutschlandweit vermarkten zu können - was die HSK unter anderem aus gesellschaftsrechtlichen Gründen nicht dürfen - hatte der Manager eine private Gesellschaft gegründet. Die nannte er praktischerweise nach dem exklusiven HSK-Produkt - Mcplus GmbH.

Gar nicht gut fanden das Klinikdezernent Bendel und der Aufsichtsrat. Sie foderten Umbenennung. "Das passiert jetzt", sagt Strehlau. Laut Bendel ist es Strehlau vertraglich ausdrücklich erlaubt private Gesellschaften zur Gesundheitsberatung zu gründen, wenn diese nicht mit den HSK konkurrieren.

Autor:  SABINE MÜLLER
Datum:  5 | 12 | 2008
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