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13. Januar 2016

Horst-Schmidt-Kliniken Wiesbaden: Frühchen mit MRSA-Erreger besiedelt

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Wer sich auf den Weg in die Notaufnahme macht, muss oft sehr lange Wartezeiten in Kauf nehmen.  Foto: Rolf Oeser

Nach dem TV-Bericht eines Journalisten-Teams um Günter Wallraff über die Notaufnahme der HSK ist der Unmut groß. Und nun sind auch noch neun Frühgeborene auf der neonatologischen Station der Horst-Schmidt-Kliniken mit dem Keim MRSA besiedelt.

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Die Fernseh-Reportage über die Zentrale Notaufnahme an den Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) zeige nur die „Spitze des Eisbergs“, teilten die Vertrauensleute der Gewerkschaft Verdi und die zuständige Gewerkschaftssekretärin Saskia Jensch am Mittwoch mit. Mehrarbeit und Überstunden, Arbeitszeitverstöße und das Einspringen aus der Freizeit hätten bereits vor der Übernahme der HSK durch den Helioskonzern zur Tagesordnung gehört. Die festgestellten Hygienemängel beruhten „vor allem auf deutlich verschlechterten Arbeitsbedingungen“, so die Gewerkschafter.

Mathias Haag, pflegerischer Leiter der zentralen Notaufnahme, hatte am Dienstag auf den RTL-Bericht reagiert und gesagt: „Ja, so ist es. Das ist Notaufnahme.“ Haag, weitere leitende Ärzte und die Geschäftsführung stellten sich der Kritik, die nun an den Zuständen in den Kliniken einmal mehr laut geworden ist. Der Beitrag, der im Mai 2015 zusammengestellt wurde, weist auf Hygienemängel hin, auf Überstunden und fehlendes Personal. 618 Überlastungsanzeigen hatten Mitarbeiter 2015 eingereicht. Die Anzahl ist laut Betriebsratsvorsitzendem Michael Drott zwar in den vergangenen anderthalb Jahren gleich hoch geblieben. Doch im Vergleich zu den Jahren davor sei sie gestiegen. „Weil mit dem Stellenabbau begonnen wurde“, sagte er.

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Auch wenn es ein gutes Jahr her ist, dass der Beitrag gedreht wurde, und die Geschäftsführung Fehler eingeräumt und darauf hingewiesen hat, dass man für die fünf derzeit unbesetzten Planstellen in der Notaufnahme dringend Personal suche, ist der Unmut in Wiesbaden ungebrochen groß.

Skandalös, aber wenig überraschend

Als „skandalös, aber wenig überraschend“ bezeichnete Grünen-Fraktionschefin Christiane Hinninger den Bericht. „Hier zeigen sich die absehbaren Folgen einer falschen Privatisierungspolitik.“ Hinninger kritisierte zudem die Ankündigung der Stadt, die Hygieneaspekte mit der Klinik-Geschäftsführung erörtern zu wollen. Sie forderte unangekündigte Kontrollen. „Offensichtlich will die Stadt aber weiter den Geschäftspartner Helios schonen.“

Seit 2014 hält Helios 49 Prozent der Anteile der HSK, die bis 2012 komplett in städtischer Hand waren. 2012 hatte Rhön Klinikum 49 Prozent der Anteile übernommen, die die Aktiengesellschaft 2014 an Helios veräußerte. Gegen eine Teilprivatisierung hatte sich das Bündnis „HSK pro kommunal“ gestellt, das am Dienstag unter anderem den Rücktritt von Klinikdezernent Axel Imholz (SPD) forderte. „Unsere schlimmsten Befürchtungen wurden weit übertroffen“, sagte Bündnissprecher Bodo Kaffenberger. „Entsetzlich, auf welchem Niveau diese Klinik angekommen ist.“ Er forderte die Politiker auf, dem „Raubbau am deutschen Gesundheitswesen“ ein Ende zu machen. „Wir fordern die Überwachungsbehörden, Gesundheitsämter und Staatsanwaltschaften auf, ihren Aufgaben nachzukommen.“

Für eine Rekommunalisierung sprach sich Udo Bermes vom Kreisverband der Freien Wähler aus. „Ein kommunales Krankenhaus muss nicht die schwarze Null liefern“, schrieb er. Bermes verteidigte zudem die HSK-Mitarbeiter, die unter schwierigen Bedingungen arbeiteten.

Helios hatte 2014 angekündigt, 391 der 2800 Stellen abbauen zu wollen. Laut Geschäftsführer Kristian Gäbler müssen immer noch etwa 100 Stellen wegfallen. Bei einer Pressekonferenz anlässlich der Übernahme hatte Helios versprochen, dass die medizinische Versorgung dennoch auf einem hohen Niveau bleibe: „Mit weniger Leuten mehr Leistung.“ Laut Gäbler ist dieses langfristige Ziel noch nicht erreicht. Man sei dabei, alle Arbeitsprozesse anzupassen. „In vielen Bereichen klappt das, in manchen nicht.“

Der stellvertretende UFW-Fraktionsvorsitzende Veit Wilhelmy widerspricht. Von einer Versorgung auf hohem Niveau könne keine Rede sein. Helios gefährde das Patientenwohl. „Mit mehr Personal wäre die Situation sicherlich nicht so schlimm“, schrieb er und forderte Gesundheitsdezernent Imholz auf gegenzusteuern. Der verweist darauf, dass für die Personalausstattung der zu 51 Prozent städtischen Klinik Helios zuständig zeichne.

Imholz‘ Parteikollegen nehmen den Bund in die Pflicht. Die aufgezeigten Probleme „sind nicht einmalig in der deutschen Krankenhauslandschaft“, sagte Simon Rottloff. Durch das pauschale Vergütungssystem würden die Kosten der Kliniken nicht gedeckt. „Wir brauchen mehr und besser bezahlte Pflegekräfte.“ Vom geplanten Neubau erhofft er sich Verbesserungen, etwa dass die Wegezeiten verkürzt werden und mehr Zeit für die Patientenversorgung bliebe. Er forderte auch, den Hygienemängeln nachzugehen. (mit jur)

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