Sie haben mit Ihrer Klage gegen den Bebauungsplan des Künstlerviertels beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel Erfolg gehabt, und der Baustopp für die 16 Reihenhäuser bleibt zudem bestehen, wie die VGH-Richter soeben entschieden haben. Sind Sie jetzt zufrieden? Was unser Unternehmen angeht: erstmal erleichtert. Was die Gesamtsituation angeht: natürlich nicht zufrieden.
Warum haben Sie geklagt? Die Reihenhäuser haben nur drei Meter Abstand zu meiner Holzhandlung. Das ist viel zu eng! Wegen der Brandgefahr und weil sich dann bald die Bewohner über Lärm der Sägearbeiten beschweren würden. Wir haben werktags elf Stunden geöffnet und samstags ist von 8.30 bis 13.30 Uhr auch Betrieb.
Der 44 Jahre alte Diplom-Betriebswirt ist seit 2004 Eigentümer der Holzhandlung Blum.
Der Familienbetrieb besteht mit Karl-Ulrich Blum in der vierten Generation und wurde vor über 110 Jahren gegründet. Das Stammhaus befindet sich seitdem in der Rheinstraße 50, das Zentrallager in der Königsteiner Straße 9 kam 1902 hinzu.
12 Mitarbeiter sind in der Holzhandlung Blum beschäftigt. Das Angebot reicht vom massiven Bauholz und Leimholz über Parkett und Laminat bis hin zu Terrassendielen.
Die Berufsfeuerwehr hat den Abstand von drei Metern für ausreichend befunden. Seltsam, ja. Mich verwundert zudem, dass auch alle Ämter die drei Meter in Ordnung fanden.
Vielleicht müssen 16 Reihenhäuslebauer nun ihre halbfertigen Neubauten wieder abreißen. Haben Sie denen gegenüber kein schlechtes Gewissen? Ich bin doch nicht der Verursacher dieser Misere. Sondern ich bin auch Opfer. Ich muss hier nicht weg, und ich wollte hier nicht weg. Die Stadt wollte die Umsiedlung, und ich wäre der Stadt entgegengekommen, aber bitte nicht zu meinen Lasten.
Planungsdezernent Joachim Pös (FDP) sagt aber, Sie forderten viel zu viel für Ihre Umsiedlung. So ein Quatsch. Ich möchte einfach das, was ich jetzt habe, auf dem Ersatzgelände in Biebrich wieder haben. Die Stadt bietet mir aber nur das Grundstück. Auf eigene Kosten soll ich da dann meine 3000 Quadratmeter Lagerhallen, Büros und Parkplätze bauen. Das ist schlicht unakzeptabel.
CDU-Fraktionschef Bernhard Lorenz sagt, Ihr Betrieb habe Probleme, deshalb stellten Sie unverschämte Forderungen. Erstens: Ich kenne den Mann überhaupt nicht. Zweitens: Für diese Verleumdung hat er eine Strafanzeige von mir gekriegt. Drittens: Unserem Betrieb geht es blendend.
Sie verhandeln seit drei Jahren. Mit wem? Mit dem Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft, Dietrich Schwarz. Er hat zwar stets eine kleine Schippe nachgelegt, aber unterm Strich ist das Angebot jenseits aller Realität.
Planungsdezernent Pös hat nach dem Urteil gesagt, er erwarte, dass Sie nochmal auf die Stadt zukommen und weiterverhandeln. Werden Sie das tun? Wieso sollte ich? Ich habe keinerlei Veranlassung dazu. Es war ja nie meine Idee oder mein Wunsch umzusiedeln. Die Stadt will doch was von mir, nicht umgekehrt.
Heißt das, dass für Sie ein Wegzug abgehakt ist? Eigentlich ja. Wir sind seit über 100 Jahren hier und verkaufen Holz. Dass die Stadt so dicht Wohnhäuser an uns heranrücken lässt, dafür können wir doch nichts. Ich hätte der Stadt den Gefallen getan und wäre weggezogen. Aber wenn ich drauflegen soll, dann bleiben wir halt hier.
Angeblich soll der Brandschutzabstand zu anderen Wohnhäusern auch zu gering sein, und CDU-Mann Lorenz droht mit hohen Auflagen und mit Betriebsstilllegung. Haben Sie da Angst? Ich habe nichts zu befürchten. Zwischen den anderen Wohnhäusern und meinem Betrieb liegen jeweils Straßen dazwischen. Und bei der letzten Begehung vor kurzem hat die Berufsfeuerwehr das Holzlager als "brandschutztechnisch einwandfrei" bewertet. Meinetwegen soll dieser Herr Lorenz es ruhig versuchen.
Interview: Gaby Buschlinger
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