Bis zum vergangenen Jahr war Uwe Widmann topfit, wähnte sich unverletzbar. Ihn quälten keine Wehwehchen, es zwickte nicht in den Gelenken, wie das bei vielen Spitzensportlern in seinem Alter der Fall ist. Doch dann machte sein gestählter Körper, der unter seinem schlabbrigen Pulli verschwindet, nicht mehr mit. Und der 42-jährige Profi-Triathlet musste wohl oder übel eine Pause vom Sport einlegen.
Der Ironman 70.3 in Wiesbaden findet am 12. August statt. Die Teilnehmer schwimmen 1,9 Kilometer im Raunheimer Waldsee. Von dort geht es 90 Kilometer (und über 1500 Höhenmeter) auf dem Rad über Igstadt, Naurod, Wiesbaden nach Idstadt und von dort wieder zurück in die Landeshauptstadt. Dort beginnt der Halbmarathon, der 21,1 Kilometer durch den Kurpark führt.
Bislang haben sich etwa 1000 Teilnehmer angemeldet. Im vergangenen Jahr starteten mehr als 2000 Athleten – die Staffeln eingerechnet.
Schnellste war im vergangenen Jahr Karin Thuerig aus der Schweiz mit 4:45:47. Bei den Männern siegte Andi Böcherer aus Deutschland in 4:08:36.
Anmeldungen sind derzeit noch im Internet möglich. www.ironman703.de
Jetzt, so nach und nach, steigert er sein Trainingspensum wieder, damit er Mitte des Jahres, wenn der Ironman in Frankfurt und vor allem der halbe Ironman in Wiesbaden anstehen, wieder fit ist. Beide Wettkämpfe seien großartig, schwärmt er – vor allem auch der in Wiesbaden. Nicht nur, dass Widmann dann quasi Heimvorteil hat. „Der Wiesbadener ist ein unglaublich fairer Wettkampf, da die Radstrecke sehr anspruchsvoll ist. Es geht über 1500 Höhenmeter. Da sind schon einige eckige Abfahrten dabei, so dass man ordentlich aufpassen muss. Und vor allen Dingen ist es hinterher toll, durch den Kurpark zu laufen“, sagt er, und man fragt sich, wie er nach all den Strapazen dann noch Muße haben will, die Schönheiten des Parks zu genießen.
Aber Widmann ist ein alter Hase, und wenn einer Sportveranstaltungen miteinander vergleichen kann, dann ist er es. Der 42-Jährige kennt fast alle Ironman-Wettbewerbe: Von Butzbach über St. Pölten und Frankfurt bis hin nach Port Elizabeth, Florida und Hawaii – der gebürtige Schwarzwälder hat schon an vielen Wettkämpfen teilgenommen. Doch so groß der Spaß auch ist: Es ist ein hartes Geschäft, sein Geld als Triathlet zu verdienen. Mittlerweile bietet der „Eisenmann“ auch Trainingsstunden an.
Der Druck, unter den Besten landen zu müssen, damit die Sponsoren nicht abspringen, ist groß. Und die Preisgelder sind alles andere als üppig – im Vergleich zum Trainingsaufwand und auch zu anderen Sportarten. Beim Ironman 2011 in Frankfurt erhielt der, der sich nach mehr als sieben Stunden als Erster über die Ziellinie quälte, zum Beispiel etwa 16000 Euro. „Beim Ironman auf Hawaii sind es schon mehr, trotzdem ist die Prämie nicht zu vergleichen mit der Gage eines Tennisspielers. Dennoch gilt: Wer in Hawaii gewinnt, ist hinterher ein gefragter Mann“, sagt Widmann und spielt damit auf Werbeverträge an.
Der 42-Jährige, der vor vier Jahren mit seiner Frau Renata nach Wiesbaden gezogen ist, hat selbst schon mehrfach auf Hawaii mitgemacht. Seine beste Platzierung sei Platz 14 gewesen, sagt er und klingt ein bisschen enttäuscht. „Man gibt immer sein Bestes und auf die, die auf dem vierten, fünften und den anderen Plätzen landen, schaut dann keiner.“ Da tröstet es ihn auch nicht, dass mindestens 1700 Starter schlechter waren als er. Und dass auch erst einmal einiges dazugehört, um sich überhaupt für den härtesten Ironman der Welt zu qualifizieren.
Verstecken vor der Konkurrenz braucht sich der Profisportler jedenfalls nicht. Seit mehr als zehn Jahren bringt er konstant gute Leistungen. Viele Rennen hat er gewonnen und wenn nicht, dann fuhr, schwamm und rannte er meist unter die Top Ten.
Doch das reicht Widmann nicht, denn als Profi-Triathlet muss man ehrgeizig sein, muss man sich pushen, um diese Leistungen seinem Körper überhaupt abverlangen zu können. Schließlich gilt es bei einem Ironman 3,86 Kilometer im Wasser, 180,2 Kilometer auf dem Rad und 42,195 Kilometer per Fuß zurückzulegen.
Mehrere Stunden am Tag trainiert Widmann. Um 6 Uhr zieht er bereits seine Bahnen im Schwimmbad, und abends geht er laufen, macht Krafttraining oder fährt Rad – dem Schweinehund davon, den er eigentlich gar nicht hat. Sagt er. „Ich muss mich nicht erst motivieren, um zum Training zu gehen. Das macht doch einfach Spaß.“
Manchmal hat er einen ganz besonderen Trainingspartner dabei. Sohn Tim unterstützt ihn dann, wenn Uwe Widmann mit dem Kinderwagen losrennt. Durch den Zweijährigen haben sich auch die Prioritäten des Sportlers etwas verschoben, sagt er. Wie lange er noch als Profi sein Geld verdienen will, weiß er noch nicht. „Ein bisschen will ich noch machen, aber man weiß ja nie, was dazwischen kommt.“
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