Es mögen vielleicht Kleinigkeiten sein, die eine Sozialpädagogin am Montag vor Gericht vorträgt. Doch sie werfen ein Licht auf zumindest einen der drei Angeklagten, die sich derzeit vor dem Landgericht Wiesbaden wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem Straßenmusikanten aus Litauen verantworten müssen. Der Musiker war vergangenen Mai in der Parkanlage Warmer Damm zu Tode gekommen, nachdem ihn die drei zwischen 16 und 17 Jahre alten Angeklagten angegriffen und heftig gegen den Kopf getreten haben sollen. Die jungen Männer sitzen in Untersuchungshaft.
Dort halte sich zumindest einer der drei nicht an Regeln, so eine Sozialpädagogin am Montag. Der junge Mann sei „überwiegend auffällig“, habe mehrfach „Erziehungsmaßnahmen“ unter anderem wegen unerlaubten Rauchens und provokanten Verhaltens gegenüber Angestellten der JVA verordnet bekommen. Mitgefangene aus Rumänien habe der Jugendliche türkischer Herkunft rassistisch beleidigt.
Der 17-Jährige habe zudem einem Mitgefangenen ein blaues Auge geschlagen, weil dieser seiner Meinung nach beim Kartenspiel „geschummelt“ habe. Als der Angeklagte daraufhin verlegt wurde, habe er gedroht, dem Mitgefangenen „die Fresse“ einzuschlagen und ihn fertigzumachen, so die Sozialpädagogin weiter.
Selbst, wenn der Jugendliche Besserung gelobt habe, sei von diesen Versprechen wenige Stunden später nichts mehr übrig gewesen. „Er schafft es nur kurz, nicht aufzufallen“, so das Resümee der Pädagogin.
Bald würden erneut Lärmbelästigung und andere Respektlosigkeiten bekannt, mit denen sich der Jugendliche „Respekt verschaffen“ wolle. So habe er unter anderem Mithäftlinge aufgewiegelt, das abendliche Einschließen in die Zellen hinauszuzögern. Bedienstete der JVA habe er mit „verpiss’ dich, mach’ dich ab“, angesprochen.
Dennoch findet die Sozialpädagogin auf Nachfrage eines Verteidigers auch gute Seiten an dem jungen Mann: „Er steht morgens auf“, sagt die Frau über ihren Schützling, der in Haft Schulunterricht bekommt. „Er ist dort zumindest körperlich immer anwesend.“ Das, betont die Frau, sei bei seinen Mithäftlingen „schließlich nicht selbstverständlich“. Der Prozess wird fortgesetzt.
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