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Schlachthof: Junge Kultur behält ihren Platz

Weil es Mängel an der Statik und beim Brandschutz gibt, muss der Schlachthof vor dem Winter dicht machen. Doch das ist nicht das Ende des Kulturzentrums. Es soll Anfang November saniert werden.

        

Der Schlachthof – ein Ort für die Kunst.
Der Schlachthof – ein Ort für die Kunst.
Foto: Monika Müller

Noch fehlt die Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung. Aber Kultur- und Baudezernentin Rita Thies (Die Grünen) lässt Optimismus erkennen: „Ich rechne fest damit, dass der Magistratsbeschluss für die Sanierung des Kulturzentrums Schlachthof in der Stadtverordnetenversammlung eine Mehrheit finden wird.“ Sanierung in zwei Bauschnitten hatte der Magistrat auf Antrag von Thies beschlossen: 4,6 Millionen Euro in einem ersten Schritt, drei Millionen Euro in einem zweiten Bauabschnitt. Baubeginn soll am 1. November sein. Vorausschauend hat das Kulturzentrum schon seine Veranstaltungsplanungen für das kommende Jahr fast komplett gestrichen.

Wie schon bei der letzten grünen Mitgliederversammlung in der vergangenen Woche, erteilte Thies in der Pressekonferenz nach der Magistratssitzung, allen Plänen für einen Neubau der großen Schlachthofhalle eine klare Abfuhr. „Zu teuer und zu zeitaufwendig“, sagte sie. Außerdem vertrat sie die Meinung, dass bei einem Neubau an gleicher Stelle mit einer bis zur vier Jahren dauernden Realisierungsphase zu rechnen sei. Eine solange Periode könnte das Kulturzentrum und seine Mitarbeiter durch den dauerhaften Ausfall gefährden. Bei einem Neubau könne der Schlachthof auch seinen Charakter als markante Heimatstatt alternativer Kulturereignisse verlieren. Außerdem könne ein Neubau schnell bis zu 15 Millionen Euro kosten, befürchten Thies und ihre Bauabteilung. Daher das Signal: Entschieden gegen einen Neubau.

Im Beschluss des Magistrats ist allerdings unter Punkt Acht ausdrücklich vermerkt: „Prüfung Kosten Abriss und Neubau bis 31. August 2010“. Damit sollen, wie Thies erläuterte, Ausschüssen und der Stadtverordnetenversammlung Vergleichsdaten für Sanierung und Neubau an die Hand gegeben werden.

Von allen Seiten als unbestritten schlecht wird der derzeitige Zustand des Schlachthofes beschrieben. An dem Gebäude wurden in den 16 Jahren der kulturellen Nutzung „keine substanzielle Sanierung oder bauliche Verbesserung durchgeführt“, sagt die Vorlage.

Schwere statische Mängel

Die stehen nun an. Denn Statiker und Tüv hatten 2008 schwere statische Mängel am Stahlbetonrahmen und der Dachkonstruktion festgestellt. Die Feuerwehr bemängelte den Brandschutz als unzureichend. Und im Frühjahr 2010 kam die eindeutige Ansage: Ohne Sanierung der Statik vor dem Winter dürfe in der Halle „kein Veranstaltungsbetrieb mehr stattfinden“. Die Standsicherheit der Dachkonstruktion sei nicht mehr gegeben. Dazu kamen noch Auflagen für Brandschutzmaßnahmen, zu verbessernde Fluchtwege und die Forderung nach neuen sanitären Einrichtungen. „Die Halle darf aus Sicherheitsgründen nach dem 31. Oktober nicht mehr für Veranstaltungen genutzt werden“.

Die Sanierung ist nun die Konsequenz. Zuerst wird das Dach instand gesetzt werden. Es erhält auch eine Dämmung. Dann folgen weitere Maßnahmen. Eine grundsanierte Halle, ist Thies sicher, wird das Überleben des Schlachthofes als Kulturzentrum garantieren, das jährlich von 150000 Besuchern aufgesucht wird.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  25 | 8 | 2010
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