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Eröffnung: Klo-Museum im alten Pfarrhaus

Ein Klo-Gästebuch mit fast 340 000 Exemplaren Auflage: Der Wiesbadener Harlekin-Gründer Michael Berger zeigt seine skurrilen Raritäten immer wieder sonntags.

Museumsgründer Michael Berger im Klooseum in Wiesbaden.
Museumsgründer Michael Berger im Klooseum in Wiesbaden.
Foto: dapd

Manche Fragen – so tiefgründig sie scheinen mögen – beantworten sich denkbar einfach, überraschend unkonventionell, aber auch vollkommen nichtssagend, wenn der 69-jährige Michael Berger sie stellt. „Die wichtigste Rolle der Welt?“ Was manch einen Kulturbeflissenen zum Nachdenken treiben mag, für Berger ist die Frage lapidar, mit einer Dosis keineswegs tiefschöpfendem Humor zu beantworten: „Die Klorolle“. Berger kann darüber sogar lachen. Und weil er möchte, dass auch andere darüber lachen, eröffnet er am 3. April im ehemaligen Pfarrhaus in Erbenheim sein „Klooseum“.

Noch nie etwas davon gehört? „Wir bringen Licht ins Dunkel“, erläutert Berger fast missionarisch in seiner „Kirche des Humors“, einer alten, offiziell entweihten Kirche in Erbenheim die Wortschöpfung und ergänzt, dass es sich um ein Museum rund ums Klo handelt. „Wir haben ein Museum of Modern Arsch aufgebaut“, sagt Berger mit seinem ganz speziellen Humor.

Ein Museum rund um „das Unaussprechliche“, für das er jahrelang Sammlerstücke zusammengetragen hat. Hinweisschilder, Klobrillen, Gemälde, Toilettenbürsten – rund ums Klo gibt es nichts, was Bergers Sammelleidenschaft entgangen wäre.

Berger hat den Geschenkartikelhandel Harlekin aufgebaut und damit drei Jahrzehnte lang Narretei der vielfältigsten Art gut verkauft, seine Aufkleber von der „Lusthansa“ vertrieben und sich fünf Dutzend Prozesse eingehandelt. Einer der Renner im Harlekin-Sortiment ist ein Klo-Gästebuch mit fast 340 000 Exemplaren Auflage.

Berger war – ganz seriös – Mitbegründer der Clown-Doktoren, gilt als Gründer des Europäischen Lachclubs und hat schon ein Museum in Erbenheim aufgemacht: das Harlekinäum, das sei zwei Jahrzehnten in Betrieb ist, rund 300 Meter vom neuen Klooseum entfernt.

Berger nennt sein neues Museum „in dieser Form bislang einzigartig auf der Welt“. Nicht weniger als die „Kulturgeschichte des stillen Örtchens“ will er in unterhaltsamer Form präsentieren. Sein Logo zur Ausstellung: die Weltkugel in nachempfundener Gesäßform, einer Form, die sich im ganzen Haus immer wieder findet.

Natürlich erinnert der Museumsmann, der mit seinem exzentrischen Humor „Besucher ab zehn“ in die Ausstellung locken will, an Goethes Götz von Berlichingen und an die Nachttöpfe, die der Hofstaat des Sonnenkönigs einst durch das Prunkschloss Versailles schleppte. Ein Abbild des letzten selbstständigen Berliner Klomanns (Ost) stellte er auf einem Treppenabsatz auf. Der Goldesel ist vertreten ebenso wie zahlreiche Sponti-Sprüche. Selbst die Wissenschaft, die sich mit Fäkaliengewichten unterschiedlicher Völker und Geschlechter beschäftigte, würdigt er.

Doch bei Berger kann man nie zwischen Ironie und Ernst unterscheiden. Das gilt mit Sicherheit für sein neues Museum, das nicht gerade den Ruf von Erbenheim als Museumsstadt begründet.

Klooseum, Wandersmannstraße 2b, geöffnet bis 28. August, jeweils sonntags, 11.11 Uhr bis 17.17 Uhr, Eintritt: 4.99 Euro. www.klooseum.de

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  1 | 4 | 2011
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