Das Bau-Fiasko im Künstlerviertel könnte sich ausweiten: Nicht nur die 16 Reihenhäuser, die direkt an die Holzhandlung Blum grenzen, müssen vermutlich abgerissen werden, sondern vielleicht auch die acht Doppelhäuser dahinter. Gegen deren Baugenehmigungen hatte Holzhändler Karl-Ulrich Blum ebenfalls Widerspruch eingelegt. Und der Inhaber der Gehwegreinigungsfirma Tress, die Im Rad angesiedelt ist, wehrt sich vor Gericht gegen drei weitere Baugenehmigungen, weil die Grundstücke in Schräglage an sein Betriebs- und Wohngelände grenzen. Diese Baugenehmigungen waren nicht Gegenstand des Eilverfahrens.
Blums Rechtsanwalt Gerhard Strauch teilte am Dienstag mit, dass die Stadt seinem Mandanten ursprünglich zugesagt habe, seinen Betrieb erweitern zu dürfen. Derzeit hat er an der Königsteiner Straße 6000 Quadratmeter Fläche mit zwei Lagerhallen. Nochmal die gleiche Fläche sollte er dazu bekommen. Und zwar die, auf der jetzt die 16 Reihen- und acht Doppelhäuser stehen. Der Rahmenplan 2005 sowie der Vorentwurf zum Bebauungsplan hätten entsprechend auf rund 12.000 Quadratmetern "Sondergebiet Holzhandlung" vorgesehen, erinnerte Strauch.
Doch ohne Absprachen, geschweige denn mit Zustimmung von Blum habe die Stadtentwicklungsgesellschaft (SEG), die für das Künstlerviertel zuständig ist, die Gesamtfläche als Wohnbaufläche überplant. Schließlich bringe der Verkauf von Wohnhäusern das meiste Geld, vermutet Strauch. Also wollte die SEG Blum zur Verlegung seines Betriebs nach Biebrich bewegen. Drei Jahre wurde verhandelt - vergeblich. "Die Stadt bietet mir nur das Grundstück; auf eigene Kosten soll ich dann Lagerhallen, Büros und Parkplätze bauen", hatte Blum im FR-Interview gesagt. Das sei unakzeptabel. Er hätte der Stadt den Gefallen des Umzugs getan, "aber bitte nicht zu meinen Lasten".
Blums Familienbetrieb befindet sich seit mehr als 100 Jahren an der Königsteiner Straße. Da die Reihenhäuser bis auf drei Meter an seine Holzlager heranrückten, klagte er. Und bekam Recht: Die Verwaltungsrichter erklärten den gesamten Bebauungsplan fürs Künstlerviertel für unwirksam, und den im Juli vom Wiesbadener Verwaltungsgericht erlassenen Baustopp für die 16 fast fertigen Reihenhäuser haben sie auch bestätigt.
Angestrebt ist ein Nutzungsverbot
Und nun fordert Blum das zugesagte Baugebiet zur Betriebserweiterung ein. Rechtsanwalt Strauch hat in seinem Namen die Bauaufsicht aufgefordert, auch für diese 16 Wohneinheiten die erteilten Baugenehmigungen zurückzunehmen. Angestrebt ist ein Nutzungsverbot. Das bedeutet: Keiner der Häuslebauer soll einziehen dürfen.
Müssen sie jetzt auch mit Abriss rechnen? "Blum ist kein Unmensch", sagte Strauch dazu. Wenn er das zugesagte Grundstück bekomme, könne er durch geschickten Hallenbau vielleicht ausreichend Brandschutzabstand zu den Doppelhäusern wahren. Aber für die 16 Reihenhäuser "sieht es schlecht aus".
Strauch vertritt auch die Gehwegreinigungsfirma Tress, die samt Wohnhaus Im Rad angesiedelt ist. Weil hier insbesondere bei nächtlichem Winterdienst der Lärmschutz nicht gewährleistet sei, hatte Firmeninhaber Peter Tress gegen drei Baugenehmigungen von gegenüberliegenden Grundstücken Widerspruch eingelegt. Auch hier soll die Bauaufsicht die Baugenehmigungen zurücknehmen.
Insgesamt sollen im Künstlerviertel 650 Wohneinheiten entstehen. Ein Drittel baut und verkauft die Nassauische Heimstätte. Deren Sprecher Jens Duffner beruhigt: "Gegen unsere Baugenehmigungen gibt es keine Widersprüche." Daher drohe hier kein Anriss. Auch Peter Kubentz vom Büro Immobilien Noack, das Häuser auf der anderen Seite im Da Vinci Village verkauft, stellt klar: "Alle erteilten Baugenehmigungen, gegen die kein Widerspruch eingelegt wurde, haben Bestand."
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