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Kulturdenkmal Wartburg: Theater in der "Swing-Bar"

Konzertgebäude, Offiziersklub, Disko - die Wartburg in der Schwalbacher Straße blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Zur Zeit dient sie als Theaterbühne. Von Erika Noack

Die ursprünglich zweigeschossigen Häuser an der Schwalbacher Straße wurden ab Mitte des 18. Jahrhunderts meist aufgestockt und die Toreinfahrten überbaut. Die Alleestraße entwickelte sich immer mehr zu einer beliebten Geschäftsstraße.

Nach der Verrohrung des Faulbaches um 1900 konnte auf dem bis dahin von dem Bach durchzogenen Grundstück das Haus Schwalbacher Straße 35 gebaut werden. Nach der Verlegung des Faulbrunnens entstand 1860 an der Ecke zur Faulbrunnenstraße das Nachbargebäude, in dem August Engel ein Zigarrengeschäft eröffnete. Den "Zigarren-Engel" mit dem Slogan "Immer mit der Ruhe und einer guten Zigarre" gab es bis 1989 mit verschiedenen Geschäftsstellen.

In dem Haus Schwalbacher Straße 29 gab es um 1900 eine Molkerei und Milchtrinkhalle und in der Schwalbacher Straße 30 die amtliche Lebensmitteluntersuchungsanstalt sowie das Laboratorium von Hofrat Dr. Schmitt.

Am 9. Dezember 1906 feierte der Männergesangsverein die Einweihung in dem für ihn errichteten Konzertgebäude "Wartburg". Bis 1918 gab es in den Räumen Chorkonzerte, Bälle und große Gesellschaften. Danach begann eine wechselvolle Zeit. Das Haus wurde von den Franzosen, den Engländern und später als Volks- und Bildungsheim genutzt.

Erziehung zur Reinlichkeit

1945 eröffneten die Amerikaner einen Offiziersklub, danach war die Wartburg Nachtlokal, unten die "City-Bar" und oben die "Swing-Bar". 1972 eröffnete im 1. Stock die Diskothek "Candy" und im Erdgeschoss das "Hardrock-Café". 1979 war die Wartburg Music Hall und vier Jahre später eröffnete das "Café Plantage". 1994 kaufte die Stadt das Gebäude. Seit 2003 ist die Wartburg an das Hessische Staatstheater Wiesbaden vermietet. Im Sommer 2008 begannen die Sanierungsarbeiten an dem Kulturdenkmal.

1951 logierte die Firma Hepa-Kaffee, gegründet von Heinrich Pappert, in der Schwalbacher Straße 43. Seiner Frau Auguste verdanken wir heute noch die Besonderheit dieses Kaffees. Sie meinte, die Schlitzhäutchen schmeckten bitter und reizten den Magen. Also wurde eine Säuberungsmaschine entwickelt, um die Häutchen zu entfernen.

1835 gründeten die Vorstandsfrauen des "Jungfrauen- und Mädchenvereins" die Kleinkinder-Bewahranstalt für Kinder armer Eltern. Ziel der Anstalt war "die frühe Gewöhnung zur Tätigkeit, Ordnungsliebe, Reinlichkeit, Mäßigung, Wahrheitsliebe und zum Gehorsam". 1882 konnte mit Hilfe von Spenden der Neubau Schwalbacher Straße 81 errichtet werden.

In dem Dreieck Platter Straße, Kastellstraße und Schwalbacher Straße fanden Kranke ab 1879 in dem neuen städtischen Krankenhaus Hilfe. Nach 100 Jahren schlossen sich die Pforten wieder - die Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken waren fertiggestellt. Das ehemalige Eingangsgebäude an der Schwalbacher Straße ist heute ein Zentrum für Design- und Kommunikationsagenturen. Von den zahlreichen Einzelpavillons für die verschiedenen Fachabteilungen ist nichts mehr zu sehen.

Auf dem spitzwinkeligen Hanggrundstück zwischen Schwalbacher und Platter Straße steht die Altkatholische Friedenskirche. Nach einer Bauzeit von zwei Jahren wurde sie am 11. November 1900 durch Bischof Theodor Weber geweiht. 1829 wurde die Artilleriekaserne in dem Rechteck Luisenstraße, Kirchgasse, Rheinstraße und Schwalbacher Straße gebaut. Nach ihrem Abriss 1909 entstanden Wohn- und Geschäftshäuser. Der nächste Neubau kam in den 1970er Jahren: das Hertie-Gebäude.

Auf der Westseite zur Innenstadt hin gab es eine geschlossene Bebauung von der Rheinstraße bis zur Dotzheimer Straße. Neben dem "Filmpalast" hatte die Turnergesellschaft hier ihr Domizil. Die Schüler der Elly-Heuss-Schule nutzten einige Jahre die Halle für ihren Turnunterricht.

In den 1970er Jahren fiel diese Häuserzeile der Fahrbahnverbreiterung zum Opfer. Es entstand das Hertie-Technikhaus mit der Fußgängerbrücke zum Hertie-Kaufhaus. Auf das ehemalige Eckhaus zur Rheinstraße weist nur noch eine hohe Brandmauer hin. Vor zwei Jahren begann der Um- und Neubau des Hertie-Komplexes, am 2. September eröffnete das Einkaufszentrum Luisenforum.

Von 1976 bis 1978 bekam der Platz der deutschen Einheit ein neues Gesicht. Über den Platz verliefen 19 Buslinien mit insgesamt 1300 Busfahrten. Für die fünf Bussteige mit 15 000 Ein- und Aussteigern wurde als Überdachung ein Pylon mit Dachscheibe gebaut, der mit seiner Tragkonstruktion dem modernen Brückenbau nachempfunden war.

Die Neugestaltung der Schwalbacher Straße begann 2001 mit dem Abbruch der Hochbrücke. Der 1972 fertiggestellte "Michelsbogen" zwischen Coulinstraße und Schwalbacher Straße war eine Planung von Städtebauer und Architekt Professor Ernst May. Zu seiner Umgestaltung der Stadt gehörte auch die Verbreiterung der Schwalbacher Straße.

Die Entwicklung der Schwalbacher Straße geht weiter. Am Platz der Deutschen Einheit entsteht eine Sporthalle mit Räumlichkeiten zur Schwalbacher Straße. Sie soll als Sportstätte für die Elly-Heuss-Schule, aber auch als Austragungsort für die Volleyballspiele des VC Wiesbaden genutzt werden. Eine weitere große Veränderung der Straße betrifft die City-Passage. Hier wird nach dem neuen Bebauungsplan "Südlich der Mauritiusstraße" ein neues Zentrum mit 20.000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen.

Autor:  ERIKA NOACK
Datum:  13 | 3 | 2009
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