Mag sein, dass es das Glas Champagner war, das zu viel kostete, vielleicht waren es auch die Karten: Vor dem Open-Air-Gelände des Bowling Green am Kurhaus haben sich jedenfalls etwa 50 Zaungäste versammelt, um auf ihre Weise am Konzert von Sängerlegende Leonard Cohen teilzuhaben.
„Was da drinnen das Glas kostet, dafür haben wir hier draußen ein ganze Flasche“, meint einer von den ganz in Weiß gekleideten Zuhörern, die an der Wilhelmstraße unter Platanen an weiß gedeckten Tischen tafeln – französischer Schaumwein inklusive, Direktimport aus Wissembourg im Elsass.
Die Tafelfreunde prosten sich zu und legen die mitgebrachten Speisen auf. Unter den Tellern aus weißem Porzellan glänzen silberne Platten. In Warmhalteboxen Schlemmereien, der Schaumwein in feinen Gläsern. Plastik ist verpönt – bis auf die weißen Stühle. Die kleine Tischmusik liefert Weltstar Leonard Cohen live und kostenlos. Versteckt zwar hinter Planen an hohen Gittern – doch der Schall kennt keine Grenzen, pflanzt sich fort, ist selbst noch auf dem Marktplatz zu hören. Am besten jedoch an der Wilhelmstraße, unter den Theaterkolonnaden und zwischen Nassauer Hof und Vier Jahreszeiten. Da gibt es dann auch Tausende von Mithörern, die nicht alle ihr Dabeisein so zelebrieren wie die Teilnehmer des „Diner blanc“.
Mit der Gartenparty fing es an
Diese Idee entstand vor gut zwei Jahrzehnten in Paris. Mit einer aus den Fugen geratenen, festlichen Gartenparty in Weiß fing es dort 1988 an. Da die reichlich erschienenen Gäste nicht in den Garten passten, lagerte man damals kurzerhand das Fest in einen Park aus.
Und weil es so schön war, wollte man sich im nächsten Jahr wieder an einem öffentlichen Ort verabreden und ganz in Weiß speisen. Nach Wiesbaden schwappte das öffentliche Tafeln vor zwei Jahren über.
Die anderen Cohen-Fans, die weder Eintritt zahlen wollen (oder können) noch Stilbewusstsein in Weiß demonstrieren, sitzen auf Decken oder auf dem Asphalt, tanzen mit, summen mit oder lauschen versonnen den altbekannten Melodien. Oder tafeln schlicht: auf Picknickdecken ausgebreitet, auf Campingstühlen, mit dem Essen in Plastikdosen und Getränken in Plastikbechern. Die Polizei fährt mit einem Elektroroller lautlos zwischen Käse und Rotwein, zwischen Sushi und Champagner Streife und meldet „keine besonderen Vorkommnisse“.
Beim nächsten Open Air auf dem Bowling Green 2011 sind die Teilnehmer des Diner blanc wieder dabei. Allerdings rätseln sie noch, ob Peter Maffay genauso gut zu Kerzenschein und weißen Damastdecken passt wie Leonard Cohen.
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