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Magische Szenen

Das Velvets Theater spielt in der Revue „Grenzen-Los“ seine eigene Geschichte, die der Emigration

        

Velvets, das Theater, das über die Grenze ging.
Velvets, das Theater, das über die Grenze ging.
Foto: Rolf Oeser

Wenn das Licht an ist, dann ist die Show real; wenn das Licht aus ist, dann ist es Kunst, und wenn man Licht und Schwarz sieht, dann ist es Magie. So einfach klingt das Prinzip der Schauspieltechnik im Velvets Black & Light Theater. Doch die Zuschauer begeistert es damit völlig – wie bei der Premiere ihrer eigenen Geschichte. Unter dem Titel „Grenzen-Los“ wird diese derzeit im Velvets Theater gespielt.

Dass die Velvets eine Geschichte mit sich tragen, die neben grenzenloser Kunst auch von der Bedeutung realer Grenzen geprägt ist, war den Zuschauern spätestens klar, als sie am Einlass des Theaters standen. Zwei tschechoslowakische Grenzwachen kontrollierten dort scharf; nur bei gezückter Eintrittskarte öffneten sie den Schlagbaum. Denn die Geschichte der Velvets begann in Prag zur Zeit des Kalten Krieges. Dort gründeten 1967 Dana Bufková und Bedrich Hanys das Theater.

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Suche nach Freiheit

Wie viele andere Künstler waren auch sie mit der schlechten finanziellen Situation und der Unfreiheit ihrer Berufsgruppe nicht einverstanden. 1968 nach dem brutalen Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes fürchteten sie wegen ihres politischen Engagements aber um ihre künstlerische Freiheit. Daher beschlossen sie, in den Westen zu gehen. Die Grenzen waren allerdings dicht. Nur mit viel Bemühungen und noch mehr Schmiergeld erhielt die siebenköpfige Truppe eine Ausreisegenehmigung.

Doch das Glück lag für die Velvets im Westen nicht auf der Straße: In Italien blieben Publikum und Bezahlung aus. In Paris war es nicht besser. Die Situation ging allen derart an die Substanz, dass die Gruppe auseinanderzubrechen drohte. In letzter Minute kam ein vielversprechender Vertrag. Über alle Ländergrenzen hinweg begeisterten die Akteure das Publikum: auf den Bahamas, in London oder Wiesbaden. Dorthin kamen sie 1970 und fanden ein neues Zuhause.

Die gesamte Geschichte wird in lichten und schwarzen Szenen gezeigt, historische Filmsequenzen und Fotos werden eingeflochten. Und eins fehlt natürlich nicht: Höhepunkte aus dem Velvets-Repertoire, in denen sie das Magische des schwarzen Theaters hervorheben. Keinen Atem hörte man mehr, als sie angelehnt an der Kunst von Miró Figuren aus geometrischen Körpern kreierten. Entzückte „Oh wie schön“-Rufe und tobender Beifall kam aus allen Reihen, als auf der komplett schwarzen Bühne drei Kissenteddybären auf einem Zaun tanzten.

Die Revue Grenzen-Los zieht einen wegen der Thematik und vor allem wegen der magischen Szenen in den Bann.

Zauberhafte Kreationen

Staunend sitzt man da und wundert sich, wie die zauberhaften Kreationen auf der Bühne entstehen können. Und weil die Leistung aller Darsteller bis ins letzte Detail überzeugt, sie allesamt mit einer ansteckenden Begeisterung und Freude dabei sind, mit einer Perfektion spielen, singen und tanzen, ist es wirklich ein rundum mitnehmendes, erstklassiges Velvets-Stück, das die Bedeutung von Grenzen und deren Überwindung zum Thema macht, sie in der schwarzen Kunst zeigt.

Autor:  Elisabeth Böker
Datum:  31 | 10 | 2011
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