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Mainzer Straße: Vom Feldweg zur Ausfallstraße

Eine illegale Schnapsbrennerei, ein Armenhaus und eine chirurgisch-orthopädische Privatklinik - das alles gab es früher in der Mainzer Straße. Von Dimitri Taube

Eine illegale Schnapsbrennerei, ein Armenhaus und eine chirurgisch-orthopädische Privatklinik - das alles gab es früher in der Mainzer Straße. Erika Noack hat es herausgefunden und dokumentiert, wie sich die Mainzer Straße gewandelt hat. Von den Mühlen zu den ersten Villen. Vom Feldweg zur vierspurigen Ausfallstraße. Und zuletzt: Von der Gartenbauzentrale zum Justiz- und Verwaltungszentrum.

Noack ist Mitglied im Kur- und Verkehrsverein. Ihr Beruf: Immobilienmaklerin. Ihr Hobby: die Fotografie. Die Mainzer Straße findet sie "spannend, weil sie sich verändert". Seit rund drei Jahren beschäftigt sie sich mit der Straße. Sie recherchierte unter anderem im Stadtarchiv, sammelte Fakten und Fotos, fand viel Kurioses und viele spannenden historischen Details. Die Bilder - zum Teil mehr als 100 Jahre alt - präsentiert sie jetzt auf ihrer Internetseite unter www.wiesbaden-fotos.de.

Am Donnerstagabend stellte sie ihr Material im Rathaus vor. Und zwar anlässlich des Bezugs des Justiz- und Verwaltungszentrums in der Mainzer Straße im November. In ihrem Vortrag zeichnete Noack die Geschichte und Entwicklung der Straße nach. Mit einem Rückblick bis ins 16. Jahrhundert und einem Ausblick in die Zukunft. Der Kur- und Verkehrsverein organisierte den Vortrag. Eine von Noacks Lieblingsaufnahmen stammt von 1966. Das Bild zeigt das Uitting-Gelände mit Tankstelle. Auf dem Bild sind vor allem Passanten zu sehen, kaum Autos. "Heute fast unvorstellbar", sagt Noack. Unvorstellbar - das gilt auch für die Spritpreise: Super 55 Pfennig, Benzin 51 Pfennig; zu sehen auf einem Foto von 1968.

Die Mainzer Straße hieß bis zirka 1850 Mühlweg, benannt nach den Mühlen im Salzbachtal. Dieser Weg, sagt Erika Noack, sei schon im Mittelalter eine Fernverbindung nach Mainz gewesen. "Heute ist die Mainzer Straße eine der wichtigsten und am besten ausgebauten Einfallstraßen unserer Stadt." Doch sie habe zwei Gesichter. Zwischen der Frankfurter Straße und dem Gustav-Stresemann-Ring stünden auch heute noch Häuser aus dem 19. Jahrhundert und spiegelten den Geist der damaligen Epoche wieder. Jenseits des Ringes sei es mit der Beschaulichkeit vorbei. Nach den Mühlen siedelten sich hier Gewerbe- und Industriebetriebe an. Auch jetzt sei die Straße wieder dabei, sich zu verändern. Noack sagt das mit Blick auf das neue Justiz- und Verwaltungszentrum.

In der Umgebung des Neubaus sollen weitere Bürogebäude entstehen. Auch im Bereich zwischen Welfenstraße und Hohenstaufenstraße soll sich alles ändern. Geplant sind: Geschäfte, Grünflächen, Parkplätze. Darüber hinaus werde, so Noack, für die Sanierung des Wasserturms ein Investor gesucht. In Planung sei zudem die Erweiterung des Freizeit- und Kulturparks. Und geht es nach Erika Noack, müsste auch der südliche Abschnitt der Mainzer Straße ein neues Gesicht bekommen. "Vom Stil her" finde sie den neuen Bau gut, sagt Noack über das Justiz- und Verwaltungszentrum. Die ehemalige Gartenbauzentrale gehört für sie dagegen zu den großen "Bausünden" in der Geschichte der Straße. Genauso wie das Parkhaus der Rhein-Main-Hallen. "Was soll man machen", sagt sie, "früher hat man eben so gebaut."

Autor:  Dimitri Taube
Datum:  5 | 10 | 2009
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