Vor zwei Jahren sorgte Geschäftsführer Holger Strehlau für Furore. Seine Idee: Er wollte Patienten der Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) eine Art Gesundheits-Carepaket verkaufen, das unter anderem eine Komfortbehandlung im städtischen Krankenhaus umfasst. Der Name des Produkts: Managed Care Plus, kurz: Mcplus.
Mittlerweile ist Mcplus auf dem Markt. Ein HSK-Team kümmere sich seit vier Monaten „professionell“ um das Start up, sagt Strehlau. Auf Werbung werde verzichtet. Denn McPlus sei keine Versicherung, die sich HSK-Patienten einfach so dazukaufen könnten. Vielmehr sei es ein bundesweit einmaliges „Dienstleistungspaket der Gesundheit für Arbeitnehmer“. Und kaufen sollen es vor allem Arbeitgeber, „um Anreize für Arbeitnehmer zu schaffen“.
Das Managed Care Plus Paket Classic zielt auf Arbeitnehmer im Alter von 16 bis 64 Jahren. Bestenfalls übernimmt der Arbeitgeber die vollen Kosten für das Gesundheits-Dienstleistungspaket, die etwa 30 Euro monatlich betragen.
Ein Gesundheitscheck pro Jahr bei einer Partnerklinik (freiwillig) und die Anlage einer elektronischen Gesundheitsakte (freiwillig) mit Daten wie Röntgenaufnahmen, Medikamenten oder Erinnerung an Vorsorgeuntersuchungen ist Teil des Angebots. Hinzu kommt Chefarztbehandlung und Zwei-Bett-Zimmer bei stationärem Aufenthalt in McPlus-Kliniken.
Zukaufbar sind Dienstleistungen wie etwa die Terminvereinbarung bei Fachärzten. sab
Jährlicher Gesundheitscheck, Online-Gesundheitsakte, schnellere Termine bei Fachärzten und Chefarztbehandlung im Zwei-Bett-Zimmer – das alles biete laut Strehlau die Mcplus-Karte. Partnerkrankenhäuser sollen dem Angebot bundesweite Vermarktungschancen eröffnen. Sieben Kliniken habe man bereits mit ins Boot geholt, sagt Strehlau. Ende 2011 sollen es 35 sein und irgendwann einmal 80. Für die bundesweite Umsetzung sei die private Gesellschaft GIMM in Berlin zuständig. Die HSK beschränkten sich auf die Akquise in Wiesbaden.
Welche der hier ansässigen Firmen bereits Verträge abgeschlossen haben, mag Strehlau nicht sagen. Genauso wenig will er über die schon gewonnenen Partnerkliniken reden. Das Produkt sei jung, die Konkurrenz schlafe nicht, begründet er seine Zurückhaltung. Zugleich versichert er: „Wir haben Kunden, und die sind sehr unterschiedlich.“
So übernehme etwa der eine Arbeitgeber die vollen Kosten in Höhe von rund 30 Euro im Monat je Mitarbeiter. Ein anderer zahle nur einen Teil, den Rest müsse der Arbeitnehmer drauflegen. Mcplus sei ein Arbeitnehmerbindungsprogramm mit wachsender Bedeutung, glaubt Strehlau. Wegen der demografischen Entwicklung sei es absehbar, dass Firmen immer stärker auf ältere Mitarbeiter setzen müssten.
Kein Kostendeckel
Es gelte, sie durch „einen Mehrwert“ ans Unternehmen zu binden. Außerdem müssten Fehltage minimiert werden. Für die hoch defizitären HSK lohnt sich die Sache natürlich auch. Denn ein Modul von Mcplus ist eine private Zusatzversicherung fürs Krankenhaus – genauer gesagt, exklusiv für die Horst-Schmidt-Kliniken: „Wir können Chefarztbehandlung und Zweibettzimmer abrechnen“, sagt Strehlau. Das lohne sich, da Zusatzleistungen durch kein Budget gedeckelt seien.
Die SPD im Rathaus und die Bürgerliste Wiesbaden (BLW) hatten Mcplus anfangs als „Einführung der Drei-Klassen-Medizin“ kritisiert. Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt. Denn längst ist klar: Wer mit Mcplus in die Klinik kommt, bekommt zwar ein bisschen mehr als ein Kassenpatient – aber nicht mehr als andere Zusatzversicherte. „Wir machen da keine Unterschiede.“
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