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Mehr Männer in Kitas: Auf der Suche nach tatkräftigen Erziehern

Seit einem Jahr gibt es das Projekt „Mehr Männer in Kitas“. Nicht nur sollen mehr Männer für den Beruf des Erziehers gewonnen, auch Väter sollen in die Arbeit eingebunden werden.

        

Alles wird bunt: Daniel Bauer von der Elterninitiative Schmiere-Schmatze versucht, die Kids zu bändigen.
Alles wird bunt: Daniel Bauer von der Elterninitiative Schmiere-Schmatze versucht, die Kids zu bändigen.
Foto: digitamilk

Der Leiter der Abteilung Kindertagesstätten im Amt für Soziale Arbeit, Harald Engelhard, bringt es auf den Punkt: „Das klassische Familienbild existiert nicht mehr, aber die Frauen übernehmen trotzdem die meisten Erziehungsaufgaben.“ Genau hier setzt ein Projekt an, das sich mehr Ziele gesteckt hat, als der Name vermuten lässt: „Mehr Männer in Kitas“ möchte nicht nur bei Männern das Interesse am Beruf des Erziehers wecken, sondern auch mehr Väter in die Arbeit der Kindertagesstätten (Kitas) einbinden.

Erreichen möchte dies das seit einem Jahr laufende Projekt durch einen regelmäßigen Vätersamstag mit Papas und Kindern auf dem Schloss Freudenberg sowie mit den Väter-Kind-Wochenendenden „Wilde Kerlinnen und Kerle“ im Naturerlebnisgarten Heupferd e.V. – teilnehmen dürfen daran neben den Kindern ausschließlich Väter und Erzieher aus den in Wiesbaden am Projekt beteiligten Kitas, etwa der Kita der AWO (Arbeiterwohlfahrt) in der Gabelsbergerstraße.

Interesse wecken

Das Projekt wird vom Bundesfamilienministerium und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds finanziert, Träger sind der Verein der kleinen und freien Träger (MitInitiative e.V.) und das Amt für Soziales (Abteilung Kindertagesstätten).
Bis Ende 2013 bekommt die Koordinierungsstelle in Wiesbaden 410000 Euro. Die Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre.
Das Ziel ist, bei jungen Männern und Berufsumsteigern das Interesse am Beruf des Erziehers zu wecken, die Perspektiven für Frauen und Männer in Kitas zu verbessern sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Kitas zu helfen, sich mehr mit geschlechtsbezogenen Themen auseinanderzusetzen.
In sieben Kitas in Wiesbaden werden einzelne Aktionen von „Mehr Männer in Kitas“ erprobt. Dazu gehört etwa der Gender-Koffer mit Spielzeug für Jungs und Mädchen, Bilderbücher zum Thema Rollenbilder und Material für Erzieher.
Jeden Montag zwischen 10 und 13 Uhr können sich Jugendliche und andere am Erzieherberuf Interessierte beraten lassen unter Telefon 0611/4450160.

www.maenkit.wiesbaden.de

An den Wochenenden gehe es allerdings nicht nur darum, dass die Väter gemeinsam mit ihren Kindern ein Insektenhotel bauten, Holz für ein Lagefeuer hackten und Stockbrot backten, sondern auch untereinander ins Gespräch kämen, so Engelhard. „Die Kinder werden ihre Väter hier anders erleben“, sagt Dagmar Hansen vom Verein MitInitiative, der zusammen mit dem Amt für Soziales die Trägerschaft für das EU-finanzierte Projekt übernommen hat.

Damit nach dem Wochenende nicht zur Tagesordnung übergegangen werde, sollten die teilnehmenden Väter und Kinder überlegen, welchen Platz das Insektenhotel in der Kita bekomme und wie es gepflegt werden könne. „Wir machen diese Aktionen nicht, um aus den Männern bessere Väter zu machen“, sagt Hansen, „sondern um Anknüpfungspunkte zu haben, damit sie in der Kita Fuß fassen.“ Noch immer seien sie zu wenig in den Einrichtungen vertreten.

Ein weiterer Schwerpunkt des Projekts ist es, mehr junge Männer für den Beruf des Erziehers zu gewinnen. „Wir können nicht die Männer einsammeln und in die Kitas schleppen“, sagt Sozialdezernent Axel Imholz (SPD). Er sehe auch keine Möglichkeiten, an der Bezahlung für die Erzieherinnen und Erzieher zu drehen, da es sonst zu einem „Verdrängungswettbewerb“ im Rhein-Main-Gebiet käme. Da seien sich die Kommunen untereinander einig.

„Erzieher ist ein Beruf mit Perspektiven und genauso gut bezahlt wie ein Auto-Mechatroniker“, sagt Marie Becker vom Projekt „Mehr Männer in Kitas.“ Doch würden die vielen Teilzeitjobs und das geringe Netto-Einkommen bei verheirateten Erzieherinnen den Eindruck vermitteln, man könne nichts verdienen. Zwischen 2200 und 3300 Euro brutto verdient ein Erzieher im öffentlichen Dienst.

Eine Plakataktion und Flyer, ein Beratungstelefon sowie Infotage an Schulen sollen helfen, jungen Männern den Beruf schmackhaft zu machen. „Wir müssen nicht nur für den Beruf werben, sondern auch die Arbeitsbedingungen verbessern“, sagt Imholz. Gemeint sei damit vor allem die Lautstärke in den Kitas.

Insgesamt 330 freie Stellen für Erzieherinnen und Erzieher werde es bis 2013 gebe, zitiert Hansen eine aktuelle Studie, die auch die Situation in Wiesbaden untersucht hat. Diese Zahl solle nicht nur durch eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher, sondern auch durch Qualifizierungsmaßnahmen für ALG-II-Bezieher schrumpfen.

Positiv bewertet Dezernent Imholz daher die aktuelle Entwicklung: 2011 habe der Anteil männlicher Erzieher in Wiesbaden von 5,6 auf 5,9 Prozent zugenommen. „Doch werden wir erst in fünf Jahren sehen können, welchen Erfolg das Projekt ,Mehr Männer in Kitas‘ tatsächlich hatte.“

Autor:  Franziska Richter
Datum:  24 | 1 | 2012
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