Jeder fünfte Bürger in Rheinland-Pfalz hat ausländische Wurzeln, in Mainz trifft das auf jedes zweite Kind unter 18 Jahren zu. Eine Bevölkerungsstruktur, die sich im öffentlichen Dienst nicht widerspiegelt. Das wollen das rheinland-pfälzische Integrationsministerium, das Polizeipräsidium Mainz und Inbi, Institut zur Förderung von Bildung und Integration, ändern. Mit dem Pilotprojekt „Vielfalt in der Polizei“ sollen junge Menschen ausländischer Herkunft für den Polizeidienst gewonnen werden. Den Kooperationsvertrag unterzeichneten die Partner gestern in Mainz.
Zielgruppe sind Schulabgänger, die Realschulabschluss und einen Notendurchschnitt von mindestens 3,0 haben. Um diese anzuwerben, hat Inbi eine Reihe von Angeboten aufgelegt. Dazu gehören laut Institutsleiterin Peinmaneh Nemazi-Lofink Infoveranstaltungen an Schulen und bei Migrantenselbstorganisationen, Begleitung der Bewerber in Form von Einzelberatung und Bewerbungstraining sowie Förderunterricht für Schüler der Höheren Berufsfachschule Polizeidienst und Verwaltung in Bad Kreuznach. Hinzu kommen Einzelberatungen, Vorbereitung auf Prüfungen und interkulturelle Kompetenztrainings. Auch Einstellungsberater und Prüfer im Auswahlverfahren werden in Seminaren geschult.
2010 waren auf Bundesebene zehn Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst“, wartete Integrationsministerin Irene Alt mit Zahlen auf. Diesen Anteil gelte es auszubauen. Das Ministerium fördere das bis Ende 2014 laufende Projekt mit 10000 Euro jährlich. Der Landesintegrationsbeauftragte Miguel Vicente ergänzte, dass das Thema „Interkulturelle Kompetenz“ in Rheinland-Pfalz bereits verpflichtend auf dem Lehrplan der Polizeiausbildung steht. „Besonders für Menschen türkischer und arabischer Abstammung gibt es immer noch Barrieren“, sagte er.
Polizeipräsident Karl-Heinz Weber versteht es als oberste Pflicht, den Begriff „Bürgerpolizei“ mit Leben zu füllen. Bereits 2008 wurde das Mainzer Polizeipräsidium, in dessen Dienstbezirk 800000 Menschen leben, für vorbildliches interkulturelles Miteinander ausgezeichnet. „Es gibt inzwischen in fast allen Dienststellen Kooperationsvereinbarungen mit den Beiräten für Migration und Integration, viele Einzelprojekte wurden gestemmt“, hob Weber hervor. In der Stadt Mainz werde ein entsprechendes Papier im Laufe dieses Jahres unterzeichnet.
Einfacher Kontakt herzustellen
Derzeit sind über mehr als 20 Polizisten mit Migrationshintergrund in der Landeshauptstadt im Einsatz. Einer davon ist Josip Saric, der sich als „Meenzer Bub mit kroatischen Wurzeln“ vorstellt. Seit sechs Jahren schiebt er Dienst „nah am Menschen“, davon die letzten beiden in der Polizeiinspektion 2. „Ich finde es wichtig, Migranten für den Polizeidienst zu werben, denn ihr Bevölkerungsanteil wächst“, begrüßt er die Initiative. Saric selber ist nicht so stark gefordert, weil relativ wenige Kroaten in der Domstadt leben. Aber für türkische Kollegen sei es einfacher, einen Kontakt zu Türken herzustellen, unter Landsleuten gebe es eine größere Vertrauensbasis. „Sie fühlen sich mehr respektiert, wenn nicht der deutsche Beamte mit erhobenem Zeigefinger daher kommt.“
Und wie reagieren deutsche Bürger auf den Polizisten mit kroatischer Herkunft? „Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht“, versichert der Beamte, der nach dem Abitur den Berufsweg wählte, den auch Freunde von ihm eingeschlagen haben.
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