kalaydo.de Anzeigen

Pilotprojekt: Mehr Migranten für die Polizei

Die Polizei will mit dem Pilotprojekt "Vielfalt in der Polizei" junge Menschen mit ausländischen Wurzeln gezielt anwerben und unterstützen.

        

Nihat Demir verbessert die interkulturelle Kompetenz der Polizei.
Nihat Demir verbessert die interkulturelle Kompetenz der Polizei.
Foto: Schuermann/ddp

Jeder fünfte Bürger in Rheinland-Pfalz hat ausländische Wurzeln, in Mainz trifft das auf jedes zweite Kind unter 18 Jahren zu. Eine Bevölkerungsstruktur, die sich im öffentlichen Dienst nicht widerspiegelt. Das wollen das rheinland-pfälzische Integrationsministerium, das Polizeipräsidium Mainz und Inbi, Institut zur Förderung von Bildung und Integration, ändern. Mit dem Pilotprojekt „Vielfalt in der Polizei“ sollen junge Menschen ausländischer Herkunft für den Polizeidienst gewonnen werden. Den Kooperationsvertrag unterzeichneten die Partner gestern in Mainz.

Zielgruppe sind Schulabgänger, die Realschulabschluss und einen Notendurchschnitt von mindestens 3,0 haben. Um diese anzuwerben, hat Inbi eine Reihe von Angeboten aufgelegt. Dazu gehören laut Institutsleiterin Peinmaneh Nemazi-Lofink Infoveranstaltungen an Schulen und bei Migrantenselbstorganisationen, Begleitung der Bewerber in Form von Einzelberatung und Bewerbungstraining sowie Förderunterricht für Schüler der Höheren Berufsfachschule Polizeidienst und Verwaltung in Bad Kreuznach. Hinzu kommen Einzelberatungen, Vorbereitung auf Prüfungen und interkulturelle Kompetenztrainings. Auch Einstellungsberater und Prüfer im Auswahlverfahren werden in Seminaren geschult.

2010 waren auf Bundesebene zehn Prozent aller Menschen mit Migrationshintergrund im öffentlichen Dienst“, wartete Integrationsministerin Irene Alt mit Zahlen auf. Diesen Anteil gelte es auszubauen. Das Ministerium fördere das bis Ende 2014 laufende Projekt mit 10000 Euro jährlich. Der Landesintegrationsbeauftragte Miguel Vicente ergänzte, dass das Thema „Interkulturelle Kompetenz“ in Rheinland-Pfalz bereits verpflichtend auf dem Lehrplan der Polizeiausbildung steht. „Besonders für Menschen türkischer und arabischer Abstammung gibt es immer noch Barrieren“, sagte er.

Polizeipräsident Karl-Heinz Weber versteht es als oberste Pflicht, den Begriff „Bürgerpolizei“ mit Leben zu füllen. Bereits 2008 wurde das Mainzer Polizeipräsidium, in dessen Dienstbezirk 800000 Menschen leben, für vorbildliches interkulturelles Miteinander ausgezeichnet. „Es gibt inzwischen in fast allen Dienststellen Kooperationsvereinbarungen mit den Beiräten für Migration und Integration, viele Einzelprojekte wurden gestemmt“, hob Weber hervor. In der Stadt Mainz werde ein entsprechendes Papier im Laufe dieses Jahres unterzeichnet.

Einfacher Kontakt herzustellen

Derzeit sind über mehr als 20 Polizisten mit Migrationshintergrund in der Landeshauptstadt im Einsatz. Einer davon ist Josip Saric, der sich als „Meenzer Bub mit kroatischen Wurzeln“ vorstellt. Seit sechs Jahren schiebt er Dienst „nah am Menschen“, davon die letzten beiden in der Polizeiinspektion 2. „Ich finde es wichtig, Migranten für den Polizeidienst zu werben, denn ihr Bevölkerungsanteil wächst“, begrüßt er die Initiative. Saric selber ist nicht so stark gefordert, weil relativ wenige Kroaten in der Domstadt leben. Aber für türkische Kollegen sei es einfacher, einen Kontakt zu Türken herzustellen, unter Landsleuten gebe es eine größere Vertrauensbasis. „Sie fühlen sich mehr respektiert, wenn nicht der deutsche Beamte mit erhobenem Zeigefinger daher kommt.“

Und wie reagieren deutsche Bürger auf den Polizisten mit kroatischer Herkunft? „Ich habe noch nie schlechte Erfahrungen gemacht“, versichert der Beamte, der nach dem Abitur den Berufsweg wählte, den auch Freunde von ihm eingeschlagen haben.

Autor:  Sabine Jakob
Datum:  31 | 1 | 2012
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Regionale Startseite

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial

Die heiße Phase: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 
Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

 

 

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande