In etwa fünf Jahren wird die Mülldeponie im ehemaligen Dyckerhoffsteinbruch voll sein. Um die Hausabfälle auch weiterhin vor Ort entsorgen zu können, will die Stadt die Deponie nach Norden zur A66 ausweiten. Das schaffe mindestens für weitere 30 Jahre „Entsorgungssicherheit“, also bis etwa 2050, sagt die für die Müllentsorgung zuständige Dezernentin Birgit Zeimetz (CDU).
Die Investitionskosten bezifferte Zeimetz in einer Magistratsvorlage auf 21 bis 23,5 Millionen Euro. An Planungskosten würden in den kommenden drei Jahren rund 900.000 Euro fällig. Das Stadtparlament muss die Erweiterung noch absegnen, eine Zustimmung gilt angesichts der Mehrheit der großen Koalition als sicher.
Die Mülldeponie zwischen Biebrich und Amöneburg, die von der A66 im Norden und der A671 wegen deren Krümmung im Westen und Süden eingegrenzt wird, ist seit 1955 in Betrieb. Zwei Abschnitte sind bereits voll, der ältere ist inzwischen rekultiviert, hier weiden im Sommer Schafe. Der zweite Abschnitt soll in diesem Jahr mit einem Deckel versiegelt und ebenfalls begrünt werden.
Der dritte Abschnitt wird seit 1992 mit Müll befüllt und hat den Prognosen zufolge eine „Restlaufzeit“ bis etwa zum Jahr 2018, wie Zeimetz berichtet. Platz für weitere zwei Millionen Kubikmeter Müll wäre aber direkt nebenan. Das Gelände sei bereits im Regionalplan Südhessen sowie im Flächennutzungsplan der Stadt für die Abfallentsorgung ausgewiesen, was langwierige Planungen erspare und zudem das Genehmigungsverfahren erleichtere.
Die von den Entsorgungsbetrieben der Stadt Wiesbaden (ELW) erst vor fünf Jahren für gut fünf Millionen Euro am Nordhang des Deponiegeländes gebaute Photovoltaik-Anlage steht der Erweiterung nicht im Wege. „Voraussichtlich wird erst ab 2038 an dieser Stelle Müll verfüllt, bis dahin ist die Solaranlage längst abgeschrieben und muss ohnehin technisch überholt werden“, sagt Zeimetz.
Mangels Mülldeponien in der Umgebung ist die Stadt zur Erweiterung der eigenen gezwungen. „In der Region gibt es nur noch eine Deponie in Büttelborn“, sagt Zeimetz. Allerdings sei auch diese spätestens in fünf Jahren voll. Die Deponie in Wicker wiederum werde derzeit stillgelegt. Weil seit 2005 nur noch Abfälle, die weitgehend biologisch inaktiv sind, abgelagert werden dürfen, haben laut Zeimetz zahlreiche Hausmülldeponien geschlossen. Sonderabfälle dürfen auch im Dyckerhoffsteinbruch seitdem nicht mehr gesammelt werden, sondern überwiegend Bauschutt, Erdaushub, Schlacken und Asbest. Nur 28 Prozent der auf der Dyckerhoff-Deponie entsorgten Abfälle kommen aus Wiesbaden. 59 Prozent werden aus der Region herangekarrt, 13 Prozent stammen sogar aus Italien. Doch in absehbarer Zeit entsorge Italien seinen Müll auf eigenen Müllkippen.
Geregelt ist die Müllanlieferung aus der Region in einem Kooperationsvertrag mit der Rhein-Main-Abfall GmbH, der Ende 2018 ausläuft, aber laut Zeimetz bis 2023 verlängert werden soll. Demnach stellen sich die Müllverbrennungsanlagen in Frankfurt und Offenbach sowie die Dyckerhoff-Deponie gegenseitig Entsorgungskontingente zur Verfügung. So soll Mülltourismus vermieden und die Umwelt geschont werden.
Eine Kooperation mit Dritten lehnt Zeimetz ab. „Wir wollen uns nicht abhängig machen und Einfluss auf die Gebührengestaltung behalten.“ Wegen der Millionen-Investition müssten die Wiesbadener nicht mit Gebührenerhöhungen rechnen, und die Stadt sichere 80 Arbeitsplätze.
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