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Nach Bohrunfall: Wiesbaden unter Wasser

Das Wasser in Wiesbaden sprudelt weiter: Nachdem Arbeiter bei Probebohrungen versehentlich eine Blase anstachen, sucht sich das Wasser seinen Weg jetzt auch aus anderen Löchern. Von Mario Thurnes

Bauarbeiter haben bei einer Bohrung nach Erdwärme am 05.11.2009 in der Wiesbadener Innenstadt versehentlich eine Wasserfontäne ausgelöst.
Bauarbeiter haben bei einer Bohrung nach Erdwärme am 05.11.2009 in der Wiesbadener Innenstadt versehentlich eine Wasserfontäne ausgelöst.
Foto: dpa

Weste, schwarze Anzughose in gelben Gummistiefeln - so gekleidet sah sich Finanzminister Karlheinz Weimar (CDU) gestern den Schaden vor seinem Ministerium an. In der Nacht war es hei Probebohrungen nach Erdwärme zu einem Unfall in der Friedrich-Ebert-Allee gekommen: Arbeiter stachen versehentlich in 130 Meter Tiefe eine Blase auf, kaltes Wasser schoss aus dem Boden - bis zu sieben Meter hoch, 6000 Liter in der Minute.

Noch nachmittags sprudelten 40 Liter die Minute aus dem Boden. In der Nacht hatten rund 60 Feuerwehrleute das Loch mit Beton gefüllt, um es zu versiegeln. Tagsüber ließ das Ministerium schwere Gerätschaft auffahren, wie Sprecher Michael Scherer schilderte. Ein Spezialbohrer grub sich etwa 150 Meter in die Erde, um das Loch von unten mit Beton zu verschließen. Die Arbeiten dauerten bis zum späten Freitagabend noch an. Zeitweilig kam das Wasser auch aus anderen Löchern auf das Gelände, das völlig verschlammt war. Einmal freigesetzt, suchte das Wasser den Weg nach oben, wie Weimar erklärte.

Bei Erdwärme-Bohrungen neben dem hessischen Finanzministerium in Wiesbaden ist ein riesiger Wasserschaden entstanden.
Bei Erdwärme-Bohrungen neben dem hessischen Finanzministerium in Wiesbaden ist ein riesiger Wasserschaden entstanden.
Foto: Foto: dpa

Durch das Schließen war ein neues Problem entstanden: Der Beton floss zusammen mit dem Wasser in die Kanalisation. Die festen Stücke drohten Schaden an den Kläranlagen anzurichten. Das hätten die Arbeiter mit einer "Wasser-Kaskade" in den Griff bekommen, berichtete Michael Scherer. Sie verhinderte, dass die schweren Betonstücke in den Boden sickern.

Den Schaden könne derzeit niemand einschätzen, erklärte Scherer. Weimar betonte aber: Die Kostenfrage spiele keine Rolle. "Die Ingenieure sagen, was getan werden muss, das wird dann auch getan." Die beteiligten Kräfte arbeiteten gut zusammen. Trotz der gewaltigen Wassermassen seien weder im Ministerium noch in einem benachbarten Hotel Schäden bekannt; auch verletzt wurde niemand.

Schlammflut in Wiesbaden

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Anlass für die Probebohrungen, die zum Unfall führten, war die Erweiterung des Finanzministeriums. Der Neubau soll ein "Passivhaus" werden, eines, das mindestens so viel Energie erzeugt, wie es verbraucht. Zum Heizen war Erdwärme, die so genannte Geothermie vorgesehen. "Es handelte sich um einen Response-Test, bei dem Bodenbeschaffenheit und Wärmeleitfähgkeit überprüft werden sollten", sagte der Geschäftsführer der Terrra Therm Erdwärme, Jürgen Winter. Sie hatte die Probebohrungen durchgeführt - dies deshalb, weil laut Winter die Geologie und die Hydrologie vor Ort unbekannt waren. Mit dem Grundwasser in 130 Meter Tiefe habe das Team nicht gerechnet.

Ob Geothermie in Wiesbaden nun weiter in Frage kommt, müsse noch in Ruhe geklärt werden, meinte Scherer; das sei derzeit nicht absehbar.

Datum:  6 | 11 | 2009
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