Die Spannungen zwischen Stadt und Fachhochschule spitzen sich immer mehr zu: Erst schmeißt die Fachhochschule Wiesbaden den Namen Wiesbaden aus ihrem Namen und nennt sich ab September Fachhochschule Rhein-Main. Danach muss der FH-Präsident erfahren, dass die Stadt der privaten Hochschule EBS ohne mit der Wimper zu zucken 25 Millionen Euro zuschießen will, um sie in die Stadt zu locken. Die Landeshauptstadt könnte sich dann mit dem Titel "Universitätsstadt" schmücken und hätte obendrein die bald leerstehenden Gerichtsgebäude in der Moritzstraße wieder gefüllt.
Und jetzt vertieft der Magistrat die Gräben nochmals: Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) wirft Professor Rüdiger Pichler "Unzuverlässigkeit" vor.
Hintergrund dieser Schelte ist eine vom Magistrat bei dem Wissenschaftler in Auftrag gegebene Analyse des Stadtleitsystems. Nach zwei Jahren stellten Pichlers Studenten der Stadt in punkto Ausschilderung ein hundsmiserables Zeugnis aus: "Egal, ob man als Autofahrer, Nahverkehrsnutzer, Radfahrer oder Fußgänger in Wiesbaden unterwegs ist - die Orientierung ist für den Ortsfremden eine einzige Katastrophe", fasste Pichler die Bilanz zusammen. Oft begrüße ein Chaos aus Werbeschildern Autofahrer; Wegweiser fehlen derweil. Aus rechtlichen Bedenken aber lehnte es die FH nach dieser Bestandsaufnahme ab, auch ein Konzept für ein durchgängiges Stadtleitsystem zu entwickeln. Die Stadt wollte 60 000 Euro dafür zur Verfügung stellen.
Der Überbringer schlechter Nachrichten wird nun geköpft. Stadtrat Pös bezichtigt Pichler der Tatenlosigkeit und will "in Zukunft auf Projekte mit Herrn Pichler verzichten". Dass das Projekt Stadtleitsystem gescheitert sei, "ist eindeutig auf die Unzuverlässigkeit Herrn Pichlers zurückzuführen", schimpft Pös und ärgert sich, ein Jahr "wertvolle Bearbeitungszeit verloren" zu haben. Wann und von wem das Stadtleitsystem nun verbessert werde, wusste Pös noch nicht.
Um die Atmosphäre nicht vollends zu vergiften, begrenzt Pös seine Kritik auf die Person Pichlers. Auf Kooperationen mit anderen Professoren "freut" sich der Stadtrat, wie er ausdrücklich betont. (byb)
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