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Medizin: Neuntausend Babys

Das Kinderwunschzentrum Wiesbaden sorgt seit 15 Jahren für Nachwuchs: Rund 9000 Babys sind seit der Gründung des Zentrums nach einer Kinderwunschbehandlung zur Welt gekommen.

Kinderwunschbehandlung.
Kinderwunschbehandlung.
Foto: dpa

Den Ort, an dem mit Absicht neues Leben gezeugt wird, stellt man sich gemeinhin anders vor – romantischer vielleicht, bestimmt intimer. Im Kinderwunschzentrum Wiesbaden aber ist es hell und modern: Dunkles Holz, weiße Orchideen, rote Wände. Eine Arztpraxis eben, und doch der Ort, in den seit Jahren viele Paare ihre letzte Hoffnung auf ein eigenes Kind legen: Rund 9000 Babys sind seit der Gründung des Zentrums nach einer Kinderwunschbehandlung zur Welt gekommen.

Auf der Homepage der Schwerpunktpraxis berichten Patienten über ihre Hoffnungen und über ihr Glück, doch noch ein Kind zu bekommen, aber auch über die seelischen Belastungen vor und während der Behandlung: „Es ist eine schwere Zeit, die man als Paar durchstehen muss“, schreibt eine Patientin.

„Für viele ist die ungewollte Kinderlosigkeit immer noch ein Tabuthema“, sagt der Gynäkologe Thomas Hahn. Dabei sei sie weit verbreitet: „Rund 15 Prozent der Paare in Deutschland bleiben ungewollt kinderlos.“

Vor 15 Jahren hat Thomas Hahn gemeinsam mit Martin Schorsch das Kinderwunschzentrum in Wiesbaden gegründet. Seitdem ist die Zahl der Patienten und der Mitarbeiter stetig gewachsen.

Mittlerweile arbeiten 50 Menschen in der Praxis. Die Ärzte und Biologen haben sich auf die Diagnose und Therapie des Kinderwunsches spezialisiert. Damit ist das Kinderwunschzentrum eines der größten Zentren für Reproduktionsmedizin in Deutschland. Zudem unterhält man Kooperationen mit dem Genetischen Institut der Uniklinik Mainz.

Die Gründe dafür, diese Praxis aufzusuchen, sind vielfältig: Hormonstörungen, die Bildung von Antikörpern gegen Eizelle oder Spermien, die Störung der Spermienreifung oder die Fehlbildung der Eierstöcke sind nur einige Beispiele. „Die Gründe für den unerfüllten Kinderwunsch verteilen sich mit jeweils 30 bis 40 Prozent gleichermaßen auf Mann und Frau“, sagt Hahn. Bei 15 bis 30 Prozent der Fälle lägen die Ursachen bei beiden Partnern und bei fünf bis zehn Prozent könne man gar keine medizinischen Hindernisse für eine Schwangerschaft feststellen.

Dafür, dass die Zahl derer, die auf natürlichem Weg keine Kinder bekommen können, stetig wächst, macht Thomas Hahn auch die häufig später beginnende Familienplanung verantwortlich: „Ab Mitte 30 wird es für eine Frau spürbar schwieriger, ein Kind zu bekommen“, sagt der Gynäkologe. Und mit dem steigenden Alter stoße auch die Medizin immer häufiger an biologische Grenzen.

Etwa 60 bis 80 Prozent der Paare könne durch die Behandlung ihr Kinderwunsch erfüllt werden, so der Mediziner. Die Behandlungsmethoden reichen von der hormonellen Stimulation über die Insemination (die Einleitung von Spermien über einen dünnen Schlauch in die Gebärmutter) bis zur In-vitro-Fertilisation, der Befruchtung der Eizelle in der Glasschale.

Die Kosten der Behandlung müssen gesetzlich Krankenversicherte mindestens zur Hälfte selbst zahlen. Die Bedingungen, die ein Paar erfüllen muss, um einen Teil der Behandlung bezahlt zu bekommen sind streng: Es gibt Altersgrenzen, und das Paar muss verheiratet sein,

Trotz dieser Hürden kommen viele Patienten sogar mehrmals ins Kinderwunschzentrum. Im Wartezimmer der Praxis liegen Spielsachen für die Wunschkinder bereit, die auf ein Geschwisterkind warten.

Autor:  Jana Kinne
Datum:  12 | 4 | 2011
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