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Öffentliche Bedürfnisse: CDU wirbt für „Nette Toilette“

Politiker ziehen mit einer Kloschüssel durch die Innenstadt. Keine Kunstaktion, sondern der Versuch, Gastronomen und Geschäftsleute zu motivieren, ihre Toiletten öffentlich zu machen.

        

Beim Innenstadt-Rundgang mit dem WC: Marion Schiefer, Karsten Koch, Stephanie Engel und Sandra Paffe von der CDU.
Beim Innenstadt-Rundgang mit dem WC: Marion Schiefer, Karsten Koch, Stephanie Engel und Sandra Paffe von der CDU.
Foto: Renate Hoyer

Die Idee kommt aus dem sparsamen Baden-Württemberg: Anstatt teure öffentliche Toiletten zu finanzieren, sollten Zuschüsse direkt an Gastronomen und Geschäfte fließen, die ihre vorhandenen Örtlichkeiten von Passanten mit nutzen lassen. „Nette Toilette“ heißt das Konzept, das die Konzept- und Werbeagentur Studioo GmbH in Aalen entwickelt hat. In Aalen wurde die Idee im Jahr 2001 umgesetzt. Inzwischen haben 120 Gemeinden nachgezogen. In Wiesbaden setzt sich die CDU-Fraktion für die Umsetzung dieses oder eines ähnlichen Spar-konzeptes ein.

Ein Bild, wie man es nicht jeden Tag sieht. CDU-Politiker ziehen einen Bollerwagen mit Kloschüssel durch die Stadt. Startpunkt ist das Rathaus. „Keine Kunstaktion“, meint die CDU-Umweltpolitikerin Marion Schiefer. „Wir wollen auf den Mangel an öffentlichen Toiletten aufmerksam machen.“ Also sind Marion Schiefer, Karsten Koch und Sandra Pfaffe mit Klo und Bollerwagen in der Innenstadt unterwegs. „Auch, um mit den Bürgern über den Bedarf ins Gespräch zu kommen“, begründen sie ihre ungewöhnliche Aktion.

öffentliche Toiletten

Öffentliche Toiletten gelten in der Stadt als Mangelware, obwohl es rund ein Dutzend Standorte gibt.
Die Zahl der Standorte erhöht sich, wenn man Friedhöfe(21) und Kinderspielplätze(14) mit rechnet.
Frei ist zum Beispiel die Nutzung der Toilette im Rathaus(bis 18 Uhr), aber auch im Kurhaus (rund um die Uhr).
Barrierefreie Automatik-Toiletten kosten in der Regel 50 Cent Gebühr.
Öffentliche Mitbenutzung ist am Kiosk Eden, Am Kriegerdenkmal, gestattet. gra

Allerdings ist die Toilettenfrage schon in der Koalitionsvereinbarung festgehalten worden. Unter dem Schlagwort „Sauberkeit“ ist dort festgeschrieben, dass „hinsichtlich öffentlicher Toiletten eine Bedarfsanalyse veranlasst werden soll“. „Außerdem wird umgehend das Projekt ,Nette Toilette’ angegangen, um in möglichst vielen gastronomischen und öffentlichen Einrichtungen eine Vereinbarung zur Nutzung der dortigen Toiletten zu ermöglichen“, heißt es weiter.

Wie das Projekt aussehen könnte, lässt sich am Beispiel von zahlreichen Städten beschreiben. Kommunen schließen Verträge mit Wirten und Geschäftsleuten, die ihre Toilette zur Verfügung stellen. An die Agentur, so erläutert die Mediengestalterin Nadine Rabinen, müssen von der Kommune Lizenzgebühren für die Verwendung des Logos entrichtet werden. Außerdem zahlt die Kommune ein Nutzungsentgelt an die Betriebe, die ihre WCs kostenlos zur öffentlichen Mitnutzung bereithalten. Die Idee, so heißt es in der Aalener Agentur, sei dem Chef „natürlich auf der Toilette“ gekommen.

Die Kosten für eine moderne Toilettenanlage wurde vor einigen Jahren in Wiesbaden offengelegt. Damals übernahm die Firma Ströer – Deutsche Städtereklame die Kosten für zwei Edelstahl-Toilettenanlagen zum Preis von je 150 000 Euro. Dazu kalkulierte Ströer noch Wartungskosten von 10 000 Euro jährlich ein.

CDU-Umweltpolitikerin Schiefer hofft natürlich auf Einspareffekte. Wichtiger sei jedoch eine flächendeckende Versorgung mit Toilettenangeboten auf dieser freiwilligen Basis in der Innenstadt. Vielleicht könne man damit ein anrüchiges Thema in den Griff bekommen, hoffen die CDU-Politiker.

Autor:  Michael Grabenströer
Datum:  12 | 7 | 2011
Kommentare:  1
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