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Pflegeeltern: Plötzlich Eltern

Wie der fünfjährige Marc bei den Schmidts ein Zuhause fand.

        

 Marc und „Mama Stephanie“ sind   ein eingespieltes Team.
Marc und „Mama Stephanie“ sind ein eingespieltes Team.
Foto: Oeser

Als Marc das erste Mal nach Hause kam, war er fünf Jahre alt. An der Eingangstür des Einfamilienhauses in Brandau hingen Girlanden aus bunten Buchstaben: „Willkommen zu Hause Marc“ war zu lesen. Vor der Tür standen Stephanie und Michael Schmidt, Marcs neue Eltern.

Die Pflegeeltern zeigten Marc sein Zimmer, da standen schon Schränke und Spielzeug, Autos und Spiderman-Figuren, mit denen Marc am liebsten spielt. „Ist das jetzt mein eigenes Zimmer? Und auch mein Zuhause?“, fragte der Fünfjährige. „Ja“, sagten die Schmidts.

Den 13. Juni 2011, den Tag seiner Ankunft, wollen sie jedes Jahr wie einen zweiten Geburtstag feiern: „Mein Leben hat sich seitdem um 180 Grad gedreht“, sagt Stephanie Schmidt. In der ersten Nacht wollte der Junge aus Wiesbaden mit im Ehebett schlafen: „Ich habe kein Auge zugetan und ihn die ganze Zeit angeschaut“, sagt Stephanie Schmidt „Es fühlte sich noch so irreal an, dass er endlich da war .“

Marc ist in einer Familie angekommen, in einem geregelten Alltag. Er geht in den Kindergarten, isst mit Stephanie Schmidt zu Mittag, spielt mit Michael Schmidt Auto, geht am Wochenende in den Zoo und kuschelt mit seinen Pflegeeltern abends auf dem Sofa.

Das war nicht immer so. Seine leibliche Mutter, die mit ihm und seinen drei Geschwistern in Wiesbaden wohnte, schaffte es nicht für ihre Kinder zu sorgen. So sehr sie auch kämpfte, die Drogensucht machte sie krank.

Patricia Stinson vom Jugendamt Wiesbaden holte die Kinder von der Mutter weg. Marc kam zu einem Paar, das Bereitschaftspflege für Kinder in Not übernimmt. Nur eine Zwischenstation. „Er war sehr vernachlässigt worden, redete kaum und war überhaupt nicht lebendig“, erinnert sich Stinson.

Jetzt sitzt der Junge auf einem Verkehrsteppich, hat einen Mini-Hubschrauber in der Hand und macht das Fluggeräusch nach. Seine „Mama Stephanie“ sieht ihm zu: „Ein Strahlemann bist du“, sagt sie, und Marc grinst.

Da die Schmidts keine eigenen Kinder bekommen können, entschieden sie sich für ein Pflegekind: „Wir wollen einem Kind ein Zuhause schenken.“ Sie nahmen an Vorbereitungsseminaren teil und traten mit Patricia Stinson vom Jugendamt Wiesbaden in Kontakt. Nachdem Stinson das Paar kennengelernt und die Lebenssituation überprüft hatte, suchte sie ein Kind für die Schmidts. Zwei Wochen später besuchten sie Marc bei den Bereitschaftseltern: „Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Stephanie Schmidt.

In der Anbahnungsphase treffen sich Pflegeeltern mehrere Male mit dem Kind um sich kennenzulernen. „Ich habe ihm Bettwäsche von uns vorbeigebracht, damit er uns schon mal riecht.“ Die Schmidts arbeiteten beide ganztags in einer Bank – als klar war, dass Marc zu ihnen kommt, nahm Stephanie Schmidt Elternzeit.

Auch wenn Marc seine Mutter und seine Geschwister noch sieht, gehört er jetzt zu den Schmidts. Zusammen mit Mama Stephanie hat er für Weihnachten gebastelt. Einen Weihnachtsmann, der singt hat Marc geschenkt bekommen: „Das ist jetzt mein eigener.“ Wenn Marc vom Kindergarten kommt sagt er immer: „Hallo zu Hause, da bin ich wieder.“

Wiesbaden sucht Pflegeeltern, Informationen bei Patricia Stinson unter patricia.stinson@wiesbaden.de oder Tel. 0611/314622.

Autor:  Christina Franzisket
Datum:  3 | 12 | 2011
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