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24. Januar 2013

Polizei Rassismus: „Angst vor Übergriffen in Kastel“

Nach Misshandlungsvorwürfen gegen Polizisten verweigern Zeugen des Vorfalls eine Aussage. Sie haben Angst vor Repressalien. In Mainz-Kastel herrscht Angst vor möglichen Übergriffen der Polizei.

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Nach den Misshandlungsvorwürfen eines gebürtigen Iraners gegen vier Polizisten in Mainz-Kastel steht die Frage im Raum, ob in dem südlichen Stadtteil seit längerem ausländerfeindlich gesinnte Beamten im Einsatz sind. Langjährige Ortspolitiker sind überrascht: „Derlei wurde an mich noch nie herangetragen“, sagt der in Kastel lebende Stadtverordnete Hartmut Bohrer (Linke), der auch dem Ortsbeirat angehört.

Syrus Zor ist davon inzwischen überzeugt. Der 50-Jährige hatte am 29. Dezember 2012 in der Mainzer Straße in einem Lebensmittelladen einen Streit zwischen einer Gruppe Jugendlicher und dem Besitzer schlichten wollen. Die vier eintreffenden Beamten seien dann aber auf ihn losgegangen, hätten ihn brutal zu Boden geworfen, ihm Dreck in den Mund gestopft, Nase und Mund zugehalten, sich auf ihn gesetzt und ihm schließlich Handschellen angelegt, schildert Zor, der aus Angst vor Repressalien ein Pseudonym benutzt. Weil Zor keinen Ausweis dabei hatte, wurde er aufs Polizeirevier gebracht und in eine Zelle gesperrt. Ein medizinischer Bericht bescheinigt ihm Prellungen am linken Handgelenk und eine Verdrehung der rechten Schulter.

Doch keiner der 25 bis 30 Zeugen des Vorfalls will seine Beobachtungen öffentlich dokumentieren. „Offensichtlich herrscht in dem Stadtteil eine große Angst vor Übergriffen durch PolizeibeamtInnen, und zwar seit langem“, sagt Gonca Sariaydin vom Initiativausschuss für Migrationspolitik in Rheinland-Pfalz, der das Projekt „Netzwerk für ein diskriminierungsfreies Rheinland-Pfalz“ leitet. An das Netzwerk hatte sich Zor gewandt. „Wir haben mit mehreren Zeugen gesprochen, aber aus Angst möchte keiner öffentlich aussagen“, sagt Sariaydin. Sie hofft, dass sich der Junge, der das Geschehen mit seiner Handykamera gefilmt hat, ausfindig machen lässt. Zor sagt nach Gesprächen mit Anwohnern und Ladenbesitzern, dass eine der Polizistinnen wegen ihrer „ausländerfeindlichen Haltung“ in der Gegend bereits bekannt sei.

Bernd Kaltenbach, der für die CDU in dem Stadtteilparlament sitzt, hat wie Bohrer von ausländerfeindlich gesinnten Polizisten noch nie gehört. Den Vorfall nennt Kaltenbach „fürchterlich“. Doch bevor sich der Ortsbeirat damit befasse, müsse der Ausgang des laufenden Ermittlungsverfahrens gegen die Polizisten wegen Körperverletzung im Amt abgewartet werden. Auch Bohrer fordert Aufklärung und appelliert an die Zeugen, sich zu melden. Sonst stünden die Aussagen der vier Polizisten gegen die des Opfers.

Das Polizeipräsidium Westhessen hatte eine „lückenlose Aufklärung“ angekündigt. (byb.)

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