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Private Ganztagsschule: "Lernen lernen statt pauken"

Die Privatschule Campus Klarenthal bekommt Konkurrenz: Im September nimmt die Private bilinguale Ganztagsschule den Schulbetrieb auf. Von Gaby Buschlinger

Die Schulgründerinnen: Brigitte und Nina Göbel.
Die Schulgründerinnen: Brigitte und Nina Göbel.
Foto: FR/Oeser

Die Privatschule Campus Klarenthal bekommt Konkurrenz: Im September nimmt die Private bilinguale Ganztagsschule (PbG) den Schulbetrieb auf. Das kündigte deren Mitbegründerin Nina Göbel an. Interessenten gebe es trotz des monatlichen Schuldgelds von 795 Euro (inklusive Verpflegung) bereits für Vorschüler bis Fünftklässler, sagte Göbel. Zum Vergleich: Campus Klarenthal verlangt einkommensabhängig zwischen 295 und 970 Euro inklusive Mittagessen.

Die Idee zur Gründung einer privaten Ganztagsschule hatte Nina Göbels Mutter Brigitte Göbel. Die Pädagogin war 37 Jahre als Lehrerin im staatlichen Schuldienst an der Adalbert-Stifter-Schule in Wiesbaden tätig, einer verbundenen Grund- und Hauptschule. "Diese Erfahrung hat mich dazu bewogen, in unserem Schulsystem etwas zu verändern", schreibt sie auf der Internet-Seite ihrer Schule. Alsd gründete sie die PbG.

Info

Die Private bilinguale Ganztagsschule (PbG), Langenbeckstraße 5, weiht am Samstag, 27. Februar, ihren ersten fertigen, flexiblen Klassenraum ein. Besichtigung und Infos von 14 bis 18 Uhr.

www.pbg-wiesbaden.de

Das war vor drei Jahren. Seit September hat das Schulleitungsteam ein Gebäude in der Langenbeckstraße 5 bezogen, gegenüber der Helene-Lange-Schule. Derzeit wird darin gewerkelt und umgebaut, um aus den ehemaligen Büroräumen Klassenzimmer und Mensa zu machen. Ein Vorzeige-raum sei bereits fertig, sagt die für die Öffentlichkeitsarbeit der PbG zuständige Nina Göbel. So könnten Eltern eine Vorstellung von der Schule und deren pädagogischem Konzept erhalten.

Dieses beinhalte nicht nur, dass pro Klasse mit 18 Kindern zwei Lehrer unterrichteten - einer davon auf englisch -, sondern auch dass der Raum selbst als "dritter Pädagoge" betrachtet werde, erklärt Nina Göbel. "Alle Möbel, auch die Schülertische, sind beweglich", sagt sie. Die Tische sind dreieckig und haben Rollen. So könne zügig vom Stuhlkreis in Gruppenarbeit gewechselt werden. Und die alte Tafel mit Kreide - und somit der übliche Frontalunterricht - haben auch ausgedient. "Wir haben mehrere Tafeln mit verschiedenen Oberflächen", so Nina Göbel weiter. Diese könnten als Pinnwand oder Whiteboard genutzt werden und seien zudem rundherum an Schienen im Raum angebracht.

Ab September will die PbG mit 36 Schülern starten. Welche Klassen zusammenkommen, ist noch unklar. Vorschüler könnten aber mit Erst- und Zweitklässlern auch zusammengelegt werden, sagt Nina Göbel. Überhaupt sieht das Konzept ihrer Mutter gemeinsames, altersgemischtes Lernen vor, bei dem immer zwei Klassenstufen (1. und 2., 3. und 4. sowie 5. und 6.) gemeinsam unterrichtet werden.

Das Kultusministerium habe die Genehmigungsfähigkeit des Schulkonzepts bereits zuerkannt, sagt Nina Göbel. Sobald die vier Klassenzimmer im Erdgeschoss des Gebäudes fertig sind, erwartet sie auch die endgültige Genehmigung seitens des staatlichen Schulamts. Nach und nach sollen dann die oberen Etagen umgebaut werden, so dass bis zu zwölf Klassenzimmer entstehen.

Auf eigenes Risiko

Doch bei der 6. Klasse ist für Brigitte Göbel noch nicht Schluss. Sie hat für das Konzept für die Klassen 7 bis 10 bereits beim Staatlichen Schulamt die Genehmigung beantragt und rechnet damit, dass ältere Schüler ab dem Schuljahr 2012/2013 bei ihr "das Lernen lernen statt Unterrichtsstoff zu pauken". Ferner tüftelt sie an einem Konzept "für eine Profiloberstufe bis zum Abitur und internationalem Abschluss".

Das Schulgeld, so räumt Nina Göbel ein, sei schon ein "stolzer Preis". Aber, so schiebt sie nach: "Auf den zweiten Blick erkennen Eltern, was wir alles bieten." Zum Beispiel die Ganztagsbetreuung von 7.45 bis 16.30 Uhr, bei Bedarf auch bis 18 Uhr. Und es kämen keinerlei Zusatzkosten wie Eintrittsgeld oder Kopiergeld hinzu. Zudem bekommen Privatschulen erst nach drei Jahren Betrieb staatliche Zuschüsse. Finanziert wird daher alles über Privatdarlehen, aus eigener Tasche und auf eigenes Risiko. Abstriche haben die Göbels bei der Mensa gemacht. Aus Kostengründen begnügen sie sich vorerst mit einer Aufwärmküche.

Autor:  Gaby Buschlinger
Datum:  25 | 2 | 2010
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