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Prozess in Wiesbaden: Wie starb Nurdan Eker?

Die brutale Tötung der Türkin Nurdan Eker wird ab heute vor dem Wiesbadener Landgericht verhandelt. Angeklagt ist ihr Ex-Mann, der alle Vorwürfe abstreitet. Wenn nicht die Beweise wären. Von Gaby Buschlinger

Nurdan E. war vor ihren Mann wegen ständiger Schläge und Misshandlungen samt den elf und 13 Jahre alten Töchtern ins Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt geflüchtet. Kurz vor ihrem Tod hatte sie die Scheidung eingereicht.
Nurdan E. war vor ihren Mann wegen ständiger Schläge und Misshandlungen samt den elf und 13 Jahre alten Töchtern ins Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt geflüchtet. Kurz vor ihrem Tod hatte sie die Scheidung eingereicht.
Foto: Rolf Oeser

Siebeneinhalb Monate nach der Tötung der 31 Jahre alten Türkin und zweifachen Mutter Nurdan Eker beginnt am heuten Freitag vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess gegen ihren Ex-Mann. Die Staatsanwaltschaft wirft dem heute 39-Jährigen, der seit gut sechs Monaten in Untersuchungshaft sitzt, Totschlag vor. Das teilte der Sprecher der Anklagebehörde, Hartmut Ferse, am Mittwoch mit.

"Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab, schweigt ansonsten aber", sagte Ferse weiter. Allerdings sind die Beweise gegen den 39-Jährigen erdrückend. So wurden an ihm DNA- und Faser-Spuren der Toten gefunden und umgekehrt. Außerdem hat er kein Alibi für den Todeszeitpunkt. Eine Video-Aufzeichnung zeigt ihn am Tattag gegen 11 Uhr an einer Tankstelle in seinem Wohnort Mörfelden-Walldorf. Rechtsmediziner ermittelten aber einen Todeszeitpunkt zwischen 9.30 und 10 Uhr.

Der Mann war bereits in der Ehe mehrmals gewalttätig geworden, so dass seine Frau samt ihren beiden Töchter aus erster Ehe ins Frauenhaus geflüchtet war. Wegen Körperverletzung und Bedrohung ist er vorbestraft. Dem 39-Jährigen drohe jetzt eine lebenslange Haft, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Ferse.

28 Zeugen und sechs Gutachter hat die Staatsanwaltschaft benannt. Augenzeugen der Tat gibt es nicht. Nurdan Ekers Töchter, damals 13 und 11 Jahre alt, haben die blutüberströmte Leiche ihrer Mutter, die mit über 50 Messerstichen brutal getötet wurde, in der Wohnung im Westend entdeckt. Sechs Verhandlungstage sind bis Ende Juni angesetzt.

Das Schicksal von Nurdan Eker hatte die ganze Stadt aufgewühlt. Nach dem Tod ihres ersten Mannes war die 31-Jährige in ihrer Heimat Ost-Anatolien zwangsverheiratet worden. Der Mann habe sich als gewalttätiger Despot entpuppt, hatte Nurdan Eker berichtet, nachdem sie mit ihren Töchtern ins Frauenhaus der Arbeiterwohlfahrt geflüchtet war. Immer wieder habe er sie und die Mädchen misshandelt, einmal habe er sogar einen Hundewelpen vor den Augen der Familie erschlagen - zur Demonstration seiner Macht.

Die Türkin baute sich ein neues Leben auf, ließ sich scheiden und bezog eine eigene Wohnung in der Hellmundstraße. Am 30. September endete es abrupt - acht Wochen, bevor eine Ausstellung "Frauenhaus - Zuflucht und Chance" eröffnet werden sollte. Das Bild der Toten zierte die Einladungskarte. Der Ausstellungsmacherin, der Wiesbadener Fotografin Andrea Diefenbach, hatte Nurdan Eker ihre Leidensgeschichte erzählt. Um anderen Opfern häuslicher Gewalt Mut zu machen, damit sie sich von ihren Peinigern trennen.

Auch das Schicksal der beiden Töchter beschäftigte die Wiesbadener Bürger und löste eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Denn die beiden Waisen müssen nun bei der Großmutter in Ost-Anatolien bleiben, da sie das Sorgerecht für die Kinder besitzt. Viele Menschen befürchten nun, das den Mädchen das gleiche Schicksal wie ihrer getöteten Mutter drohen könnte: Kein Schulabschluss und Zwangsehe.

Der Prozess beginnt am Freitag, 14. Mai, 9 Uhr, Saal 0020, im Landgericht, Justiz- und Verwaltungszentrum, Mainzer Straße 124.

Autor:  Gaby Buschlinger
Datum:  14 | 5 | 2010
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