Im Totschlagsprozess gegen Hasan E. (39) sind am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden erneut die beiden Stiefkinder des Angeklagten befragt worden. Hasan E. soll im September seine Ex-Ehefrau Nurdan (31) mit 56 Messerstichen getötet haben.
Die Töchter von Nurdan E. hatten am Montag überraschend vor Gericht ausgesagt, ihr Stiefvater habe sie zum Oralsex gezwungen. Weder ihrer Mutter noch der Polizei hatten Damla und Seydan (elf und 13) zuvor davon erzählt. Sie hätten sich niemandem anvertraut, da der Angeklagte ihnen gedroht habe, betont Damla erneut. Dieser Darstellung widerspricht die Verteidigung des Angeklagten energisch. Sie beantragt eine Glaubwürdigkeitsuntersuchung der Mädchen. Sie hätten lediglich "rudimentäre" Erinnerungen an die angeblichen Missbräuche, so Rechtsanwalt Axel Küster. In ihrer Vernehmung antworten sowohl die elfjährige Damla als auch die 13 Jahre alte Seydan häufig mit "ich erinnere mich nicht mehr". Auf die Frage des vorsitzenden Richters Rolf Vogel, warum sie jetzt von dem Missbrauch erzählt haben, sagt Damla: "Damit Hasan noch mehr Jahre im Gefängnis verbringen muss." Dies wertet Küster als eindeutigen Belastungseifer. Der zweite Verteidiger, Manfred Döring, sagt: "Diese Geschichte ist eindeutig konstruiert, es gab keinen Missbrauch." Zudem, betonte Küster, sei ein eventueller Missbrauch nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Hasan E. muss sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten.
Angst vor dem Ex-Mann
Die Töchter seiner Ex-Ehefrau leben seit dem Tod der Mutter in der Türkei. Die Mutter der getöteten Nurdan E. sagt aus, dass ihre Tochter Angst vor Hasan E. gehabt habe - auch noch, als sie in einer eigenen Wohnung im Wiesbadener Westen gelebt hat. Hasan E. habe seine von ihm getrennt lebende Frau "angefleht", zu ihm zurückzukehren. "Sie wollte das nicht", so die Mutter. Davon, dass Nurdan E. ihren Ex-Mann auch nach der Trennung regelmäßig angerufen hat, wie Telefondaten belegen, weiß die Frau nichts.
Hasan E. bespricht sich unterdessen mit seinen Anwälten. Zu den Tatvorwürfen hat er bislang keine Angaben gemacht. Seine Anwälte haben angekündigt, dass sich ihr Mandant am 28. Juni zur Sache einlassen werde.
Die Verteidigung des Angeklagten zweifelt nicht nur die Missbrauchsvorwürfe der Mädchen an. "Hier wird Politik gegen den Angeklagten betrieben", so Rechtsanwalt Küster. Hasan E. werde teilweise "wie eine Bestie" dargestellt. Zwar habe er eine Bewährungsstrafe wegen Bedrohung und Körperverletzung erhalten. "Aber der letzte Vorfall dieser Art war am 26. Juli 2007", so Rechtsanwalt Döring.
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