kalaydo.de Anzeigen

Prozess in Wiesbaden: Zweifel an Aussagen der Töchter

Die Anwälte des Angeklagten schüren Zweifel an den Aussagen der Töchter der erstochenen Nurdan E. Deren Mandant macht aber weiter keine Angaben. Von Sonja Jordans

Wegen Handels mit Drogen ist am Dienstag ein 47-Jähriger aus Großkrotzenburg von der Großen Strafkammer des Landesgerichts Hanau zu vier Jahre Gefängnis verurteilt worden. Sein zehn Jahre jüngerer Mittäter aus Hanau muss für fünf Jahre hinter Gitter. Beide haben sich verpflichtet, sich nach Verbüßen einer Mindestzeit im Gefängnis in den stationären Drogenentzug zu begeben. Unser Bild zeigt die berühmte Justitia-Figur vor dem Frankfurter Römer.
Wegen Handels mit Drogen ist am Dienstag ein 47-Jähriger aus Großkrotzenburg von der Großen Strafkammer des Landesgerichts Hanau zu vier Jahre Gefängnis verurteilt worden. Sein zehn Jahre jüngerer Mittäter aus Hanau muss für fünf Jahre hinter Gitter. Beide haben sich verpflichtet, sich nach Verbüßen einer Mindestzeit im Gefängnis in den stationären Drogenentzug zu begeben. Unser Bild zeigt die berühmte Justitia-Figur vor dem Frankfurter Römer.
Foto: ddp

Im Totschlagsprozess gegen Hasan E. (39) sind am Dienstag vor dem Landgericht Wiesbaden erneut die beiden Stiefkinder des Angeklagten befragt worden. Hasan E. soll im September seine Ex-Ehefrau Nurdan (31) mit 56 Messerstichen getötet haben.

Die Töchter von Nurdan E. hatten am Montag überraschend vor Gericht ausgesagt, ihr Stiefvater habe sie zum Oralsex gezwungen. Weder ihrer Mutter noch der Polizei hatten Damla und Seydan (elf und 13) zuvor davon erzählt. Sie hätten sich niemandem anvertraut, da der Angeklagte ihnen gedroht habe, betont Damla erneut. Dieser Darstellung widerspricht die Verteidigung des Angeklagten energisch. Sie beantragt eine Glaubwürdigkeitsuntersuchung der Mädchen. Sie hätten lediglich "rudimentäre" Erinnerungen an die angeblichen Missbräuche, so Rechtsanwalt Axel Küster. In ihrer Vernehmung antworten sowohl die elfjährige Damla als auch die 13 Jahre alte Seydan häufig mit "ich erinnere mich nicht mehr". Auf die Frage des vorsitzenden Richters Rolf Vogel, warum sie jetzt von dem Missbrauch erzählt haben, sagt Damla: "Damit Hasan noch mehr Jahre im Gefängnis verbringen muss." Dies wertet Küster als eindeutigen Belastungseifer. Der zweite Verteidiger, Manfred Döring, sagt: "Diese Geschichte ist eindeutig konstruiert, es gab keinen Missbrauch." Zudem, betonte Küster, sei ein eventueller Missbrauch nicht Gegenstand dieses Verfahrens. Hasan E. muss sich wegen Totschlags vor Gericht verantworten.

Angst vor dem Ex-Mann

Die Töchter seiner Ex-Ehefrau leben seit dem Tod der Mutter in der Türkei. Die Mutter der getöteten Nurdan E. sagt aus, dass ihre Tochter Angst vor Hasan E. gehabt habe - auch noch, als sie in einer eigenen Wohnung im Wiesbadener Westen gelebt hat. Hasan E. habe seine von ihm getrennt lebende Frau "angefleht", zu ihm zurückzukehren. "Sie wollte das nicht", so die Mutter. Davon, dass Nurdan E. ihren Ex-Mann auch nach der Trennung regelmäßig angerufen hat, wie Telefondaten belegen, weiß die Frau nichts.

Hasan E. bespricht sich unterdessen mit seinen Anwälten. Zu den Tatvorwürfen hat er bislang keine Angaben gemacht. Seine Anwälte haben angekündigt, dass sich ihr Mandant am 28. Juni zur Sache einlassen werde.

Die Verteidigung des Angeklagten zweifelt nicht nur die Missbrauchsvorwürfe der Mädchen an. "Hier wird Politik gegen den Angeklagten betrieben", so Rechtsanwalt Küster. Hasan E. werde teilweise "wie eine Bestie" dargestellt. Zwar habe er eine Bewährungsstrafe wegen Bedrohung und Körperverletzung erhalten. "Aber der letzte Vorfall dieser Art war am 26. Juli 2007", so Rechtsanwalt Döring.

Autor:  Sonja Jordans
Datum:  16 | 6 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Regionale Startseite

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Spezial

Die heiße Phase: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
Migrantenverbände kritisieren offen die Personalpolitik des Hessischen Rundfunks
Umstrittene Büttenrede 
Der Umzug ist vorbei. Doch kein Grund zu trauern. Denn nächstes Jahr heißt es wieder Klaa Paris!
Fastnachtsumzug in Heddernheim 
Die Narren sind los!
Fastnachtszug in Jügesheim 
Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

 
Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Polizeimeldungen

Was ist passiert? Polizeimeldungen aus Frankfurt, Darmstadt, Offenbach und Hanau sowie Wiesbaden.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

 

 

Spezial

Hat Volker Bouffier als Innenminister einen Parteifreund begünstigt? Ein Untersuchungsausschuss sucht Antworten.

Meistgeklickt
Sängerin Loreen holt mit Euphoria den ESC nach Schweden und siegt in Baku.
Eurovision Song Contest in Baku 
Harry Nutt
Leitartikel zum Eurovision Song Contest 
Ermittler der Spurensicherung der Polizei durchsuchen in Kiel ein ehemaliges Trafohaus auf dem Gelände einer Kfz-Werkstatt.
Einsatz gegen Rockerbande