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04. Dezember 2012

Reparaturdienst: Hilfe bei den Alltagsnöten

 Von Mirjam Ulrich
Rentner Walter Neder (77) war Elektriker - im "Pluspunkt" kann er seine Fähigkeiten weiter einsetzen. Foto: peter-juelich.com

Beim Kleinreparaturdienst im Erbenheimer „Pluspunkt“ machen Profis Kaputtes heil. Die Kunden bezahlen nur das Material.

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Die Herstellerfirma schrieb ihr lapidar, da sei nichts mehr zu machen, sie solle eine neue Lampe kaufen. Dabei habe ihre Pendelleuchte wahrscheinlich nur einen Wackelkontakt, vermutet Gilla Kuras. „Früher hat mein Mann alles repariert, aber der ist jetzt schwerstpflegebedürftig und kann es nicht mehr“, sagt sie. Statt eine neue Lampe zu kaufen, bringt die Wiesbadenerin ihre kaputte zum Kleinreparaturdienst „Rentner helfen Rentnern“ im Gemeindehaus der Evangelischen Paulusgemeinde in Erbenheim. „Vorige Woche haben mir die Handwerker dort schon zwei alte Müslimühlen wieder flott gemacht“, erzählt sie.

Die Werkstatt befindet sich im Keller des Gemeindehauses. Es riecht nach Holz und Leim, von der Decke hängen ordentlich aufgerollte Kabel. Auf den Tischen liegen kleine und große Schraubendreher, Zangen und anderes Werkzeug. An einem der Tische sitzt Walter Neder und tüftelt an einer kleinen Nähmaschine, die nicht mehr läuft. „Wir rätseln manchmal auch, wo das Problem liegt, weil es alte Sachen sind“, sagt er. Der 77-Jährige war Elektriker von Beruf. Im Ruhestand arbeitet er ehrenamtlich zweimal die Woche beim Kleinreparaturdienst. Ob kaputte Bügeleisen oder wacklige Stühle, er und die anderen fünf Handwerker kümmern sich um solche kleinen Nöte des Alltags.

„Die Reparaturen sind oft zeitaufwendig und dadurch teuer“, sagt Walter Neder, „bei uns fällt das nicht an“. Denn „Kunden“ wie etwa Gilla Kuras bezahlen nur das benötigte Material. Viele von ihnen spenden jedoch und helfen so, die Werkstatt zu unterhalten.

Erfolg im hohen Alter

Bevor „Rentner helfen Rentnern“ 1991 startete, wurden Vereinbarungen mit der Handwerkskammer getroffen. So reparieren die Mitarbeiter nicht vor Ort, Dinge wie tropfende Wasserhähne seien also tabu, stellt Werner Helbig klar. Der Sozialpädagoge leitet „Pluspunkt – der Treff nicht nur für Ältere“, zu dessen Angeboten der Kleinreparaturdienst zählt. Dessen Träger sind die Paulusgemeinde und das Dekanat.

„Durch die Werkstatt öffnet sich die Kirchengemeinde“, erläutert Helbig. „Auch für Leute, die mit Kirche nichts mehr am Hut haben.“ Konfessionszugehörigkeit oder Alter spielen keine Rolle. Bei der offenen Arbeit des Pluspunkts gehe es darum, Menschen, die sich sonst nicht kennen würden, in Kontakt zu bringen, „damit sie miteinander ein Stück Lebensweg gehen“. Darum freue es ihn besonders, dass die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) „Rentner helfen Rentnern“ Ende September mit dem „Preis für die Vernetzungsleistung im Alltag“ auszeichnete.

Der Kontakt mit anderen ist einer der Gründe, warum Alfred Wagner sich seit 1996 beim Kleinreparaturdienst engagiert. Der 81-Jährige ist alleinstehend. „Man hat noch so viel Energie und Wissen, dass andere gar nicht haben“, sagt er und schaut durch eine Lupe auf ein winziges Fahrradbirnchen. Vor ihm auf dem Boden steht ein weißes Damenfahrrad auf dem Kopf, das er überholt hat. Die Arbeit gebe einem gewisse Erfolgserlebnisse, die brauche man schließlich auch.

Mitunter scheitern er und seine Kollegen aber an den fehlenden Ersatzteilen. „Da heißt es, man soll Ressourcen schonen und nicht immer alles gleich wegwerfen, und dann kann man es nicht reparieren, weil es dafür keine Teile mehr gibt“, bedauert Wagner. Dass viele Gegenstände aus Plastik sind, mache es ebenfalls schwierig. Sie lassen sich oft nicht öffnen und deshalb auch nicht instand setzen. Gilla Kuras ist dennoch vom Kleinreparaturdienst begeistert: „Es ist eine tolle Einrichtung – woanders bekommen Sie die Sachen gar nicht mehr repariert.“

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