CDU-Chefin Julia Klöckner als nackte Loreley, Ex-Minister zu Guttenberg als Voodoo-Opfer und der Papst mit aufgeblasenen Verhüterlis: Hunderttausende Narren haben in Mainz bei strahlendem Sonnenschein den Rosenmontagszug mit seinen 13 bunten Motivwagen bejubelt. Dabei bekamen vor allem Politiker und die Kirche ihr Fett weg. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) etwa kommt als „König Kurt“ mit seinem Ruderbötchen vor dem Felsen einer lasziven Loreley à la Klöckner zum Stehen.
In „Angies Voodoo Lounge“ sammelt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgespießte Puppen - neben den ehemaligen Ministerpräsidenten Roland Koch, Günther Oettinger und Jürgen Rüttgers hat es kurz vor Fastnacht noch Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg erwischt. Der CSU-Politiker war vergangene Woche wegen Plagiatsvorwürfen zurückgetreten. Daraufhin wurde er vom Mainzer Carneval-Verein in letzter Minute in den Motivwagen integriert - von der Kanzlerin mit Nadeln traktiert.
Lebendige Guttenberg-Kopien sind auch in den Zuschauerreihen vertreten. Bei männlichen Narren liegt die „Plagiator“-Verkleidung im Trend. Die Frauen feiern beispielsweise als Pop-Sängerin „Lady Gaga“ oder schwarzer Schwan aus dem Film „Black Swan“ - neben hunderten Klassikern wie Clowns, Indianern oder Piraten. Im Rosenmontagszug marschierten, ritten oder fuhren rund 9600 Aktive auf der etwa sieben Kilometer langen Strecke durch die Innenstadt. Das Motto der Mainzer Straßenfastnacht ist dieses Jahr „Egal, was kommt, egal, was ist - der Mainzer Narr bleibt Optimist!“.
Am Wetter gab es allerdings bei knapp zehn Grad und wolkenlosem Himmel eh nichts zu meckern. „Die Sonne ist der Hammer - jetzt macht es noch mehr Spaß“, ruft ein Teufel. „Das beste an Fastnacht ist, dass man schon um elf Uhr morgens Bier trinken darf“, ergänzt neben ihm Bienenmann Willi und schwenkt seine Flasche. Obwohl Alkohol bereits vom Morgen an reichlich floss, blieb nach Auskunft der Polizei zunächst alles friedlich. (dpa)
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