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Schwalbacher Straße: Vom Feldweg zur Verkehrsachse

Die Schwalbacher Straße wurde 1817 als Verbindung zwischen Infanteriekaserne und Stadt geplant. Heute ist sie eine der meistbefahrenen Straßen der Landeshauptstadt. Von Erika Noack

Die Schwalbacher Straße anno dazumal.
Die Schwalbacher Straße anno dazumal.
Foto: Stadtarchiv

Wo früher Wiesen und Gärten waren, verläuft heute die Schwalbacher Straße. Die Hauptverkehrsachse unserer Tage war vor 300 Jahren noch ein Feldweg, der erst im Jahr 1817 als Verbindungsstraße für die Infanteriekaserne in die Stadt ausgebaut wurde.

Um 1700 verlief die Stadtbefestigung ein gutes Stück parallel versetzt zur heutigen Schwalbacher Straße, nämlich von der Hochstättenstraße über das Stumpfe Tor am heutigen Michelsberg bis zu einem kleinen Reuel, der heutigen Kleinen Schwalbacher Straße und weiter zum Mainzer Tor. Vor dem Stumpfen Tor bis westlich der heutigen Schwalbacher Straße befanden sich aber Gärten und Wiesen, die 1772 der Müller Gottfried Mahr erwarb. Seine "Mahrischen Gärten" erstreckten sich vom Michelsberg bis zur späteren Friedrichstraße.

Vortrag

Der Kur- und Verkehrsverein Wiesbaden lädt Interessierte zu einem Vortrag über die Entwicklung der Schwalbacher Straße ein. Referentin ist die Hobbyhistorikerin Erika Noack. An der Veranstaltung kann man am Mittwoch, 18. März, ab 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses teilnehmen.

Weitere Informationen und Fotos zur Geschichte der Schwalbacher Straße findet man im Internet unter www.wiesbaden-fotos.de in der Galerie "Verkehrsachsen".

Um 1800 baute Müller Mahr im Hof der heutigen Schwalbacher Straße 43 einen Spiel- und Tanzsaal. Diesen verkaufte er später an die jüdische Gemeinde, die das Gebäude nach Umbauten ab 1828 als Synagoge nutzte. Um 1818 wurden auch die Mahrischen Gärten verkauft und als Bauland freigegeben.

1817 ließ Herzog Wilhelm die Infanterie-Kaserne seitlich vor dem Stumpfen Tor und zudem eine neue Verbindungsstraße zur Stadt bauen. Am 25. Juli 1817 wurde der Bau der Schwalbacher Straße nach Plänen von Baumeister Bernhard Hundeshagen als Westgrenze der Stadt genehmigt, die nur auf ihrer Ostseite bebaut werden sollte. Noch im selben Jahr entstanden elf Häuser und im Laufe von zehn Jahren war die Schwalbacher Straße von der Rheinstraße bis über den Michelsberg hinaus bebaut.

Den Grundstein für die Infanterie-Kaserne legte Herzog Wilhelm bei der Gedenkfeier zur Schlacht von Waterloo. Trotz des sumpfigen Bodens, bei dem für die Verdichtung des Fundamentbodens 500 Kubikmeter Eichholz für Pfähle benötigt wurden, stellte Baudirektor Götz den Bau innerhalb von zwei Jahren fertig. Das Hauptportal des dreiflügeligen Hauptgebäudes in Blickachse der Friedrichstraße wurde rechts und links von Löwen flankiert.

Das 1829 im Anschluss an die Infanterie-Kaserne errichtete einstöckige Militär-Lazarett am Dotzheimer Wege, heute Dotzheimer Straße, wurde rasch zu klein und 1838 durch einen Neubau an der Schwalbacher Straße abgelöst. In das alte Hospital zog zunächst die Kadettenschule ein, später folgten das Militärkasino und die Volkshochschule. Nach einer Sanierung nutzen Elly-Heuss- und Oranienschule das Gebäude. In dem Militärhospital an der Schwalbacher Straße kam später das Arbeitsamt unter. Kürzlich wurde der Bau zur Schulmensa umfunktioniert.

Die Infanteriekaserne wurde 1911/12 abgebrochen und auf dem Gelände der Boseplatz angelegt. Seinen Namen erhielt er von dem preußischen General Julius Graf von Bose (1809 bis 1884). Durch einen Magistratsbeschluss im Juni 1958 wurde der Boseplatz in "Platz der Deutschen Einheit" umbenannt.

Das erste Haus auf der gegenüberliegenden Westseite der Schwalbacher Straße entstand 1838. Heute steht an dieser Stelle das Haus Bleichstraße 1. Noch bis 1860 gab es die Erkelsmühle an der Schwalbacher Straße und den Bullenstall bis 1850 in den Kimbelwiesen. Der Faulbrunnenplatz wurde 1860 zwischen Stall und Straße angelegt.

1856 legte Karl Boos seinen Generalplan über das Bauwesen in der Stadt Wiesbaden vor, der eine Landhausbebauung im Westen des Fünfecks an der Schwalbacher Straße vorsah. Das sumpfige Gelände jenseits der Schwalbacher Straße war als Bauland nicht sehr beliebt, aber durch eine Befreiung der Grund- und Gebäudesteuer für Bauherren konnte die Bebauung forciert werden. Bis 1861 standen Landhäuser zwischen der Wellritzstraße und dem Faulbrunnenplatz.

Der Faulbrunnen lag ursprünglich an der Südseite der heutigen Faulbrunnenstraße. Schon 1731 wurde er untersucht und galt dank seines mineralhaltigen Wassers als Gesundbrunnen. Nach seiner Verlegung sprudelt der Faulbrunnen seit 1860 auf der anderen Seite der Straße an der Ecke zur Bleichstraße.

1957 wurde die Faulbrunnenanlage neu gestaltet. Eine Brunnenhalle aus Glas und eine Brunnenschale kamen hinzu. 1968 musste der Glaspavillon aber der Verbreiterung der Schwalbacher Straße und der Errichtung der Hochstraße weichen. 2007 wurde der Faulbrunnenplatz etwas aufpoliert. Im Zuge der Neugestaltung des Platzes der deutschen Einheit wird auch dieser Bereich neu gestaltet. Aufgrund von Verunreinigungen ist dieser seit langem stillgelegt.

Autor:  ERIKA NOACK
Datum:  13 | 3 | 2009
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