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Selber schuld

Zugegeben: Wir sind schuld. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Wir sind schuld, dass die kleinen, eigentümergeführten Läden, in den Ortsteilen aussterben. Tante Emma gibt’s schon seit einiger Zeit nicht mehr, beziehungsweise nur noch in Ausnahmefällen, zum Beispiel in Frauenstein, wo eine Dorfgemeinschaft zusammenhält. In vielen anderen Wiesbadener Stadtteilen hat unser Kaufverhalten die Lädchen mit Treffpunkt-Charakter vom Hof gejagt.

Während in Italien oder Frankreich viel Geld für Lebensmittel ausgegeben wird, hält der Deutsche sein Geld zusammen. „Was, 50 Cent für ein Brötchen? Das bekomm’ ich doch auch für 20 Cent“, lässt so manch einer verlauten, springt ins Auto und saust zum Billig-Bäcker im Gewerbegebiet.

Dort kauft er dann gleich auch noch den Sonntagsbraten, schließlich ist auch der billiger als beim Stadtteil-Metzger. Schnell noch ein paar Schnittblumen für die Oma, und dann geht’s wieder nach Hause.

Klar, Gewerbegebiete sind praktisch, vor allem, wenn man berufstätig ist. Doch was ist, wenn man einmal zu klapprig ist, um sich hinters Steuer zu setzen? Dann wünscht man sich die Läden im Ort zurück – und den Plausch mit der freundlichen Bäckereifachverkäuferin, die einen beim Namen nennt. Und mit der man auch mal tratschen kann.

Aber wollen wir mal nicht die ganze Schuld auf uns schieben. Die Politik muss natürlich auch ihr Möglichstes dafür tun, Lebensmittelgeschäfte vor Ort zu erhalten oder erst anzusiedeln. Schließlich steigern die dort die Lebensqualität. Tut sie dies und ändern wir unser Kaufverhalten, dann klappt’s auch wieder mit Tante Emma, Onkel Rewe oder wie sie heißen mögen.

Autor:  Ute Fiedler
Datum:  21 | 2 | 2012
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