Auf der Bühne des Kleinen Hauses des Staatstheaters in Wiesbaden trat Sebastian M., 38jähriger Schauspieler, am vergangenen Freitag vorerst zum letzten Mal in der Rolle eines "Schupos" auf. Nach der Aufführung von Ödön von Horvarths Stück "Glaube, Liebe, Hoffnung" klopften echte Polizisten an die Garderobe des Künstlers, der seit der Spielzeit 2008/2009 zum festen Ensemble des Staatstheaters gehört, und präsentierten ihm einen Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Bonn. Der Schauspieler, dem Kritiker die "Verkörperung einer echten Figur von Glaubwürdigkeit" bescheinigten, wurde wegen Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Vergewaltigung festgenommen.
Der Schauspieler wurde noch am vergangenen Samstag dem Haftrichter in Bonn vorgeführt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft im Gefängnis in Bonn-Beuel. Ein DNA-Abgleich hatte M. belastet, auf dem Straßenstrich in Bonn im Mai gegenüber einer Prostituierten Gewalt angewendet zu haben.
In Bonn lebt der Schauspieler mit seiner Familie. In der ehemaligen Bundeshauptstadt hatte er jahrelang am Theater gespielt, bevor er nach Wiesbaden wechselte. Über den DNA-Abgleich stieß die Staatsanwaltschaft Bonn auf die Spur eines länger zurückliegenden Verbrechens.
Im Januar 2001 war in Bonn einer 18jährigen die Handtasche gestohlen worden. Der Täter verschaffte sich mit dem darin gefundenen Schlüssel Zugang zur Wohnung. Dort vergewaltigte er die 18jährige und auch die später hinzukommende 50jährige Mutter. Jahrelang galt der Fall als ungeklärt, bis zum gewaltsamen Übergriff auf die Bonner Prostituierte 2009.
Täter-Beschreibung und DNA-Abgleich führten die Ermittler direkt in Wiesbadener Theatergarderobe. Den dringenden Tatverdacht habe der Haftrichter bestätigt, sagte Jan van Rossem. Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft der FR.
Das Staatstheater Wiesbaden muss sich nun gleich für eine Reihe von Stücken um eine Neubesetzung kümmern. M. sollte im November und Dezember gleich in 13 Vorstellungen auftreten. Er war auch in dem Brecht-Stück "Herr Puntila und sein Knecht Jakob" und den "Leiden des jungen Werther", die Bearbeitung von Goethes Briefroman, besetzt. Ein Ersatz für M. ist noch gefunden, teilte das Theater auf Nachfrage mit.
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