Wiesbaden
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12. Dezember 2012

Stephanusgemeinde: Der Spieltrieb in uns allen

 Von Bernd Schmid
Ausreichend Licht, einen Tisch und Stühle – mehr brauchen Spieler nicht. Foto: Michael Schick

In der Stephanusgemeinde wird jeden Mittwoch um Siege gerungen. Jeder darf bei den Gesellschaftsspielen mitmachen. Wer mit wem spielt, ergibt sich im Laufe des Abends.

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Spielen ist wie Amerika. Wie im Western gibt es nur gut und böse. Auch beim Thema Gesellschaftsspiel ist die Welt geteilt: Spieler und Nicht-Spieler stehen sich verständnislos gegenüber. Was für die einen die Notlösung für Novembernachmittage oder Urlaubstage mit dem Nachwuchs ist, gehört für die anderen zum Alltag und ist ein Zeichen für Muße und Lebensqualität.

Solche Menschen treffen sich seit einigen Wochen mittwochs in der Stephanusgemeinde. Organisator Sebastian Wenzel hat damit offenbar eine Angebotslücke gefunden. Erst traf er sich mit neu gefundenen Mitspielern in der eigenen Wohnung, nun ist man in den Gemeinderaum umgezogen. Ausreichend Licht, ein paar Tische und Stühle – mehr brauchen die Spieler nicht, um für ein paar Stunden in Fantasywelten einzutauchen oder das Gegenüber beim Kartenspiel auszustechen.

Fest verabredete Spielgruppen sind die Ausnahme, wer mit wem spielt und was gespielt wird, ergibt sich im Lauf des Abends. Wildfremde Menschen stoßen dazu – und bleiben es nicht lange. „Willst du mitspielen, kennst du das Spiel?“ Spieler sind kommunikative Menschen. Ruckzuck sitzt der Besucher mit am Tisch.

„Monopoly spiele ich aus Prinzip nicht, das hat schwere Designfehler, etwa, dass man ausscheiden kann und dann zuschauen muss, wie die anderen den Sieger unter sich ausmachen“, sagt Sebastian Wenzel. Für den 34-Jährigen ist das Spielen mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Der Journalist beschäftigt sich auch beruflich damit. Für eine Nachrichtenagentur schreibt er über sein Leib- und Magenthema, in Stadtmagazinen hat er feste Kolumnen und veröffentlicht seit kurzem gelegentlich Artikel im Fachmagazin „Spielbox“. „Rund 800 neue Gesellschaftsspiele wurden in diesem Jahr auf der Essener Messe Spiel vorgestellt“, erzählt Sebastian Wenzel, die meisten verschwänden allerdings nach wenigen Jahren wieder vom Markt. Ausnahmen sind Spiele wie „Monopoly“ oder „Die Siedler von Catan“, sie stünden seit Jahrzehnten in den Regalen der Spielabteilungen und bei Spielfans zu Hause. Beide Spiele finden sich auch im Fundus von Alexander Wenzel, aus dem er ein gutes Dutzend zu den Spielabenden mitbringt.

Spieler sind zwischen 30 und 40 Jahre alt

Es muss nicht immer das imposante Brettspiel mit Karten, Figuren und Aufgaben sein, das Spieler reizt und das Spiel zum Kassenschlager macht. Dem Kartenspiel Bohnanza etwa liegt ein eher einfaches Prinzip zugrunde, dennoch wurde allein die Basisversion in den 15 Jahren seit Markteinführung über eine Million Mal verkauft – eine Zahl, von der die Autoren und Verlage der meisten Spiele nur träumen.

Immer mehr Spieler kommen an diesem Abend in den Gemeindesaal, die meisten zwischen 30 und 40 Jahre alt. Einige waren schon ein paar Male da, andere kommen zum ersten Mal. So wie Janina Kirsch. Die 25-Jährige hat über Facebook vom Spielkreis gehört. Sie spiele „von klein auf“ und sei nach ihrem Umzug nach Wiesbaden „schier am Verzweifeln gewesen“, dass sie keine Mitspieler fand.

Von denen gibt es an diesem Abend genug. Schnell sitzt sie dabei, als Florian Racky einer Gruppe die Regeln von „Desperados“ erklärt – er selbst ist Autor des Brettspiels. „Der Spieltrieb steckt in jedem, er ist nur unterschiedlich stark ausgeprägt“, weiß Sebastian Wenzel.

Der Spielkreis trifft sich mittwochs 19 bis 23 Uhr im Gemeinderaum der Stephanusgemeinde, Klarenthaler Straße 22; www.spielwiesebaden.de

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