Aktuell: Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Wiesbaden
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Wiesbaden

04. November 2008

Streit um Straußwirtschaft

 Von SABINE MÜLLER

Bauaufsicht untersagt Frauensteiner Winzerfamilie den Ausschank / Verwaltungsgericht soll entscheiden

Drucken per Mail

Federweißer, Most, Wein aus eigenem Anbau und dazu Spundekäs und Winzerweck: In den Straußwirtschaften im Rheingau herrscht zurzeit Hochbetrieb. Nur bei der Winzerfamilie Unkelbach in Frauenstein läuft seit Mitte Oktober nichts mehr. Stühle, Tische, Küche - alles verwaist. Most und Federweißer verfaulen im Keller.

Dabei hatte alles so gut angefangen: Am 8. Oktober eröffnet Karin Unkelbach ihre erste eigene Straußwirtschaft im Lager über ihrem Hofladen - da wo sonst Flaschen aufbewahrt werden oder die Erntehelfer schlafen. Bis Ende Dezember will die 49-jährige zusammen mit ihrem Sohn Thomas, einem gelernten Winzer, Selbstangebautes an Wanderer oder Radtouristen ausschenken. Das Wiesbadener Ordnungsamt gab grünes Licht. "Da haben wir losgelegt."

Doch das Glück währt noch nicht mal eine Woche. Dann flattert den Unkelbachs ein Schreiben der Wiesbadener Bauaufsicht ins Haus: Die Straußwirtschaft sei sofort zu schließen, heißt es - sonst drohe ein Bußgeld in Höhe von 1000 Euro. Grund: Die Winzerfamilie hätte einen Bauantrag auf Nutzungsänderung des Lagers als "Schank- und Speisewirtschaft" stellen müssen.

Karin Unkelbach ist empört: "Wieso werfen die uns Knüppel zwischen die Beine?" Eine Straußwirtschaft sei doch nicht genehmigungs-, sondern nur anzeigepflichtig. Das stehe so im Gaststättengesetz. Die Bauaufsicht habe damit nichts zu schaffen - außer es lägen bauliche Mängel vor. Das aber ist bei den Unkelbachs nicht der Fall. Der Lagerraum befindet sich im Neubau mit Toilette und Küche.

Ein "uraltes Winzerrecht"

Der Wiesbadener Rechtsanwalt Michael A. Else, der die Unkelbachs vertritt, sieht das genauso. Er hat beim Verwaltungsgericht Wiesbaden ein Eilverfahren gegen die Schließung angestrengt. Eine Straußwirtschaft mit maximal 40 Plätzen, die nur vier Monate im Jahr geöffnet hat, sei keine voll konzessionierte Gastwirtschaft wie etwa ein Gutsausschank, begründet der Verwaltungsrechtler. Es gehe vielmehr um ein "uraltes Winzerrecht", dass notleidenden Landwirten die Direktvermarktung erleichtern solle. Das sei erlaubnisfrei.

Auch Fritz Derstroff vom Weinbauamt in Eltville, das zum Regierungspräsidium Darmstadt gehört, hat von baurechtlichen Genehmigungen für Straußwirtschaften noch nie etwas gehört: "Und wir haben hier im Rheingau rund 100 davon." So etwas sei nur für voll konzessionierte Gaststätten nötig, alles andere "ist definitiv eine Falschauskunft". Die Bauaufsicht sei nur für eventuelle bauliche Mängel zuständig und könne auf Beseitigung derselben bestehen. Eine Schließung ohne solche Gründe, wie bei den Unkelbachs, "ist doch sehr verwunderlich".

Die Saison ist gelaufen

Karin Unkelbach ist zu allem entschlossen. "Ich will nur mein Recht", sagt sie. Dafür würde sie, wenn nötig, bis vor den Verwaltungsgerichtshof ziehen. Seit mehr als 20 Jahren sind sie und ihre Familie in der Landwirtschaft tätig. Von der Straußwirtschaft hatten sie sich Zusatzeinnahmen erhofft und zugleich einen Ansporn für Sohn Thomas, der den Betrieb einmal übernimmt, und seinen ersten selbst ausgebauten Wein kredenzen wollte. Die Saison 2008 ist nun in jedem Fall gelaufen - egal wie das Verwaltungsgericht entscheidet. "Der Oktober ist der Supermonat für Federweißer, da hätten wir Leute anziehen können."

Mittlerweile hat das Bauamt in einem Schreiben an die Winzerin Stellung bezogen. Darin steht auch, wer sie angezeigt hat: der Frauensteiner Ortsvorsteher Adolf Lupp (SPD), dessen Sohn die benachbarte Gastwirtschaft Zur Linde betreibt.

Baudezernent Joachim Pös (FDP) wollte mit Verweis auf das laufende Verfahren keine Stellungnahme abgeben.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Wiesbaden. Aus der Nachbarschaft informieren wir auf den Seiten über die Stadt Mainz und den Main-Taunus-Kreis.

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter
Mainz

Anzeige

Anzeige

Spezial

Filmhaus, Filmarchiv und Festivals wie "GoEast" und "Exground" - Wiesbaden mausert sich wieder zur Kinostadt.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

ANZEIGE
- Partner