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12. Januar 2016

Team-Wallraff - Reporter undercover: „Steuern auf Kollaps zu“

 Von 
Hohe Belastung, Hygieneprobleme, zu wenig Personal: Das wollen Patienten nicht erleben.  Foto: Renate Hoyer

Ein Journalisten-Team um Günter Wallraff zeigt große Missstände an den Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken. Nach dem düsteren Bericht werden Vorwürfe laut, die Stadt reagiert besorgt. Geschäftsführung und leitende Ärzte wehren sich aber gegen die Kritik.

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Nach einem Fernsehbericht eines Teams um den Journalisten Günter Wallraff stehen die Wiesbadener Horst-Schmidt-Kliniken (HSK) einmal mehr in der Kritik. Für die Reportage hatte das Team die Arbeit von drei Kliniken unter die Lupe genommen. Darunter auch die in der zentralen Notaufnahme der HSK.

Verdeckt hatte eine RTL-Reporterin acht Tage lang ein Praktikum in der Notaufnahme absolviert und ein düsteres Bild von den dortigen Zuständen gezeichnet. Permanente Unterbesetzung, Dauerstress, ein Dienstplan, der nur mit Überstunden aufrechtzuerhalten sei, seien an der Tagesordnung. Immer wieder kommen in dem Beitrag Mitarbeiter, Ärzte sowie Pflegekräfte und Krankenschwestern, die verfremdet wurden, zu Wort. „Die sparen sich zu Tode“, „Da gehst du kaputt“, heißt es. „In unserer Klinik laufen wir gerade auf einen Kollaps zu. Wir sind am Ende“, sagt eine Beschäftigte, die dem Team für ein längeres Interview zur Verfügung stand. Sie spricht auch von „akuter Sterbehilfe“, die mit dem Personalmangel einhergehe.

Viele Stellen unbesetzt

Kritik wird auch an der Sauberkeit in der Notaufnahme laut, für die laut dem Wallraff-Team der Helios-Konzern verantwortlich zeichnet. Der Konzern hatte die bis 2012 städtischen Kliniken 2014 vom Konkurrenten Rhön übernommen. 49 Prozent der Anteile hält er, Mehrheitsanteilseigner mit 51 Prozent ist die Stadt, die sich jedoch aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat.

Die Geschäftsführung und einige leitende Ärzte der zentralen Notaufnahme stellten sich angesichts dieser massiven Kritik gestern den Vorwürfen. Sie verwehrten sich jedoch gegen die Aussage der Frau, „akute Sterbehilfe“ zu leisten. Das sei diffamierend, „eine Frechheit“, sagte Geschäftsführer Kristian Gäbler. Er räumte durchaus Fehler ein. Es gebe noch immer einen „Veränderungsprozess“ im gesamten Haus, sagte er. Es sei nicht gelungen, die Mitarbeiter auf dem Weg der Umstrukturierung „adäquat“ mitzunehmen. „Wir müssen noch mehr reden“, kündigte er an.

Gäbler erläuterte zudem, dass auch das Reinigungssystem noch immer umstrukturiert werde. Durch die Prozessveränderung seien jedoch die erhoffte Schnelligkeit und Qualität bislang ausgeblieben. „Wir arbeiten daran.“

Ende 2014 hatte Helios angekündigt 391 der 2000 Stellen im Haus abbauen zu wollen. Daraufhin hatten auch Mitarbeiter gekündigt, die der Konzern nicht loswerden wollte. So sind derzeit laut Mathias Haag, pflegerische Stationsleitung, beispielsweise in der zentralen Notaufnahme fünf Stellen unbesetzt, wodurch es zu Engpässen komme.

Mit Besorgnis hat die Stadt auf den Beitrag reagiert. Die dargestellten hygienischen Mängel seien in einem Krankenhaus nicht zu akzeptieren und erst recht nicht in einer Klinik, bei der die Stadt Mehrheitseigner sei, sagte Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD). Gesundheitsdezernent Axel Imholz (SPD) habe das Gesundheitsamt bereits beauftragt, sich mit der Geschäftsführung in Verbindung zu setzen, um die Hygieneaspekte aufzuklären.

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