Überraschende Wende im Fall der vor vier Wochen ermordeten Nurdan E. (31) aus Wiesbaden: Am Freitagmorgen hat die Polizei den 38 Jahre alten Ex-Mann der zweifachen Mutter in dessen Wohnung in Wiesbaden festgenommen.
Nach der Tat hatte der Türke aus Ost-Anatolien, der seine Ehefrau jahrelang misshandelt und geschlagen hatte, der Polizei ein "wasserdichtes Alibi" vorweisen können. Doch Frankfurter Gerichtsmedizinier haben nach Angaben der Wiesbadener Polizei nun den genauen Todeszeitpunkt der 31-Jährigen ermittelt - und dieser ist deutlich früher als bislang angenommen. Für diesen Zeitpunkt könne der 38-Jährige kein lückenloses Alibi mehr vorweisen. Die Staatsanwaltschaft hält ihn jetzt für dringend tatverdächtig. Der 38-Jährige schwieg bislang zu den Vorwürfen und sollte am Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Die AWO Wiesbaden hat zwei Konten für die Kinder der ermordeten Nurdan E. eingerichtet (Stichwort jeweils "Nurdan"):
Nassauische Sparkasse, BLZ: 51050015, Konto-Nr.: 100 002 574
SEB AG, BLZ: 510 101 11, Konto-Nr.: 1 011 183 100.
Derweil sitzen die beiden Töchter der Ermordeten in Sivas in Anatolien fest. Die elf und 13 Jahre alten Mädchen waren zur Beerdigung ihrer Mutter in deren Heimat geflogen. Schon bei der Einreise hatte die Passkontrolle angekündigt, dass die beiden Vollwaisen die Türkei nicht wieder verlassen dürfen. Angeblich, weil in ihren Pässen der Ausreisestempel fehle, als sie vor sechs Jahren die Türkei mit ihrer Mutter und deren zweitem Ehemann verlassen hatten. Sie sind nun in Obhut ihrer Großeltern.
Aber genau das bereitet dem Wiesbadener Jugendamt sowie der Arbeiterwohlfahrt (AWO), in deren Frauenhaus Nurdan E. mit ihrern Töchtern Zuflucht vor ihrem gewalttätigen Mann gefunden hatte, große Sorgen. Beide Institutionen bemühen sich um eine Ausreisegenehmigung für die Mädchen. "Ihnen droht das gleiche Schicksal wie ihrer Mutter und deren Schwester", befürchtet AWO-Geschäftsführerin Hannelore Richter. Nurdan E. war in zweiter Ehe zwangsverheiratet worden. Der Mann entpuppte sich als Despot, Schläge und Demütigungen standen an der Tagesordnung, auch noch nach dem Umzug nach Wiesbaden. Um seine Macht zu demonstrieren, hatte der 38-Jährige sogar in der Küche einen Hundewelpen erschlagen. Der 31-Jährigen gelang es schließlich, ihrem Peiniger zu entkommen. Kurz vor ihrem Tod hatte sie sich ein neues Leben aufgebaut, eine kleine Wohnung bezogen, die Scheidung eingereicht. Die Freiheit war ihr nur kurz gegönnt.
Nach der Tat nahm Nurdan E.´s Schwester ihre Nichten zu sich - ins Frauenhaus in Düren. Dorthin war sie vor ihrem Ehemann geflüchtet, den sie wegen Vergewaltigung und Körperverletzung angezeigt hat. Gemeinsam waren sie zur Beerdigung geflogen; ohne ihre Nichten musste die Schwester zurückkehren.
AWO-Geschäftsführerin Richter meint, die Mädchen seien zwar in der Türkei geboren, aber in Wiesbaden groß geworden und verwurzelt. Sie könnten nicht mal türkisch. Die AWO hat eine Anwältin eingeschaltet, die mit einer Kanzlei in Istanbul kooperiert. Knackpunkt ist, wer das Sorgerecht für die Vollwaisen hat: Die Großeltern in Anatolien oder die Schwester in Düren. Die türkische Botschaft in Berlin sagte auf FR-Nachfrage, dass ein türkisches Gericht entscheide, wem das Sorgerecht zustehe.
Seit der Ermordnung von Nurdan E. sammelt die AWO Wiesbaden Spenden für die Ausbildung der Mädchen. 8000 Euro sind bereits zusammen gekommen, Schulen und Gruppen haben laut Richter Zusagen über Spenden gemacht, und die AWO selbst legt auch nochmal 10.000 Euro drauf. Das Geld wird auf einem Treuhandkonto angelegt. "Es muss beweisbar für die Ausbildung der Mädchen benutzt werden und wird auf keinen Fall an Verwandte ausgezahlt", betont Richter.
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