Seit 40 Jahren arbeitet Manfred Stein für das Deutsche Rote Kreuz (DRK). In dieser Zeit hat er viele Kollegen kennengelernt – allerdings kaum welche, die ausländische Wurzeln haben. Das soll sich jetzt ändern. Die Hilfsorganisation will verstärkt um Bürger mit Migrationshintergrund werben. Die Verantwortlichen versuchen, Migranten als Kunden, aber auch als ehrenamtliche Helfer, hauptamtliche Mitarbeiter und Führungskräfte zu gewinnen.
Für Stein ist klar: Das wird nicht einfach. Er ist seit sechs Monaten Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Wiesbaden und hat offizielle Zahlen der Stadt vorliegen. Danach haben mehr als 30 Prozent der Einwohner ausländische Wurzeln. Die meisten Migranten reagieren auf das Angebot der Organisation bisher jedoch zurückhaltend.
Kleiderkammer, Hausnotruf, Essen auf Rädern – diese und weitere Dienste des Roten Kreuzes stehen in Wiesbaden auch Menschen mit Migrationshintergrund zur Verfügung. Sie richten sich an Migranten als Kunden und Bedürftige. „Sie auch als Ehrenamtliche und als Mitarbeiter zu gewinnen, da stehen wir noch am Anfang“, sagt Stein.
Im Fahrdienst hat sein Kreisverband kürzlich einen Mitarbeiter mit Migrationshintergrund eingestellt. Somit sind es in Wiesbaden derzeit fünf Migranten, die für das Rote Kreuz in diesem Bereich arbeiten. Dazu kommen ein paar weitere, die in der Kleiderkammer tätig sind. Manfred Stein ist zuversichtlich, dass weitere Migranten folgen werden. Das Rote Kreuz sei offen, man habe keine Vorbehalte.
Stein sieht Vielfalt als Chance. Viel verspricht er sich auch von der Zusammenarbeit mit Mira Sackeyfio. Sie ist seit Februar 2011 beim Landesverband des Roten Kreuzes verantwortlich für den Bereich Integration und Interkulturelle Öffnung. Stein ist erfreut, eine Ansprechpartnerin zu haben, mit der er sich bei künftigen Planungen abstimmen kann. Etwa, wenn es um eine neue Kindertagesstätte geht. Oder um den Ausbau des Hausnotrufs.
Mehr Migranten beim Roten Kreuz – Stein weiß: Das geht nicht über Nacht, sondern nur Schritt für Schritt. „In Wiesbaden haben wir einen neuen Vorstand, eine neue Satzungsstruktur, kurz: Wir sind im Aufbruch“, sagt er. „Es geht gerade erst los.“ Dem Geschäftsführer ist bewusst, dass das Rote Kreuz in Wiesbaden einige Versäumnisse aufholen muss.
Andere Städte sind schon weiter. Der DRK-Kreisverband in Darmstadt etwa gehört zu den Kreisverbänden, die bereits vor mehreren Jahren damit begonnen haben, intensiv mit Migranten zu arbeiten und die passenden Strukturen aufzubauen. Manfred Stein kennt die Verhältnisse in Darmstadt sehr gut. Er bekommt vieles mit, was dort läuft.
Zum Beispiel das Projekt „Helfer in der Pflege“. Das Rote Kreuz in Darmstadt versucht damit, mehr Migranten zu ermutigen, eine Ausbildung im Bereich der Pflege zu machen. Stein findet diese Idee gut. In diesem Jahr will er sie deshalb auch in Wiesbaden umsetzen. Es ist noch nicht zu spät, findet er.
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