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12. März 2014

US-Militär: Europas größter Stützpunkt

 Von Arne Löffel
"At your service": Oberst David Carstens, Kommandeur der US-Garnison in Wiesbaden.  Foto: Michael Schick

Das US-Militär will künfitg alle seine Streitkräfte in der Wiesbadener Militärbasis in Erbenheim konzentrieren. Damit befindet sich dort spätestens ab Ende 2016 der größte US-Außenposten in Europa. 20.000 Soldaten, Angestellte und Familienangörige sollen in Erbenheim stationiert werden.

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Wiesbaden –  

Die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gelebte, dezentrale Struktur des US-Militärs ist ein „Relikt aus dem Kalten Krieg“. Das sagte der Garnisonskommandant der US-Streitkräfte in Wiesbaden, Oberst David Carstens, am Dienstag Nachmittag bei einem Pressetermin am Erbenheimer Militärflughafen. „Und dieses Relikt hat jedes Jahr 100 Millionen US-Dollar an Logistikkosten verschlungen“, so Carstens.

Deshalb werden sukzessive die bisher in Mannheim, Heidelberg und Darmstadt verstreuten geheimdienstlichen Einrichtungen in einem „Consolidated Intelligence Center“ (vereinigtes Nachrichtenzentrum) am Standort in Erbenheim zusammengezogen. Die Geheimdienst-Einrichtungen aus Heidelberg sind bereits in Wiesbaden, die Soldaten aus Mannheim sollen bis Ende 2014, die aus Darmstadt bis Ende 2016 nach Wiesbaden umziehen. Mit diesem 500 Millionen US-Dollar kostenden Umzug wächst die Wiesbadener Garnison auf rund 20 000 US-Soldaten inklusive Angestellten und Familien an und wird der größte US-Außenposten in Europa.

Oberst Carstens begrüßt die strategische Entscheidung zur Bündelung der Kräfte in Wiesbaden. Die US-Armee brauche in Europa keine dezentrale Struktur mehr, weil sie keine großen, vernichtenden Schläge von Aggressoren zu fürchten habe. Außerdem erleichtere es die alltägliche Arbeit, wenn alle zur Führung einer Streitmacht nötigen Abteilungen nur einen kurzen Fußmarsch voneinander entfernt seien.

Sperrgebiet Hainerberg

Wie es in Zukunft in Wiesbaden mit dem US-Militär weitergehen soll, erläuterte Carstens zur Erleichterung vieler Bewohner: Im Sinne der guten nachbarschaftlichen Beziehungen mit der Stadt Wiesbaden und im Sinne des Umweltschutzes verzichtet Carstens auf den angekündigten Umbau des Golfplatzes „Rheinblick“. Für den Umbau hätten drei Hektar Wald gerodet werden müssen. Aber der Bauantrag werde postwendend zurückgezogen, so der Oberst.

Aufgehorcht wird auch, wenn Carstens seine Pläne für das Wohngebiet Hainerberg präsentiert: Der Hainerberg soll schon bald für die Normalbevölkerung gesperrt werden und der Zugang nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung über einen Kontrollpunkt möglich sein.

Grund für diese Veränderung ist laut Carstens eine zu erwartende Ersparnis bei den Personalkosten: Im Moment gibt es für die PX (ein steuerfreier Mega-Markt mit Übersee-Waren für Militärangehörige) und zwei Schulen auf dem Gelände jeweils einen Wachposten. Der Wachposten an der PX ist laut Carstens nötig, um den exklusiven Zugang für Militärangehörige zu gewährleisten und dem Schmuggel vorzubeugen. Die Wachposten an den Schulen erklärt der Oberst damit, dass die Kinder „das schwächste Glied in der US-Armee“ und deshalb besonders schützenswert seien.

„Diese bisherigen Wachposten werden an der B455 zusammengelegt“, erklärt Carstens, was wiederum bedeutet, dass das bisher frei zugängliche und befahrbare Viertel künftig für Zivilisten gesperrt ist. Allerdings ist das Wohngebiet Hainerberg für Zivilisten auch nicht sonderlich attraktiv. Ulises J. Soto, ein behördlicher Verbindungsoffizier der US-Armee, berichtet, dass die Angestellten der umliegenden Firmen die Straße des Hainerbergs derzeit als kostenlosen Parkraum nutzen. Das wäre dann vorbei.

Natürlich ist ein Wohngebiet, das nur über einen Kontrollpunkt befahrbar ist, auch leichter kontrollierbar. Carstens bestreitet allerdings, dass die US-Streitkräfte mit dem zentralen Kontrollpunkt einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis Rechnung trügen. „Ich sehe keine neuen Bedrohungen für unsere Familien in Wiesbaden“, betont er. Auch die US-Streitkräfte müssen Steuergeld einsparen. „Ein zentraler Kontrollpunkt rechnet sich schnell für uns“, so der Oberst.

Da der gesamte Verkehr durch das Nadelöhr eines Kontrollpunkts muss, wird das Einfädeln auf die B455 mit einer Ampel geregelt, um Staus zu vermeiden.

Rücksicht auf Anwohner

Zwei weitere Wohngebiete finden sich an und auf der Clay-Kaserne in direkter Nachbarschaft des Flugplatzes in Erbenheim. Hier bereiten sich die Amerikaner auf die Übernahme der bislang noch in Mannheim, Darmstadt und Heidelberg verstreuten Militäreinrichtungen vor.

Carstens freue sich darüber, dass die Entscheidung für ein US-Hauptquartier in Wiesbaden gefallen sei – wenn sie auch gar nicht das US-Militär, sondern die Bundesregierung im Verteidigungsministerium getroffen habe. „Ich mag die Stadt und vor allem den Rheingau“, betont er.

Im Sinne der guten Nachbarschaft spricht er den von Erbenheim ausgehenden Fluglärm an und betonte – wie alle seine Vorgänger–, dass sich auf dem Airfield alles im von der Bundesregierung gesetzten Rechtsrahmen abspiele. „Wir sind da sehr genau“, betont Carstens.

Wenn die Stadt sich Einhausungen für die lärmenden Triebwerktests der Hubschrauber wünsche, dann appelliere er ebenfalls an die gute Nachbarschaft. „Und mit guter Nachbarschaft meine ich Geld.“ Solche Bauwerke könnte das US-Militär angesichts des bekannten Kostendrucks nicht alleine stemmen.

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