Die Verlesung der Anklageschrift erforderte Ausdauer - von den Zuhörern im Gerichtssaal, aber vor allem vom Anklagevertreter. Fast eine Stunde brauchte Staatsanwalt Klaus Heimann-Trosien im Schwurgerichtssaal des Landgerichtes, um 140 Betrugsfälle einzeln vorzutragen. Das Muster war in allen Fällen immer das gleiche.
Im Internet-Auktionshaus Ebay wurden Laptops, Kleidungsstücke mit klingenden Namen wie Armani oder Versace, Schuhe, aber auch Navigationsgeräte oder anderes Autozubehör versteigert. Die Auktionsgewinner zahlten für die ersteigerte Ware, doch sie erhielten nie das ersteigerte Produkt. Die Taten liegen schon fünf Jahre zurück.
Dafür wurde jetzt Sasa B. angeklagt. Der gebürtige Wiesbadener, der noch am Wohnsitz bei den Eltern in der Landeshauptstadt gemeldet ist, lebt inzwischen überwiegend in London. Aber eigentlich ist er weltweit unterwegs. Als Beruf gab er Profi-Pokerspieler an. Eine Berufsbezeichnung, die auch die 1. Strafkammer unter Vorsitz der Richterin Ingeborg Bäumer-Kurandt zu Nachfragen veranlasste.
B. erläuterte, dass er vom Pokern lebe, bei Turnieren Geld gewinne, bei Pokermagazinen und beim Fernsehen gefragt sei und im Jahr mehrere 100.000 Euro verdiene - weitgehend steuerfrei, weil es sich um Glücksspielgewinne handele. B. zeigte sich erstaunt darüber, dass ausgerechnet er ein Internetbetrüger sein soll. Damit habe er nichts zu tun, versicherte er und bot dem Gericht an: "Wenn ich Ihnen helfen kann, helfe ich Ihnen gern".
Angeklagter streitet Taten ab
Einen Schaden von rund 35.000 Euro soll B. mit den Pseudo-Versteigerungen angerichtet haben. Das Geld wurde an eine Nürnberger Direct-Bank überwiesen und von dort auf Konten bei Wiesbadener Banken verteilt. Nicht einmal einer Handvoll Ersteigerer war aufgefallen, dass der Anbieter der Ware nicht identisch war mit dem Kontoinhaber. Sie zahlten nicht. Laut Anklage wurden Anbieter erfunden, die real nicht existierten.
Unklar blieb, wie die Staatsanwaltschaft B. den Betrug nachweisen will. Der Zeuge Nuri Ö., den Susa B. in einem Internetcafe an der Ringkirche kennengelernt hat, erschien nicht zur Verhandlung. Er muss 200 Euro Ordnungsstrafe bezahlen. Ein weiterer Zeuge, Ronny M., soll seinen Namen für die Eröffnung von Konten bei Wiesbadener Geldhäusern hergegeben und dort regelmäßig Geld abgehoben haben. Dennoch konnte er über die Geschäfte vor Gericht wenig erzählen. Sein Jugendstrafverfahren in dieser Angelegenheit wurde eingestellt. Er räumte ein: "Ich war dumm und doof". Der Prozess wird im Dezember fortgesetzt.
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