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Wiesbaden
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11. Februar 2016

Wiesbaden: Illegale Tierzuchten

 Von 
Wer auf dem Supermarktparkplatz Katzen aus dem Karton verkauft, ist sicher kein vertrauenswürdiger Züchter.  Foto: REUTERS

Der Tierschutzverein warnt bei Tieren vor Internet- und Parkplatzkäufen. Vermeintliche Schnäppchen werden häufig mit einem hohen Preis, insbesondere dem Leid der Elterntiere, erkauft.

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Den Tierschützern stockte der Atem, als sie im Dezember vergangenen Jahres Hunderte Tiere aus einer Drei-Zimmer-Wohnung in Erbenheim retteten. 248 Kaninchen und 41 Perserkatzen waren aus völlig zugemüllten Räumen geholt worden. „Viele der Tiere waren krank und trächtig.“ So beschreibt Henriette Hackl, Vorsitzende des Tierschutzvereins Wiesbaden, die Situation vor Ort.

Vor Kurzem mussten die Helfer erneut eingreifen. Mehrere Chihuahua und Pudel aus einer weiteren, vermutlich illegalen Zucht wurden in Wiesbaden sichergestellt. Zwar seien die Tiere in einem guten Zustand gewesen. Dennoch appelliert Hackl an Käufer, Tiere grundsätzlich nicht im Internet oder auf der Straße zu kaufen. „Vermeintliche Schnäppchen werden häufig mit einem hohen Preis, insbesondere dem Leid der Elterntiere, erkauft.“

Wie oft Tierschützer und Veterinäramt in Wiesbaden zu solchen Einsätzen gerufen werden, ist laut Tierärztin Heike Stein vom Veterinäramt nur schwer zu sagen. „In der Regel erstatten Kunden Anzeige, wenn sie feststellen, dass sie ein krankes Tier erworben haben, weil es Probleme mit den Papieren gibt oder weil beim Tierarztbesuch auffällt, dass Rasse oder Alter des Tieres falsch angegeben sind“, sagt Stein. Zu den konkreten Fällen der vergangenen Monate möchte sie sich nicht äußern.

Beschlagnahmen dürfen die Mitarbeiter des Veterinäramts die Tiere dann, wenn ihnen Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt wurden, erläutert Stein. Bis geklärt ist, ob die Zucht illegal ist und ob der Züchter gegen Auflagen verstoßen hat, werden die Tiere kostenpflichtig untergebracht. Handelt es sich um eine illegale Zucht, kann dem Züchter die Zucht, der Handel und gegebenenfalls auch die Tierhaltung untersagt werden, sagt Stein. Je nach Schwere des Vergehens werde ein Bußgeld erteilt oder der Vorgang der Staatsanwaltschaft übergeben.

Nach Angaben der Wiesbadener Staatsanwaltschaft wird gegen die Züchterin aus Erbenheim derzeit wegen Betrugs ermittelt. Sie soll wissentlich kranke Tiere verkauft haben und ihnen über einen längeren Zeitraum erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt haben. Letzterer Vorwurf könne mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden, sagt ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Laut Hackl sind die Strafen in der Regel jedoch viel zu niedrig, um illegale Züchter abzuschrecken. „Das schnelle Geld lockt“, sagt Hackl. Sie und Stein raten Tierliebhabern dazu, sich mehrfach mit dem Züchter zu treffen, bevor es zu einem Kauf kommt. „Vor allem sollte man sich bei dem- oder derjenigen zu Hause treffen und sich vor allem das Muttertier zeigen lassen.“

Rat vom Tierheim holen

Um zu erkennen, ob es sich bei dem erwachsenen Tier auch wirklich um das Muttertier handelt, sollte man genau hinsehen: „Eine Mutter wird ihren Welpen beachten und nicht wegstoßen.“ Zudem rät sie, auf den Glanz des Felles zu achten. Auch daran lasse sich der gesundheitliche Zustand eines Tieres erkennen. Heike Stein warnt zudem davor, Tiere spontan oder aus Mitleid zu kaufen. „Damit werden häufig illegale und tierschutzwidrige Vermehrungen unterstützt und weiter verstärkt.“

Am Verkaufspreis lässt sich laut Henriette Hackl ein illegal gezüchtetes Tier mittlerweile nicht mehr erkennen. „Die Züchter haben dazu gelernt. Früher haben sie die Tiere zu einem Spottpreis angeboten.“ Heute würden annähernd reguläre Preise gefordert, sagt sie.

Prinzipiell rät Hackl Menschen, die sich ein Tier zulegen wollen, sich ans Tierheim zu wenden. Dort erhalte man „adäquate“ Beratung. Es gebe regelmäßig Rassehunde, darunter auch Welpen, zu finden. „Wer dennoch einen Hund bei einem Züchter kaufen will, sollte sich an den Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) wenden, der Interessenten seriöse Züchter nennt.“

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